Die französische Botschaft in Rom | Bildquelle: CLAUDIO PERI/EPA-EFE/REX

Streit mit Italien Frankreich ruft Botschafter zurück

Stand: 07.02.2019 15:22 Uhr

Seit Monaten liegen die Regierungen in Paris und Rom über Kreuz. Nun hat Frankreich seinen Botschafter für Gespräche zurückgerufen. Die Einmischungen Italiens seien eine "inakzeptable Provokation".

Frankreich hat nach wochenlangen Streitigkeiten mit Italien seinen Botschafter aus dem Nachbarland für Gespräche zurückgerufen. Damit reagiere man auf die "wiederholten, grundlosen Angriffe und die unerhörten Äußerungen" von italienischen Regierungspolitikern, teilte das Außenministerium in Paris mit. Nach einer Serie "extremer Erklärungen" Italiens seien interne Beratungen nötig. "Unstimmigkeiten zu haben, ist eine Sache, aber die Beziehungen für Wahlziele zu manipulieren, ist eine andere."

Jüngstes Ärgernis für die Regierung in Paris war ein Treffen von Italiens stellvertretendem Ministerpräsidenten Luigi di Maio mit Vertretern der "Gelbwesten", darunter auch deren Sprecher Christophe Chalencon. Die italienische Regierung unterstützt die französische Protestbewegung ganz offen. Die "Gelbwesten" machen seit Wochen gegen die Politik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mobil. Chalencon ist außerdem wegen fremden- und islamfeindlicher Äußerungen umstritten.

Die jüngsten Einmischungen Italiens seien eine "inakzeptable Provokation", teilte das französische Außenministerium nun mit. "Sie verletzen den Respekt, den demokratisch und frei gewählte Regierungen einander schulden."

Italiens Arbeitsminister Luigi Di Maio | Bildquelle: AP
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Italiens Vize-Regierungschef di Maio hatte sich mit Vertretern der "Gelbwesten" getroffen. Rom unterstützt die französische Bewegung ganz offen.

Salvini schlägt Treffen vor

Die italienische Regierung reagierte umgehend. Innenminister Matteo Salvini schlug ein Treffen zwischen den Regierungen der Nachbarländer vor. "Wir wollen mit niemandem streiten, wir haben kein Interesse an Polemik: Wir sind konkrete Personen und verteidigen die Interessen der Italiener", sagte er. "Wir sind sehr bereit, Präsident Macron und die französische Regierung zu treffen, uns an einen Tisch zu setzen." Als Innenminister verlange er von Frankreich unter anderem, Zurückweisungen von Flüchtlingen an der Grenze zu stoppen.

"Ein sehr schlechter Präsident"

Italiens rechtspopulistische Regierungskoalition liegt schon seit längerem mit dem überzeugten Europapolitiker Macron über Kreuz. Als Italien sich weigerte, Rettungsschiffe mit Flüchtlingen in seine Häfen zu lassen, warf Macron Rom "Zynismus" und "Verantwortungslosigkeit" vor. In einer Rede verglich er Nationalisten außerdem mit der "Lepra".

Im Januar warf di Maio Frankreich wiederum vor, "kolonial" zu agieren und durch seine Politik zur Verarmung Afrikas und in der Folge zur Massenflucht von dem Kontinent beizutragen. Kurz darauf attackierte Innenminister Matteo Salvini den französischen Präsidenten auf Facebook. In einer Videobotschaft sagte er, die Europawahl am 26. Mai gebe dem französischen Volk die Gelegenheit, sich "von einem sehr schlechten Präsidenten zu befreien". Er warf Macron vor, den "Stolz" der Franzosen schlecht zu repräsentieren und rief die Franzosen auf, ihre Zukunft "wieder in die eigene Hand zu nehmen".

Der Konflikt spielt sich vor dem Hintergrund der kommenden Europawahl ab. Macron hat die Wahl zu einer Abstimmung über beide Lager erklärt - die "Progressiven", wie er sich nennt, und die Populisten.

Frankreich beruft Botschafter aus Rom für Gespräche ab
Sabine Wachs, ARD Paris
07.02.2019 17:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der MDR Aktuell am 07. Februar 2019 um 14:30 Uhr.

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