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Fos-sur-Mer Rauchende Schlote statt Küstenparadies

Stand: 27.07.2019 19:57 Uhr

Am Mittelmeer-Strand von Fos-sur-Mer riecht es nach Chemie - Raffinerien und Fabriken prägen das Bild. Laut Studien ist die Zahl der Krebserkrankungen hier höher als im Rest Frankreichs.

In der Nähe von Marseille liegt die Industriezone Fos-sur-Mer. 200 Fabriken produzieren hier direkt am Mittelmeer, mehr als 40.000 Arbeitsplätze sind entstanden. Doch die Region leidet zunehmend unter der Industrie. Massive Umweltverschmutzungen machen das Leben in "Klein Venedig" für die Menschen schwer. Bernard Huriaux hat 40 Jahre in einer Stahlfabrik gearbeitet und kritisiert heute seinen ehemaligen Arbeitgeber für das, was er aus seiner Heimat gemacht hat: "Ich finde es wunderschön hier - aber gleichzeitig ist es die Hölle. Es stinkt, es gibt Staub."

Flechten als Umweltindikator

Das Institut Ecocitoyen untersucht die Schäden vor Ort und analysiert Wasser- , Luft- und Bodenproben aus Fos-sur-Mer. Studien zeigen: Hier ist die Zahl der Krebserkrankungen im Schnitt doppelt so hoch wie im Rest Frankreichs. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen den hohen Krankheitsraten und der Industrie?

Um dieser Frage nachzugehen untersucht Julien Dron Flechtenproben von den Bäumen. Sie leben von Luft und sind ein guter Indikator für Umweltverschmutzung: "Man sieht an den Flechten: Je näher man der Industrie kommt, desto höher die Schadstoffkonzentration. Wir haben zum Beispiel mehr Blei im Blut der Einwohner von Fos-sur- Mer gefunden als bei denen, die 25 Kilometer entfernt wohnen. Das gilt auch für zwei Dioxine."

Über dieses Thema berichtete das Erste am 28. Juli 2019 um 19:20 Uhr im Weltspiegel.