Französische Polizisten in Marseille | Bildquelle: AFP

Festnahmen in Frankreich Polizei findet Sprengstoff und IS-Flagge

Stand: 18.04.2017 20:38 Uhr

Nach der Festnahme von zwei Terrorverdächtigen in Marseille haben Ermittler bei einer Razzia drei Kilo des Sprengstoffs TATP, mehrere Waffen und eine IS-Flagge gefunden. Die Verdächtigen sollen im Zuge der Präsidentschaftswahl in vier Tagen Anschläge geplant haben.

In Frankreich ist kurz vor der Präsidentschaftswahl offenbar ein Terroranschlag vereitelt worden. Innenminister Matthias Fekl sprach von einem "unmittelbar bevorstehenden und gewaltsamen Angriff", der durch die Festnahme zweier Verdächtiger in Marseille verhindert worden sei. Die beiden Franzosen sind Polizeikreisen zufolge Anhänger des radikalen Islam.

Laut Fekl hatten die beiden Verdächtigen mit französischer Staatsbürgerschaft für die nächsten Tage einen Anschlag "auf französischem Boden" geplant. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden drei Kilo des gefährlichen Sprengstoffs TATP und Schusswaffen gefunden, teilte Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins am Abend mit. TATP war auch bei den Pariser Terroranschlägen vom November 2015 von islamistischen Gewalttätern verwendet worden.

Verbindung zum IS?

Die Ziele der festgenommen Terrorverdächtigen von Marseille seien noch nicht klar, so Molins. Er charakterisierte die beiden Verdächtigen als "ebenso misstrauisch wie entschlossen". Bei der Durchsuchung sei auch eine Fahne der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefunden worden. In wenigen Tagen wählen die Franzosen einen neuen Staatspräsidenten.

Zumindest einige der Präsidentschaftskandidaten waren vergangene Woche vor den 23 und 29 Jahre alten Männern gewarnt worden. Die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und das Umfeld des Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, dass ihren Sicherheitsdiensten am vergangenen Donnerstag Fotos der beiden Verdächtigen übergeben worden seien.

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Scharfschützen bei Wahlkampfveranstaltungen

Bei den konservativen Republikanern von François Fillon hieß es, seine Sicherheitsleute seien am Freitag über "erwiesene Risiken" für den Kandidaten informiert worden. Demnach verstärkte das Innenministerium daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen für eine Wahlkampfveranstaltung Fillons im südfranzösischen Montpellier an diesem Tag. Eingesetzt wurden unter anderem Scharfschützen.

Frankreich ist seit längerem im Visier von Islamisten: Nach einer Reihe von islamistischen Anschlägen herrscht die höchste Alarmstufe und der Ausnahmezustand. Seit Anfang 2015 wurden mehr als 230 Menschen bei Attentaten getötet.

Am Sonntag findet in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Wegen der Anschlagsgefahr gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Gleiches gilt für die Wahlkampfveranstaltungen. Das Terrorrisiko bleibe "höher als je zuvor", warnte Innenminister Fekl. Bei den beiden Wahlrunden am 23. April und 7. Mai werden mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2017 um 15:00 Uhr.

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