Zügege stehen im Bahnhof von Paris | Bildquelle: REUTERS

Streik wegen Rentenreform Frankreich droht Verkehrschaos

Stand: 20.12.2019 10:33 Uhr

Wegen der anhaltenden Streiks muss die französische Bahn den Großteil ihrer Verbindungen an Heiligabend streichen. Im Streit um die Rentenreform gab es keinen Durchbruch, die Gespräche wurden auf Anfang Januar vertagt.

Die französische Bahn muss viele Verbindungen vor und an Heiligabend streichen. Am 23. und 24. Dezember fallen sechs von zehn TGV-Schnellzügen sowie Intercity-Zügen aus, teilte die Bahngesellschaft SNCF mit. Demnach könne nur jeder zweite Kunde mit einem Ticket befördert werden. Der Grund sind die anhaltenden Streiks wegen der umstrittenen Rentenreform.

Verhandlungen erst wieder im Januar

Die Verhandlungen zwischen Premierminister Edouard Philippe und den Gewerkschaften brachten keinen Durchbruch. Philippe sprach danach von "Fortschritten" und kündigte weitere Gespräche zwischen den Sozialpartnern für die "ersten Januartage" an. Der Chef des mächtigen Gewerkschaftsbundes CGT, Philippe Martinez, erklärte hingegen nach dem Treffen: "Nichts Konkretes (...) Der Premierminister hat die Straße nicht verstanden." Mehrere Gewerkschaften riefen für den 9. Januar zu einem branchenübergreifenden Protesttag mit Streiks und Kundgebungen auf. Auch die Gewerkschaft Force Ouvrière schloss sich dem Aufruf an.

Die CGT will den Druck - teils auch mit illegalen Methoden - hochhalten. Mitglieder der Gewerkschaft sorgten mit mutwilligen Aktionen für Stromausfälle im einigen Orten im Südwesten Frankreichs. Premierminister Philippe verurteilte das. Er forderte die Gewerkschaften auf, eigene Vorschläge zur Finanzierung des Rentensystems einzubringen.

Die zweitgrößte Eisenbahnergewerkschaft Unsa Ferroviaire sprach sich für eine Streikpause aus. Generalsekretär Didier Mathis rief zu einer "Pause während der Schulferien" auf, die heute beginnen.

Zugausfälle und Verspätungen

Die Bahngesellschaft SNCF erklärte, rund die Hälfte der rund 400.000 Kunden mit einem Fahrschein für die beiden Tage müsse auf ein anderes Datum umbuchen. Die andere Hälfte könne zwar befördert werden, aber einige nur zu einer anderen Uhrzeit als gebucht. Die Regierung hatte zuvor versprochen, die Bahn werde an den Feiertagen für jeden Passagier eine Lösung finden.

Demonstranten in Paris | Bildquelle: AP
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Seit zwei Wochen streiken die Menschen gegen die geplante Rentenreform. Hunderttausende gingen bisher auf die Straße.

Die Zugausfälle und Verspätungen betreffen auch Fahrten von und nach Deutschland. So soll heute in Frankreich im Schnitt etwa jeder zweite TGV-Schnellzug fahren, das gelte auch für grenzüberschreitende Züge zwischen Deutschland und Frankreich. Reisende sollen sich auf der SNCF-Webseite darüber informieren können, welche Züge genau fahren. Vor allem am vierten Adventswochenende fürchten viele Chaos, weil sich dann besonders viele Menschen auf den Weg zu ihren Familien machen wollen.

In Spanien fallen etwa 270 Züge aus

Auch in Spanien wird gestreikt, wenn auch aus anderen Gründen: Kurz vor dem Fest wurden Zugverbindungen gestrichen. Bis zum Abend sollen voraussichtlich etwa 270 Züge ausfallen. Betroffen seien mehr als 28.000 Reisende, berichtet das spanische Fernsehen. In Spanien müssen aber während eines Ausstands sogenannte Minimaldienste aufrechterhalten werden, so dass die meisten Züge regulär fahren würden, teilte die spanische Bahngesellschaft Renfe mit. Die Gewerkschaft CGT fordert unter anderem eine Aufstockung des Personals, außerdem wendet sie sich gegen die Auslagerung von Dienstleistungen durch das Bahnunternehmen Renfe.

Bahnverkehr seit Wochen gestört

Die Proteste gegen die Rentenreform in Frankreich, ein Prestigeprojekt von Präsident Emmanuel Macron, dauern nun bereits seit gut zwei Wochen an. Der Bahnverkehr im gesamten Land ist seitdem massiv gestört, der Nahverkehr in Paris ebenfalls. Die Menschen kommen nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen zur Arbeit. Hunderttausende gingen bisher gegen die Pläne auf die Straße.

Macron wollte unter dem Druck der Straße den Konflikt kurz vor Weihnachten noch entschärfen. Der Élyséepalast beteuerte zwar, an dem Prestigeprojekt festhalten zu wollen, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft.

Die Pläne von Macron sehen ein Regel-Renteneintrittsalter von 64 Jahren vor. Die Franzosen könnten demnach zwar weiterhin mit 62 Jahren in Rente gehen - allerdings mit Abstrichen bei den Rentenzahlungen. Arbeitnehmer, die auch nach ihrem 65. Geburtstag im Beruf bleiben, sollen hingegen einen Rentenbonus bekommen.

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