Polizisten untersuchen den Tatort in Paris. | Bildquelle: AP

Messerangriff in Paris Verdächtiger soll Tat gestanden haben

Stand: 26.09.2020 14:44 Uhr

Die Polizei verdächtigt einen 18-Jährigen, zwei Menschen nahe der ehemaligen "Charlie Hebdo"-Redaktion mit einem Hackmesser schwer verletzt zu haben. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll der junge Mann geständig sein.

Nach der Messerattacke von Paris hat der Hauptverdächtige Berichten zufolge die Tat gestanden. Der 18-Jährige habe dabei auch die von dem Satiremagazin "Charlie Hebdo" veröffentlichten Mohammed-Karikaturen erwähnt, berichten französische Medien übereinstimmend. Er habe diese Karrikaturen "nicht ertragen". Er ging demnach davon aus, dass die Satirezeitung, die seit dem Anschlag von 2015 an einem geheimen Ort unter Polizeischutz arbeitet, noch in ihren alten Büroräumen untergebracht ist. Von der Staatsanwaltschaft gab es zunächst keine Bestätigung.

Am Freitagmittag waren zwei Menschen in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Redaktionsräume des Satiremagazins "Charlie Hebdo" mit einem Hackmesser attackiert und verletzt worden. Bei den Opfern soll es sich um eine Mitarbeiterin und einen Mitarbeiter einer Film-Produktionsfirma handeln. Beide sind schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr.

Die TV-Produktion sitzt in dem Gebäude, in dem früher die Satirezeitschrift ihre Büros hatte. Die beiden Mitarbeiter waren offenbar für eine Raucherpause auf die Straße gegangen.

Hauptverdächtiger war polizeibekannt

Die Polizei war sofort mit einem Großaufgebot zur Stelle. Kurze Zeit nach der Tat wurde der Hauptverdächtige am unweit vom Tatort gelegenen Place de la Bastille festgenommen. Der 18-Jährige pakistanischer Herkunft soll blutverschmiert gewesen sein.

Der französische Innenminister Gérald Darmanin gab an, der junge Mann sei polizeibekannt gewesen, Hinweise auf eine Radikalisierung habe es aber nicht gegeben. Der Verdächtige tauche auch nicht in den Listen mit potenziellen islamistischen Gefährdern auf. Laut Polizei hält sich der junge Mann seit drei Jahren in Frankreich auf. Im Juni sei er vorübergehend festgenommen worden, weil er im Besitz einer "Stichwaffe" gewesen sei.

"Eindeutig ein islamistischer Terrorakt"

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, sollen sich neben dem Hauptverdächtigen noch acht weitere Männer in Polizeigewahrsam befinden, darunter ein ein Bruder, ein früherer Mitbewohner und eine Bekannter des Hauptverdächtigen. Ein zunächst festgenommener Algerier sei in der Nacht freigelassen worden. Ermittlungen hätten ergeben, dass er die Tat als Augenzeuge beobachtet und den Angreifer verfolgt habe.

Bereits kurz nach der Tat hatte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft den Fall an sich gezogen. Sie habe Ermittlungen wegen "versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben" eingeleitet.

Innenminister Darmanin hatte den Messerangriff am Freitagabend als islamistischen Anschlag bezeichnet. Die Attacke sei "eindeutig ein islamistischer Terrorakt", sagte er dem französischen Fernsehsender France 2. Es gebe kaum Zweifel, dass es ein weiterer "blutiger Angriff auf unser Land ist". Er habe die Polizeipräfektur gebeten, zu überprüfen, warum die Bedrohung in dieser Straße unterschätzt worden sei - auch wenn die Redaktion von "Charlie Hebdo" dort seit mehreren Jahren nicht mehr ihren Sitz habe.

"Charlie Hebdo" veröffentlichte Mohammed-Karrikaturen erneut

Im Jahr 2015 waren bei einem Angriff auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" 17 Menschen von islamistischen Terroristen ermordet worden.

Seit Anfang des Monats findet in Paris ein Prozess gegen die mutmaßlichen Helfer und Komplizen der damaligen Attentäter statt. "Charlie Hebdo" hatte aus diesem Anlass die Mohammed-Karikaturen erneut veröffentlicht. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" drohte daraufhin mit Vergeltung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2020 um 14:00 Uhr.

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