Das Grab des spanischen Diktators Francisco Franco. | Bildquelle: AFP

Spanien Gericht erlaubt Francos Umbettung

Stand: 24.09.2019 15:01 Uhr

Die sterblichen Überreste des Diktators Franco dürfen umgebettet werden. Das oberste spanische Gericht wies den Einspruch der Familie zurück, die die Pläne der Regierung Sánchez stoppen wollte. Auch eine neue Grabstätte wurde festgelegt.

Francisco Francos Gebeine dürfen laut spanischem Obersten Gerichtshof exhumiert werden. Die Richter genehmigten nun einstimmig, dass die Regierung von Pedro Sánchez den Ex-Diktator in einem Madrider Vorort beisetzen darf. Der Umbettung stand bislang die Klage der Familie Franco entgegen. Auch gegen diese Beisetzung auf dem Friedhof El Pardo-Mingorrubio hatte die Familie des verstorbenen Diktators geklagt. Sie wollte ihn in einem familieneigenen Grab in der Almudena-Kathedrale mitten in Madrid beisetzen. Doch die Regierung wollte dies wohl nicht zulassen. Es sollte kein Pilgerort in zentraler Lage für Franco-Anhänger geschaffen werden.

Das spanische Parlament hatte 2017 und 2018 für eine Exhumierung der sterblichen Überreste in der Gedenkstätte "Tal der Gefallenen", in welcher Franco bestattet wurde, gestimmt. Das Mausoleum ist seit Jahren eine Pilgerstätte für Rechte und Rechtsextreme.

Das Mausoleum "Tal der Gefallenen" nordwestlich von Madrid. | Bildquelle: dpa
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Im Mausoleum "Tal der Gefallenen" nordwestlich von Madrid ruhen derzeit noch die Gebeine von Franco.

Umbettung noch vor den Wahlen

"Wir erleben heute einen großen Sieg der spanischen Demokratie", schrieb Regierungschef Sánchez auf Twitter. "Die Entschlossenheit, das Leid der Opfer der Franco-Ära wiedergutzumachen, war immer das Leitbild für das Handeln der Regierung."

Die spanische Vize-Regierungschefin Carmen Calvo erklärte im Rundfunksender "Cadenaser", die Entscheidung des Gerichts sei rechtskräftig. Franco solle noch vor den spanischen Wahlen am 10. November umgebettet werden. Der Vatikan habe laut Calvo zudem zugesichert, sich einer Umbettung nicht zu widersetzen. Zuvor hatte der Benediktinerorden, der im "Tal der Gefallenen" ansässig ist, erklärt, dass eine Exhumierung eine Störung der Totenruhe sei.

Francos Familie will dagegen weiter Widerstand leisten: Ihr Anwalt Felipe Utrera Molina kündigte im spanischen Fernsehen an, "alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel" vor dem Verfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ausschöpfen zu wollen.

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs war das erste in einer Reihe von insgesamt vier Berufungen gegen den Plan der Regierung. Wie ein Gerichtssprecher signalisierte, war es wohl aber die entscheidende: Es sei "vorhersehbar", dass die Richter in den verbleibenden drei Fällen ein ähnliches Urteil fällen würden.

Francisco Franco während einer Parade  auf der  Tribüne des Präsidentenpalastes in Madrid, 1959 | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Francisco Franco während einer Parade auf der Tribüne des Präsidentenpalastes in Madrid im Jahr 1959.

Putsch gegen Regierung

Der Streit um Francos Leichnam ist Jahrzehnte alt. Franco hatte kurz nach seinem Sieg im spanischen Bürgerkrieg den Bau der Gedenkstätte in der Gebirgskette Sierra de Guadarrama vor Madrid angeordnet. Zehntausende Zwangsarbeiter bauten die 262 Meter lange Basilika in den Berg hinein. Darauf wurde ein 152 Meter hohes Kreuz aus Beton gestellt.

Franco wurde nach seinem Tod am 20. November 1975 am Fuße des Altars im "Tal der Gefallenen" bestattet. Auch Tausende Opfer des von Franco angezettelten Bürgerkriegs liegen in der Stätte begraben. Linke Parteien und Hinterbliebene von Opfern des Kriegs forderten sei langem, dass Franco verlegt wird.

Der General hatte im Sommer 1936 gegen die Regierung der spanischen Republik geputscht - daraufhin folgte der fast drei Jahre anhaltende Bürgerkrieg. Diesen gewann Franco im Jahr 1939 - auch mit deutscher Unterstützung. Er regierte Spanien bis zu seinem Tod im November 1975. Danach leitete König Juan Carlos den Übergang zur Demokratie mit ersten freien Wahlen im Jahr 1977 ein.

Franco darf umgebettet werden
Marc Dugge, ARD Madrid
24.09.2019 15:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2019 um 13:00 Uhr.

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