Marine Le Pen applaudiert auf der Bühne während eines Parteikongresses des Rassemblement National (RN) in Perpignan, Südfrankreich. | AFP

Rassemblement National Le Pen als Parteichefin wiedergewählt

Stand: 04.07.2021 14:32 Uhr

Bei den Regionalwahlen in Frankreich erlebte der rechtspopulistische Rassemblement National vor einer Woche eine schwere Schlappe, ging trotz guter Umfragewerte leer aus. Parteichefin Le Pen wurde heute dennoch im Amt bestätigt.

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen ist als Vorsitzende des Rassemblement National (RN) wiedergewählt worden. Die 52-Jährige erhielt gut 98 Prozent der Stimmen, wie der RN beim Parteitag im südfranzösischen Perpignan mitteilte. Gegenkandidaten gab es nicht. Die Mitglieder hatten in den vergangenen Wochen per Post und online ihre Stimmen abgegeben. 

Le Pen steht seit 2011 an der Spitze des früheren Front National, die sich 2018 in Rassemblement National umbenannt hatte. Bei ihrer Rede auf dem Parteitag sagte sie, sie wolle die Partei "weiterhin allen politischen Kräften" öffnen. "Wir kehren nicht zum Front National zurück."

Schlappe bei den Regionalwahlen

Bei den Regionalwahlen vor einer Woche war die Partei trotz guter Umfragewerte leer ausgegangen, konnte keine einzige Region für sich entscheiden und büßte 30 Prozent ihrer Wähler ein. Le Pen ist deshalb in Erklärungsnot. Die Parteispitze selbst macht die niedrige Wahlbeteiligung - insbesondere unter Jungwählern und der Arbeiterschaft - für die Wahlschlappe verantwortlich. Doch einige Anhänger stellten auch Le Pens sogenannte "Normalisierungsstrategie" infrage.

Mit dieser Strategie ist die 52-Jährige seit Jahren bemüht, sich vom rechtsextremen Erbe ihres Vaters Jean-Marie Le Pen zu distanzieren und den RN als bürgerliche politische Kraft zu etablieren. 

An ihrer Präsidentschaftskandidatur für das kommende Jahr will Le Pen trotz der jüngsten Wahlschlappe festhalten. Vor Journalisten zeigte sie sich am Sonntag "extrem kämpferisch und entschlossen". Sie sei keineswegs "entmutigt", erklärte sie. "Ich habe keinen Zweifel daran, was für Frankreich zu tun ist."

Le Pen will Amt im Wahlkampf ruhen lassen

Zu Le Pens erstem Stellvertreter wurde beim Parteitag erneut der 25-jährige Jordan Bardella gewählt, der die 52-Jährige damit voraussichtlich ab September an der Spitze der Partei vertreten wird. Le Pen will ihr Amt während des Präsidentschaftswahlkampfes ruhen lassen. Die Parteimitglieder hatten am Samstag für eine Satzungsänderung gestimmt, die eine Vertretung der Parteichefin durch den Stellvertreter für zwölf Monate ermöglicht. 

Für den Posten des ersten Stellvertreters hatte neben Bardella auch der Bürgermeister der RN-Hochburg Perpignan, Louis Aliot, kandidiert. Die Wahl von Le Pens Schützlings Bardella werteten Beobachter als Zeichen, dass die Partei weiter hinter ihrer Linie steht. Der RN ist seit den 1980er-Jahren zu einer einflussreichen politischen Kraft geworden, konnte aber nie einen größeren Sieg einfahren - nicht zuletzt deshalb, weil die anderen Parteien sich gegen ihn zusammenschlossen, wenn es darauf ankam.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Juli 2021 um 12:55 Uhr.