Demonstranten halten ein Transparent mit der Aufschrift "Pour L'éducation" während einer Demonstration in Straßburg. | AFP

Schulprotest in Frankreich Kritik am Corona-Regelchaos

Stand: 13.01.2022 16:53 Uhr

Frankreich hat einen der größten Schulproteste der jüngsten Zeit erlebt: In mehreren Städten gingen Lehrer, Eltern und Oppositionspolitiker auf die Straße. Ihnen sind die Corona-Regeln an Schulen zu chaotisch.

Aus Protest gegen die als chaotisch empfundene Corona-Politik an Schulen sind Lehrer, Eltern und Oppositionspolitiker in Frankreich auf die Straße gegangen. "Blanquer in Quarantäne", war auf Plakaten von Demonstranten zu lesen, gerichtet an Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Mehrere Oppositionspolitiker riefen zu seiner Absetzung auf. Tatsächlich wurde das Protokoll für die Schulen seit dem Ende der Weihnachtsferien bereits mehrfach geändert.

Nach Gewerkschaftsangaben war landesweit jede zweite Grundschule geschlossen. "Die Regierung kündigt Regeln an, ohne darüber nachzudenken, was das in der Praxis bedeutet", sagte Olivier Flipo, ein Schuldirektor im Département Val d'Oise nördlich von Paris, der Nachrichtenagentur AFP.

Fast alle Gewerkschaften haben sich verbündet

Etwa 75 Prozent der Grundschullehrer beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben am Streik. Die Behörden gehen hingegen von etwa 39 Prozent aus. Im Unterschied zu früheren Lehrerstreiks hatten sich dieses Mal fast alle Gewerkschaften verbündet. Sie wurden zudem von Verbänden der Elternvertreter und von Schulleitern unterstützt.

Mehrere Oppositionspolitiker solidarisierten sich mit den Streikenden.

Informationen erst in letzter Minute

Viele Schuldirektoren und Lehrer beschweren sich, dass sie erst in letzter Minute über die Änderungen informiert werden. Den Verzicht auf das Schließen von Klassen auch bei mehreren positiven Fällen etwa hatte Bildungsminister Blanquer am letzten Ferientag zunächst in einem Zeitungsinterview bekannt gegeben, das im Internet mit einer Bezahlschranke versehen war. 

Viel Kritik gab es auch, als Eltern von Schulkindern in den vergangenen Tagen reihenweise tagsüber von der Arbeit geholt wurden, um ihre Kinder in einer Apotheke testen zu lassen - was oft nur mit langen Wartezeiten möglich war. Mit einem negativen Test durften die Kinder dann zurück in die Schule. Ab Freitag sollen Selbsttests und eine schriftliche Erklärung der Eltern zum Testergebnis ausreichen. 

Im Unterschied zu Deutschland hat Frankreich nie regelmäßige Tests für Schüler eingeführt. Der Einsatz von FFP2-Masken für Lehrer oder von Luftfiltern für Klassenräume wird kaum in der Öffentlichkeit debattiert. 

"Uns geht es in erster Linie darum, dass die Schulen offen bleiben", sagt der Bildungsminister, der oft betont, dass die Schulen bei der Verbreitung des Virus keine besondere Rolle spielten. Er weist auch immer wieder darauf hin, dass Frankreich das Land ist, das seit Beginn der Pandemie die Schulen am wenigsten geschlossen hatte. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Januar 2022 um 12:43 Uhr.