Umstrittener Polizeieinsatz bei Paris Krawalle nach Burka-Kontrolle

Stand: 22.07.2013 12:38 Uhr

Seit dem Verbot der Burka werden in Frankreich vollverschleierte Frauen kontrolliert. Immer wieder laufen diese Polizeieinsätze aus dem Ruder. Am Wochenende führte in der Kleinstadt Trappes bei Paris eine Kontrolle zu Ausschreitungen: Autos wurden in Brand gesteckt und vor dem Polizeirevier demonstrierten Anwohner. 

Von Daniela Kahls, ARD-Hörfunkstudio Paris

Brennende Autos und Mülltonnen, wütende junge Männer, die mit Steinen und Feuerwerkskörpern das örtliche Polizeirevier attackieren: Solche Szenen, die keine guten Erinnerungen wecken, haben sich am Wochenende in der Kleinstadt Trappes im Großraum Paris abgespielt. 

Nach der Belagerung des Polizeireviers patrouillieren Spezialkräfte der Polizei in Trappes.
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Nach den Ausschreitungen patrouillieren Spezialkräfte der Polizei in Trappes.

Sondereinheiten der Polizei sind immer noch vor Ort und sollen erneute Ausschreitungen verhindern. Ob das gelingt, wird sich heute Nacht zeigen. Hintergrund der Krawalle war eine Polizeikontrolle einer vollverschleierten Frau, die eskaliert ist.

Laut Aussagen der Polizei soll der junge Ehemann der Frau die Polizisten angegriffen haben, laut Aussagen der zum Islam konvertierten und vollverschleierten jungen Französin sollen die Polizisten sie beleidigt und herumgeschubst haben. In jedem Falle wurde der Ehemann in Polizeigewahrsam genommen - was dann zur Belagerung des Polizeireviers führte. 

Sechs der Randalierer wurden festgenommen. Völlig zu Recht, betonte Frankreichs Innenminister Manuel Valls: "In einer Demokratie wie der unseren ist keinerlei Platz für Gewalt. Es gibt keinerlei Entschuldigung, Polizeikräfte anzugreifen oder Autos anzuzünden. So etwas ist nicht zu tolerieren und deshalb muss man Menschen, die so etwas tun, auch mit Nulltoleranz begegnen."

Immer wieder Ausschreitungen wegen Burkaverbots

Immer wieder kommt es in Frankreich zu Ausschreitungen, wenn Polizisten Burka tragende Frauen kontrollieren. Seit zwei Jahren ist es in Frankreich verboten, einen Vollschleier in der Öffentlichkeit zu tragen. Das wird mit einem Bußgeld von 150 Euro geahndet. Seit das umstrittene Gesetz in Kraft ist, wurden in Frankreich mehr als 700 vollverschleierte Frauen kontrolliert. Dabei kam es mehrfach vor, dass sich Frauen der Polizeikontrolle verweigerten und laut um Hilfe riefen. 

Frankreichs Innenminister Valls beim rituellen Fastenbrechen in der Großen Moschee von Paris.
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Frankreichs Innenminister Valls (links) beim rituellen Fastenbrechen in der Großen Moschee von Paris.

So wie nun in Trappes lief eine Polizeikontrolle wegen eines Vollschleiers allerdings noch nie aus dem Ruder. Dennoch verteidigte Valls das Burkaverbot: "Das Gesetz, das den Vollschleier verbietet, ist ein Gesetz für die Frauen und nicht gegen den Islam." 

Das Gesetz richte sich gegen  Praktiken, die nichts mit den Werten und Traditionen der Republik zu tun hätten, so Valls weiter. "Insofern haben die Polizisten mit der Kontrolle völlig richtig gehandelt."

Muslime fühlen sich in ihrer Religionsfreiheit beschnitten

Doch viele französische Musliminnen, die einen sich für das Tragen eines Vollschleiers entschieden haben, sehen das anders. Sie fühlen sich in ihrer Religionsfreiheit beschnitten. Einige Frauen provozierten deshalb bereits eine Verurteilung, indem sie vollverschleiert ins Rathaus gingen und dem Bürgermeister einen Geburtstagskuchen überreichten. 

Die Situation in Trappes wird auch noch dadurch verschärft, dass Frankreich im Moment unter einer extremen Hitzewelle leidet. In Paris werden heute 35 Grad im Schatten erwartet, eine Belastungsprobe für die derzeit im Ramadan fastenden Muslime.

Dieser Beitrag lief am 22. Juli 2013 um 16:08 Uhr auf NDR Info.

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