Blumenmeer an der Schule des ermordeten Lehrers in dem französischen Ort Conflans Sainte-Honorie | Bildquelle: AFP

Staatsanwalt zu Attacke bei Paris "Der Lehrer wurde enthauptet"

Stand: 17.10.2020 19:00 Uhr

Frankreich zeigt sich tief getroffen nach der brutalen Attacke auf einen Lehrer bei Paris. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem terroristischen Hintergrund - weil die Vorgehensweise des Täters äußerst brutal gewesen sei.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Der Schock in Frankreich sitzt tief. Der brutale Mord an einem Geschichtslehrer in einer Kleinstadt, knapp 35 Kilometer nordwestlich von Paris, erschüttert auch den Anti-Terror-Staatsanwalt. "Der Lehrer befand sich am Nachmittag auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, als er mit einem Messer attackiert wurde. Er hat mehrere Stichwunden am Kopf, am Oberkörper, am Bauch. Und er wurde enthauptet."

Schon die äußerst brutale Vorgehensweise des Täters lasse auf einen terroristischen Hintergrund schließen, erklärte Jean-Francois Ricard. Zudem fand die Staatsanwaltschaft auf dem Handy des mutmaßlichen Täters, der nur kurz nach der Tat von Polizisten erschossen worden war, ein Foto der Leiche des Opfers. Außerdem gibt es ein Bekennerschreiben, das der mutmaßliche Täter auf Twitter veröffentlicht hatte.

Neun Menschen nach tödlichem Anschlag in Paris festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 17.10.2020, Friederike Hofmann, ARD Paris

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Mohammed-Karikaturen im Unterricht

Weiter erklärte der Staatsanwalt zum Hintergrund der Tat: "Anfang Oktober hat das Opfer im Rahmen eines Kurses in Gesellschaftskunde in der achten Klasse das Thema Meinungsfreiheit durchgenommen, das im nationalen Bildungsplan vorgesehen ist. In diesem Kurs gab es eine Diskussion über die Mohammed-Karikaturen von 'Charlie Hebdo'." Daraufhin gab es Drohungen gegen den Lehrer und gegen die Schule.

Ein Vater einer 13-jährigen Schülerin beschwerte sich bei der Schulleitung und machte in den sozialen Medien mobil gegen den Lehrer. Der Vater veröffentlichte mehrere Videos, in denen er den Lehrer scharf angriff und sowohl den Namen des Lehrers, seine Telefonnummer als auch die Adresse der Schule nannte. Der Vater befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam. Ebenso wie acht weitere Personen, die meisten aus dem persönlichen Umfeld des mutmaßlichen Täters.

Mutmaßlicher Täter war Behörden nicht als Gefährder bekannt

"Der mutmaßliche Täter, den die Polizei erschossen hat, hatte eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich, ausgestellt am 4. März", erläuerte der Staatsanwalt. "Der Mann war Tschetschene, wurde in Russland geboren und hatte den Flüchtlingsstatus. Er war den Behörden nicht als Gefährder bekannt", heißt es weiter. Damit sind auch vorherige Medienberichte bestätigt.

Am Tatort, vor der Schule in Conflans Sainte-Honorie, versammelten sich am Nachmittag spontan mehrere Hundert Menschen, fassungslos über den brutalen Mord. "Als wir davon gehört haben, waren wir tief getroffen. Wir hätten niemals gedacht, dass so etwas passieren kann", sagt eine ehemalige Schülerin des Collèges dem Fernsehsender BFMTV. Obwohl sie nie vom Opfer unterrichtet worden sei, war es ihr ein großes Bedürfnis, ihre Trauer zu bekunden und Flagge zu zeigen. "Wir müssen die unterschiedlichen Meinungen in unserer Gesellschaft akzeptieren. Karikaturen sind eine Form der Meinungsäußerung und die freie Meinung ist ein hohes Gut", sagt sie.

Lehrer mit weißen Rosen vor dem Schulgebäude | Bildquelle: YOAN VALAT/EPA-EFE/Shutterstock
galerie

Menschen versammeln sich an der Schule und gedenken des getöteten Geschichtslehrers.

Solidaritätsbekundungen in ganz Frankreich

In ganz Frankreich fanden trotz strenger Corona-Regeln spontane Solidaritätsmärsche und Versammlungen statt. Am Sonntag soll in Paris eine große Versammlung für die Meinungsfreiheit und in Gedenken an das Opfer stattfinden. Aufgerufen dazu hatte unter anderem die Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". Frankreichs Regierung hat zudem eine nationale Trauerfeier angekündigt.

Kundgebungen in ganz Frankreich nach brutalem Mord an Lehrer nahe Paris
Sabine Wachs, ARD Paris
18.10.2020 12:18 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: