Über der Grabstätte Francos thront ein riesiges Betonkreuz. | Bildquelle: J J GUILLEN/POOL/EPA-EFE/REX

Spanien Francos Überreste ziehen um

Stand: 24.10.2019 11:17 Uhr

Gut 40 Jahre nach dem Ende der spanischen Diktatur wird der Leichnam des früheren Machthabers Franco umgebettet. Die Regierung hatte hartnäckig auf diesen Moment hingearbeitet. Die Aktion ist allerdings umstritten.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Ein riesiges steinernes Christuskreuz aus Beton thront auf einem Hügel im Valle de los Caídos, dem "Tal der Gefallenen" bei Madrid. Darunter ließ Spaniens Diktator Francisco Franco eine Kathedrale in den harten Fels schlagen. In ihr liegt der Diktator begraben - und außer ihm noch die Gebeine von rund 30.000 Soldaten des Spanischen Bürgerkriegs, den Francos Faschisten vor 80 Jahren gewonnen hatten.

Spaniens Ex-Diktator bekommt neue Grabstätte
tagesschau 14:00 Uhr, 24.10.2019, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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Das "Tal der Gefallenen" ist eine weitläufige, monumentale Anlage, die vom Staat und der Katholischen Kirche unterhalten wird. Sie ist auch ein Wallfahrtsort für Spaniens Rechte: An Francos Geburtstag tauchen immer wieder Rechtsradikale auf, um dem Diktator zu huldigen.

"Keine Demokratie kann sich erlauben, Monumente zu unterhalten, die die Diktatur preisen", sagte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez im Juli vergangenen Jahres. "Das gilt auch für unsere Demokratie. Daher möchte ich Ihnen ankündigen, dass wir fest entschlossen sind, die sterblichen Überreste des Diktators Franco umzubetten."

Mehrfache Verzögerung

Sánchez fügte hinzu: "Das wird bald passieren, sehr bald." Mit "sehr bald" war es dann so eine Sache. Mehr als ein Jahr dauerte es, bis die Sache in trockenen Tüchern war.

Zuerst holte sich Sánchez die Zustimmung des spanischen Parlaments. Die Konservativen enthielten sich bei der Abstimmung. Dann kamen schwierige Gespräche mit Vertretern der Katholischen Kirche und ein zäher Rechtsstreit mit der Familie Franco. Diese wollte die Umbettung unbedingt verhindern und zog bis vor das Oberste Spanische Gericht.

Das Gericht gab Ende September grünes Licht für die Umbettung. "Das ist ein Sieg der spanischen Demokratie", sagte Sánchez daraufhin im Radiosender Cadena Ser. "Wir werden es so bald wie möglich machen." Alles sei vorbereitet.

Franco-Anhänger halten ein Banner mit dem Spruch "Franco lebt". | Bildquelle: ZIPI/EPA-EFE/REX
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In der Nähe des Mausoleums, das bisher ein Pilgerort für Anhänger des faschistischen Machthabers war, kam es zu Demonstrationen.

"Franco muss sich dem Befehl der Demokratie fügen"

Zunächst heben Spezialisten die eineinhalb Tonnen schwere Grabplatte mit Spezialgerät an und drehen sie zur Seite. Forensiker können dann den Sarg überprüfen. Wenn er noch in gutem Zustand ist, bleibt er verschlossen. Die Angehörigen von Franco sollen den Sarg anschließend auf Schultern aus der Basilika tragen.

Ein Hubschrauber fliegt ihn dann zu einem Friedhof nahe Madrid, wo bereits Francos Ehefrau Carmen Polo bestattet ist. Dort soll der Diktator wirklich seine letzte Ruhe finden.

Emilio Silva engagiert sich seit Jahren für die Aufarbeitung der Franco-Zeit. Der heutige Tag sei ein wichtiges Datum für Spanien, sagt er. "Es ist das erste Mal in 80 Jahren, dass Franco auf einen Befehl hört. Die 40 Jahre alte spanische Demokratie befiehlt Franco, das 'Tal der Gefallenen' zu verlassen - und er muss sich dem fügen." Das sei wichtig für die politische Kultur in Spanien.

Francisco Franco während einer Parade  auf der  Tribüne des Präsidentenpalastes in Madrid, 1959 | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Francisco Franco während einer Parade auf der Tribüne des Präsidentenpalastes in Madrid im Jahr 1959.

Umbettung als Wahlkampfaktion?

Die Umbettung stößt allerdings auch auf Kritik. Sie findet kurz vor der Parlamentswahl in Spanien statt. Sánchez‘ Gegner werfen ihm vor, das Ereignis für Wahlkampfzwecke zu nutzen.

Pablo Iglesias, Chef der Linkspartei Podemos, findet es zwar gut, dass der Diktator umgebettet wird, kritisiert aber den Zeitpunkt der Aktion. "So etwas eine Woche vor den Wahlen zu machen, alle Medien über Tag und Uhrzeit zu informieren, wann die Mumie aus dem Tal der Gefallenen geborgen wird, und ihnen dann auch noch kostenlos W-LAN anzubieten, damit sie es übertragen, wenn der Hubschrauber abfliegt," - das sei Stimmungsmache, meint er.

Iglesias hätte es lieber gesehen, wenn die Umbettung auf die Zeit nach den Wahlen verschoben worden wäre. Möglicherweise hätte sie dann allerdings weiter auf sich warten lassen - falls die spanischen Konservativen wieder die Regierung übernehmen sollten. In Sachen Franco hatten sie es bisher jedenfalls nicht besonders eilig.

Die Umbettung von Franco: Wie es dazu kam und wie sie abläuft
Marc Dugge, ARD Madrid
24.10.2019 11:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Oktober 2019 um 11:30 Uhr.

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