Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist auf dem Rathausplatz von Szekesfehervar umgeben von grün-rot-weißen Flaggen. | AFP

Moderator Carlson sendet aus Ungarn Wie Fox News Orbán huldigte

Stand: 07.08.2021 10:09 Uhr

Während Ungarns Regierungschef Orbán in der EU zunehmend isoliert ist, wird er zum Vorbild für rechte Politiker und Medien außerhalb des Kontinents. Bei Fox News gab es nun eine einwöchige Huldigung.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

So mancher Fox-News-Zuschauer hat sich wohl erst einmal die Augen gerieben: Gewöhnlich sitzt ihr allabendlicher Lieblings-Moderator vor der Kulisse des nächtlichen Washington - in dieser Woche jedoch begrüßte Tucker Carlson sie vor imposanten Gründerzeitfassaden in Budapest.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

"Wenn Ihnen die westliche Zivilisation am Herzen liegt, Demokratie, traditionelle Familien, und Sie der grausame Angriff globaler Einrichtungen auf alle drei empört, dann sollte Sie Ungarn interessieren." So machte Carlson einem Millionenpublikum sein Gastland schmackhaft - und dessen Regierungschef, der sich im Interview gleich artig revanchierte: Trumps "America First" sei in Zentraleuropa als sehr positive Botschaft aufgenommen worden, schwärmte Viktor Orbán, denn so seien die Chancen für eine "Ungarn zuerst"-Politik gestiegen.

Attacken auf Merkel und Biden

Orbáns Flüchtlingspolitik jedenfalls wurde auf Fox eine Woche lang über den grünen Klee gepriesen: Europa werde von der EU kontrolliert und die EU von Deutschland, diagnostizierte Carlson - die EU sei eigentlich das "Deutsche Reich". Während der Flüchtlingskrise habe Angela Merkel Europa gelenkt. Es sei sechs Jahre her, seit Merkel Millionen Flüchtlinge, des Deutschen unkundig und größtenteils Muslime, in ihr Land gelassen habe. Welche Auswirkungen das für Deutschland gehabt habe, fragte Carlson den Premierminister.

Orbán widerstand der Versuchung, Merkel unverblümt zu kritisieren, und verwies auf diplomatische Gepflogenheiten. Sein Gast jedoch, an solche nicht gebunden, attackierte in Budapest seinen eigenen Präsidenten, Joe Biden, nicht nur für dessen Politik: Biden habe Orbán einmal einen autokratischen Schlägertypen genannt: Wie Orbán das denn fände?

"Jemand, der unsere Sprache nicht spricht, versteht natürlich nicht viel von Ungarn", konterte Orbán. Carlson grinst zufrieden über das Biden-Bashing - und scheint nicht zu merken, dass er ja die gleiche Kompetenzschwäche aufweist wie sein Präsident. Doch Carlson hat in einer Woche Ungarn genug gelernt, um die Gesellschaft, die Orbán geschaffen hat, als Rollenmodell für die USA zu empfehlen.

Von Ungarn lernen

Man könne auch von einer kleinen Nation wie den Ungarn lernen, was zu tun sei, um die Zerstörung eines Landes zu verhindern: Grenzen dicht, Fremde, schon gar aus anderen Kulturen unerwünscht, Christentum und Kleinfamilie als gesellschaftliches Idealbild.

Dass die Kritik an den undemokratischen Tendenzen des Orbán-Kurses in Europa auch und gerade aus dem christlich-konservativen Lager kommt, und dass diese Kritik durchaus auf von Fox News so gepriesenen amerikanischen Werten fußt, waren Nebensächlichkeiten, die in Carlsons ideologischem Zerrbild von Ungarn keinen Platz hatten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. August 2021 um 06:46 Uhr.

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KOMMENTARE

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SinnUndVerstand 07.08.2021 • 14:45 Uhr

@ 13:28 von fathaland slim

Manchmal beschleicht mich der Eindruck, es könnte User geben, die die Fakten zum korrupten Orban durchaus kennen, aber lieber verschweigen.