Emmanuel Macron (L) mit Vertretern des medizinischen Personals am französischen Nationalfeiertag, Paris | LUDOVIC MARIN/POOL/EPA-EFE/Shutt

Nationalfeiertag in Frankreich "Hommage" an die Corona-Helden

Stand: 14.07.2020 15:30 Uhr

Statt Soldaten in Uniform standen am Nationalfeiertag in Frankreich Krankenschwestern und Pfleger im Mittelpunkt. Präsident Macron würdigte den Einsatz gegen die Corona-Krise - doch am Rande der Feier gab es Proteste.

Zum französischen Nationalfeiertag hat Präsident Emmanuel Macron den "Kampfgeist" der Franzosen in der Corona-Krise beschworen. Das ganze Land habe "Hingabe, Hartnäckigkeit, Mut und Solidarität" bewiesen, erklärte der Präsident. Die Feierlichkeiten seien ein "Symbol der Widerstandskraft" Frankreichs.

An der Zeremonie nahmen nur geladene Gäste teil, der Platz war hermetisch abgeriegelt. Normalerweise herrscht am 14. Juli Volksfestcharakter - Tausende Zuschauer schauen sich die Feierlichkeiten in Paris an. Dieses Jahr konnten die Franzosen die Feierlichkeiten nur live im Fernsehen verfolgen.

Macron nannte die diesjährige Feier eine "nationale Hommage" für alle Berufsgruppen, die in der Corona-Krise "ihr Leben gaben" oder besonderen Einsatz zeigten. Neben Ärzten und Pflegekräften waren auch Lehrer, Supermarktkassierer, Bestatter, Polizisten und Feuerwehrleute unter den 2500 geladenen Gästen auf der Ehrentribüne.

Abgespeckte Militärshow

Wegen der Pandemie fiel die traditionelle Militärparade auf dem Boulevard Champs-Élysées erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Stattdessen gab es eine deutlich kleinere Zeremonie auf dem Place de la Concorde.

Die Feier begann mit der Würdigung von Ex-Präsident Charles de Gaulle, der vor 80 Jahren zum Widerstand gegen Nazi-Deutschland aufgerufen hatte. Anschließend marschierten zahlreiche Militäreinheiten, Flugzeuge zeichneten die blau-weiß-roten Farben der französischen Flagge in den Himmel. Die Kampfjets wurden von Hubschraubern begleitet, die in der Krise Coronavirus-Patienten transportiert haben.

Dank für deutsche Hilfe

Frankreich dankte mit der Zeremonie auch den Partnerländern Deutschland, Österreich, Luxemburg und Schweiz, die im Frühjahr Corona-Patienten aus Ostfrankreich behandelt hatten. Aus Deutschland war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angereist.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet standen auf der Gästeliste. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus war ebenfalls nach Paris gekommen.

Feierlichkeiten zum 14. Juli, Paris/Frankreich |

In diesem Jahr fielen die Feierlichkeiten zum 14. Juli deutlich kleiner aus als zuvor.

Macron sieht verängstigtes Land

Nach den Feierlichkeiten erklärte Macron in einem TV-Interview, Frankreich befinde sich in einer Vertrauenskrise. Das Land habe "im Grunde Angst", sagte Macron. Auch er selbst sei ein direktes Ziel von Abneigung.

"Die Leute haben angefangen, diesen Präsidenten zu hassen, der alles so reformieren will, dass nur die Besten Erfolg haben können", sagte Macron. Das sei nicht seine Absicht, betonte der 42-Jährige. Manchmal würden Sätze aus ihrem Kontext gerissen. Er räumte ein, dass auch Fehler seinerseits dazu beigetragen hätten.

Dass die französische Regierung unter dem neuen Premierminister Jean Castex weiter nach rechts gerückt sei, wies Macron zurück. Er glaube an die "politische Überwindung" solcher Kategorien. In der Regierung gebe es Vertreter aus beiden politischen Lagern.

Demonstrationen gegen Sparpolitik

Am Rande der Feierlichkeiten schickten Aktivisten ein Banner mit der Aufschrift in die Luft: "Hinter den Ehrungen lässt Macron die Krankenhäuser ersticken." Am Place de la Bastille demonstrierten Mediziner und andere Regierungskritiker. Sie beklagen einen Mangel an Schutzmasken und Kosteneinsparungen.

Zum Höhepunkt der Krise hatte es in vielen öffentlichen Kliniken im Land zu wenig Ausrüstung und Personal gegeben. In Frankreich starben bislang mehr als 30.000 Menschen nach einer Infektion.

Zuletzt warnten Wissenschaftler vor einem Wiedererstarken des Virus, weil Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr an die Abstandsregeln für Sozialkontakte halten, Tanzpartys veranstalten und in den Sommerurlaub fahren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2020 um 12:00 Uhr.