Über der Grabstätte Francos thront ein riesiges Betonkreuz. | Bildquelle: AFP

Regierung plant Dekret Neuer Anlauf für Franco-Exhumierung

Stand: 24.08.2018 14:04 Uhr

Hunderttausende Touristen kommen pro Jahr in das "Tal der Gefallenen", wo Diktator Franco bestattet ist. Spaniens Regierung hat nun ein Dekret zur Umbettung der Gebeine beschlossen - trotz Widerstands.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Im "Valle de los Caidos", dem "Tal der Gefallenen", in der Nähe von Madrid sind mehr als 30.000 Opfer des Bürgerkriegs bestattet - und Francisco Franco. Auf seinen eigenen Willen wurde der Diktator nach seinem Tod 1975 dort in einer riesigen, unterirdischen Kathedrale beigesetzt. Über der Grabstätte thront ein 155 Meter hohes Betonkreuz.

Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez hatte gleich nach seinem Amtsantritt im Juni betont, dass Francos Gebeine schnellstmöglich umgebettet werden sollen. Er machte deutlich: "Ich denke, dass nach 40 Jahren diese Debatte zu einer einfachen Reflektion führen muss: Nämlich, dass Spanien als europäische Demokratie Symbole nicht zulassen darf, die die Menschen spalten. In Ländern wie Deutschland oder Italien, die ebenfalls unter faschistischen Diktaturen litten, ist das normal - und so sollte es auch in unserem Land sein."

Konservative sehen keinen Handlungsbedarf

Die sozialistische Regierung wollte die Exhumierung schon im Juli starten. Doch unter anderem Francos Familie blockierte das Projekt. Also plante Sanchez um: Sein Kabinett beschloss heute per Dekret, ein spezielles Gesetz aus dem Jahr 2008 zu ändern, damit die Umbettung der Gebeine zulässig ist. Außerdem soll noch das Parlament im September über die Sache entscheiden. So wäre es Privatpersonen nicht mehr möglich, juristisch gegen das Vorhaben vorzugehen.

Eine Mehrheit im Parlament dürfte Ministerpräsident Sanchez zwar sicher sein - aber sein Projekt ist politisch hoch umstritten. Die konservative Partei PP will nicht für die Gesetzesänderung stimmen.

Nach den Worten von Parteichef Pablo Casado würden dadurch alte Wunden der Diktatur wieder aufgerissen. Außerdem sei die Umbettung Francos nichts, was man per Dekret beschließen müsse. Casado sagte: "Warum soll das Ganze in einem Eilverfahren umgesetzt werden? Etwas, das vor 40 Jahren passierte, ist nicht eilig. Die Regierung beschließt das Vorhaben per Dekret, weil sie nicht die Mehrheit im Parlament hat. Sie ist unfähig, mit 84 Abgeordneten auch nur irgendetwas in Spanien zu bewegen."

Faschisten protestieren gegen die geplante Umbettung der Gebeine Francos. | Bildquelle: AFP
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Im "Tal der Gefallenen" protestierten mehrfach Menschen gegen die Umbettung der Gebeine Francos - hier ein Foto aus dem Juli.

Nicht der erste Versuch

Im vergangenen Jahr war die Umbettung Francos schon einmal Thema im spanischen Parlament gewesen - auf Antrag der sozialistischen Partei, die damals in der Opposition saß. Und eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte dafür. Die Konservativen enthielten sich. Sie waren an der Macht und nicht dazu verpflichtet, dem Parlamentsantrag auch Taten folgen zu lassen.

Dass der neue Anlauf auf Widerstand stößt, wundert Spaniens Kulturminister José Guirao. "Die Tatsache, dass es sich nun um ein Dekret handelt, ändert doch nichts. Der Hintergrund bleibt derselbe." Das demokratische Spanien solle nicht länger mit einem gewaltigen Denkmal an einen ehemaligen Diktator erinnern.

Grabstätte ist Touristenziel

Oft schmücken Franco-Anhänger das Monument mit frischen Blumen, viele der rund 400.000 Touristen im Jahr machen Selfies vor Francos Grabstätte - trotz Foto-Verbot.

Nach dem Kabinettsbeschluss heute und der Parlamentsdebatte im September könnte noch in diesem Jahr Schluss sein mit Franco im "Valle de los Caídos". Die spanische Regierung plant, aus dem Ort ein Mahnmal machen.

Regierung will Umbettung der Gebeine Francos beschließen
Oliver Neuroth, ARD Madrid
24.08.2018 00:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2018 um 06:17 Uhr.

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