Polizisten stehen vor dem Eingang der Schule, an der der Lehrer unterrichtete. | AFP

Messer-Attacke bei Paris Weitere Festnahmen nach Anschlag

Stand: 17.10.2020 12:51 Uhr

Nach Angaben der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wurden nach dem tödlichen Angriff auf einen Lehrer bei Paris fünf weitere Menschen festgenommen. Frankreichs Präsident Macron nannte die Tat einen "islamistischen Terroranschlag".

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Lehrer in einem Vorort von Paris sind fünf weitere Menschen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters festgenommen worden. Wie die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft mitteilte, befinden sich derzeit neun Personen in Gewahrsam. Berichten zufolge sind unter den Festgenommenen Mitglieder der Familie, sowie Eltern von Schülern der Schule, an der das Opfer arbeitete.

Nach ersten Erkenntnissen wurde der Lehrer in der Kleinstadt Conflans-Sainte-Honorine gestern Nachmittag auf offener Straße mit einem Messer angegriffen und getötet. Einige Medien sprachen von einer Enthauptung, ebenso der Bürgermeister des Ortes sowie die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlène Schiappa. Der mutmaßliche Täter war kurz danach von der Polizei erschossen worden. Es soll sich um einen 18-Jährigen Tschetschenen handeln, der in Moskau geboren wurde. Die Staatsanwaltschaft will sich am Nachmittag äußern.

Mohammed-Karikaturen im Unterricht

Nach Angaben der Polizei hatte der Geschichtslehrer seinen Schülern im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt. Nach Medienberichten habe es daraufhin Unmut darüber an der Schule gegeben. Der Lehrer sei auch bedroht worden. Der mutmaßliche Täter soll im Internet nach der Tat mit dem Tod des Mannes geprahlt haben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte den Tatort noch am Abend. "Einer unserer Mitbürger wurde brutal ermordet", sagte er und sprach von einem "bösartigen islamistischen Terroranschlag". Er habe seine Schüler gelehrt, was es heißt zu glauben, oder nicht zu glauben, sagte Macron.

Lehrer mit weißen Rosen vor dem Schulgebäude | YOAN VALAT/EPA-EFE/Shutterstock

Menschen versammeln sich an der Schule und gedenken dem getöteten Geschichtslehrer. Bild: YOAN VALAT/EPA-EFE/Shutterstock

Appell des Staatspräsidenten

Macron hatte kurz vor seiner Ansprache die Schulleiterin des Opfers getroffen. Er dankte ihr dafür, dass sie die Meinungsfreiheit und die Lehre der Meinungsfreiheit gegen alle Widerstände verteidigt habe. Erst vor wenigen Wochen hatte der Präsident einen Gesetzesentwurf gegen die Entstehung von hauptsächlichen islamistischen Parallelgesellschaften vorgestellt. Die Bildung und die Institution Schule spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn in den Schulen, erklärte Macron, würden die Werte der Republik unterrichtet. Die Meinungsfreiheit sei eines der höchsten Güter.

"Es ist deshalb kein Zufall, dass dieser Terrorist heute Abend einen Lehrer ermordet hat. Er wollte die Republik treffen, ihre Werte, die Aufklärung und die Möglichkeit unsere Kinder zu mündigen Bürgern zu machen, woher sie auch kommen, an was sie auch glauben oder nicht glauben", sagte Macron. Gleichzeit gab er sich kämpferisch. "Sie werden damit nicht durchkommen", erklärte er zum Ende seiner Anprache. "Wir lassen uns nicht spalten, denn das ist es, was sie wollen."

Aus Élyséekreisen hieß es, dass eine nationale Gedenkfeier geplant sei. Das Datum stehe allerdings noch nicht fest.

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"Angriff auf die Werte der Republik"

Die Regierung hat einen Krisenstab eingerichtet. Politikerinnen und Politiker aller Parteien reagierten extrem betroffen auf den Vorfall. Die französische Nationalversammlung unterbrach ihre Sitzung und gedachte dem Opfer und seinen Angehörigen.

Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, schrieb auf Twitter: "Die Ermordung eines Geschichtslehrers ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Einen Lehrer anzugreifen bedeutet, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen."

Von der Leyen: "Ohne Lehrer gibt es keine mündigen Bürger"

Bundesaußenminister Heiko Maas und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilten den tödlichen Anschlag ebenfalls. "Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen", schrieb Maas auf Twitter.

Von der Leyen sprach den Angehörigen des Opfers ihr Beileid aus und betonte die Bedeutung von Lehrern in einer Demokratie. "Meine Gedanken sind auch bei den Lehrern, in Frankreich und in ganz Europa. Ohne sie gibt es keine mündigen Bürger. Ohne sie gibt es keine Demokratie", schrieb von der Leyen.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.