Polizisten in Nizza riegeln den Tatort ab. | AFP

Macron nach Messerangriff in Nizza "Frankreich wird nicht klein beigeben"

Stand: 29.10.2020 17:15 Uhr

Der Messerangriff von Nizza war nach Angaben von Frankreichs Präsident Macron ein islamistischer Anschlag. Im Streit mit muslimischen Ländern über Werte wie die Meinungs- und Pressefreiheit machte er eine klare Ansage.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat "den islamistischen Terroranschlag" von Nizza mit drei Toten scharf verurteilt. Bei einem Besuch am Tatort in der Küstenstadt sagte er, das Land werde im Streit um seine Werte "nicht klein beigeben". Er spielte damit auf die jüngsten Spannungen mit der Türkei und anderen muslimisch geprägten Ländern an, die sich an den Mohammed-Karikaturen entzündet hatten. Die jüngsten Taten seien ein Angriff auf Frankreich, sagte Macron weiter.

Höchste Terror-Warnstufe ausgerufen

Zuvor hatte die Regierung bereits landesweit die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen. Macron kündigte an, Kirchen und Schulen sollten künftig besser geschützt werden. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz "Sentinelle" des Militärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden - das sind mehr als doppelt so viele wie bisher.

Am Donnerstag hat eine Reihe neuer Angriffe mutmaßlicher Islamisten Frankreich schockiert. Bei einer Messerattacke in Nizza sind nach Angaben der Polizei drei Menschen getötet worden. Auch in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon hat offenbar ein Islamist Passanten bedroht - der Mann wurde von der Polizei erschossen.

Und am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien griff ein Mann einen Sicherheitsbeamten an. Der Täter wurde festgenommen. Die Botschaft rief alle Franzosen in Saudi-Arabien zu erhöhter Wachsamkeit auf. Einen Hinweis auf den Hintergrund der Attacke gab es zunächst nicht.

Täter bei Festnahme verletzt

Bei der Messerattacke in der größten Kirche der Mittelmeer-Stadt Nizza seien zudem sechs Menschen verletzt worden, teilte die Polizei mit. Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi twitterte, der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Er sei bei der Festnahme verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden.

Mann war offenbar Einzeltäter

Nach ersten Kenntnissen handelte der mutmaßliche Angreifer allein. Estrosi zufolge passe die Art und Weise der Tat zu dem Mord am Geschichtslehrer Samuel Paty vor wenigen Tagen. Der Angreifer habe bei seiner Festnahme mehrfach "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen, sagte der Bürgermeister. Die Geste des Mannes habe keinen Zweifel gelassen.

Der Hörfunksender Europe 1 meldete, auch der Angreifer nahe der Stadt Avignon habe "Allahu Akbar" gerufen. Der Mann habe in dem Ort Montfavet mehrere Menschen mit einer Pistole bedroht, teilten die Behörden mit.

Innenminister warnte mehrfach vor hoher Terrorgefahr

Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hatte mehrfach vor einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt.

Vor zwei Wochen war der Lehrer Paty in einem Vorort von Paris enthauptet worden. Er hatte im Unterricht über Meinungsfreiheit die umstrittenen Mohammed-Karikaturen verwandt, die manche Muslime als Blasphemie werten. Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Es waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen.

Religionsvertreter fordern Ende der Gewalt

Papst Franziskus bekundete den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl. "Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden", schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt bete, dass die Gewalt aufhöre.

Mehrere Islamverbände verurteilten den Messerangriff. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, erklärte: "Wer Mord und Terror über die Menschen bringt, der hat sich an der Menschheit vergangen, der hat sich an Gott vergangen - der hat Verrat an unser aller Zivilisation und den Werten jeder Religion begangen, der hat gegen Koran und den Propheten gehandelt."

Auch Türkei verurteilt den Angriff

Mehrere Staaten wie Spanien, Italien, die Niederlande und Russland sicherten Frankreich ihre Solidarität im Kampf gegen Extremismus zu. Auch Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich entsetzt.

Die Türkei verurteilte die Messerattacke als grausamen Angriff. Das Außenministerium in Ankara erklärte, der mutmaßlich islamistische Angriff in der Kirche Notre-Dame widerspreche allen religiösen, menschlichen oder moralischen Werten. Die Beileidsbekundung Ankaras erfolgt nach tagelangen diplomatischen Spannungen zwischen der Türkei und Frankreich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2020 um 14:00 Uhr und 17:00 Uhr.