Das Frachtschiff "Eemslift Hendrika" wird vor Alesund an Land geschleppt. | dpa

Verhinderte Umweltkatastrophe Schlepper bringen Frachter an die Küste

Stand: 08.04.2021 19:46 Uhr

Die Gefahr einer Umweltkatastrophe ist gebannt: Der vor der Küste Norwegens in Seenot geratene Frachter "Eemslift Hendrika" ist in Alesund angekommen. Ein erster Bergungsversuch war gescheitert.

Von Sofie Donges,  ARD-Studio Stockholm

Zwei Schlepper haben den Frachter "Eemslift Hendrika" behutsam in Richtung norwegisches Festland gezogen. Die Wetterbedingungen waren deutlich besser als in den vergangenen Tagen, das habe die eilige Bergung in der Nacht möglich gemacht. Die Dunkelheit allerdings war eine Herausforderung.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Hans Petter Mortensholm von der Küstenverwaltung sagte zuvor im norwegischen Fernsehen TV2: "Das Abschleppen geschieht sachte, wir rechnen damit, dass das Fahrzeug im Laufe des Vormittags oder mittags in der Alsundsregion ankommt."

Erster Bergungsversuch gescheitert

Gestern war ein erster Versuch gescheitert, den 112 Meter langen Frachter zu bergen. Der Einsatz war für die Spezialkräfte bei stürmischer See zu gefährlich. Zu diesem Zeitpunkt war sich die Küstenverwaltung sicher, dass von dem Schiff keine Gefahr ausgehe und man auch einen Tag später bergen könne.

Die "Eemslift Hendrika" sei stabil, hieß es. Doch das änderte sich im Laufe des Tages: "Gestern Nachmittag zeigten die Berechnungen, dass das Schiff in der Nacht auf Grund treiben könnte", so Mortensholm. "Da haben wir entschieden, die Bergungsarbeiten zu beschleunigen und die Mannschaft an Bord zu bringen, damit wir den Einsatz so schnell wie möglich beginnen können."

Angst vor Umweltkatastrophe

Die Sorge war groß, dass der Frachter Öl verlieren könnte. 350 Tonnen Schweröl befinden sich an Bord. Die Einsatzkräfte mussten in der Dunkelheit von einem Hubschrauber aus das Schiff betreten. Das war notwendig, um den Frachter mit zwei Schleppern zu verbinden. Zusätzlich bereitete sich die Küstenverwaltung auch auf eine mögliche Ölkatastrophe vor.

Bedrohung für Seevögel

In der Region befinden sich empfindliche Naturgebiete mit vielen Seevögeln. Für sie wäre ein Ölteppich besonders gefährlich gewesen. Gegen Mitternacht dann Entwarnung: Alles Laufe nach Plan, das Schiff sei gesichert. "Die Lage ist unter Kontrolle und die Küstenverwaltung bleibt in Bereitschaft, bis das Schiff in geschützten Fahrwassern ist und die Arbeit an Bord komplett stabil", so Mortenholm.

Sein Kollege Einar Vik Arseth ergänzt, dass er sehr erleichtert und glücklich sei, die Aktion nun abschließen zu können ."Rein theoretisch kann immer etwas passieren, aber jetzt sieht es so aus, dass die Risikosituation gut ist."

Hafen von Alesund erstes Ziel

Wie es mit dem niederländischen Frachter weitergeht, ist noch unklar. Im Hafen von Alesund war schon seit Tagen für ihn ein Platz zum Anlegen freigehalten worden.

Spezialisten müssten das Schiff gründlich untersuchen, erläutert Arseth: "Jetzt steht noch die Aufgabe an, das Fahrzeug zu stabilisieren. Es gibt ein Leck im Dach und natürlich muss die Ladung wieder an ihren Platz."

Ladung verrutscht

Die Ladung war das Problem: Bei schwerem Sturm war Fracht verrutscht und hatte das Schiff in eine gefährliche Seitenlage gebracht. Die Besatzung musste bei starkem Wind und hohen Wellen von einem Hubschrauber gerettet werden. Das Schiff trieb tagelang vor der Küste Westnorwegens im Meer.

Ob der Frachter noch lange in Norwegen bleiben wird oder bald wieder auf See fahren könne, sei noch unklar. So schnell wieder möglich soll er wieder der niederländischen Reederei übergeben werden, die die Kosten für die Bergung übernehmen muss.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. April 2021 um 11:30 Uhr.