Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn verlässt ein Gerichtsgebäude. | Bildquelle: AP

Porträt Michael Flynn Der Mann, der Trump belasten könnte

Stand: 02.12.2017 15:42 Uhr

Er attackierte Hillary Clinton und kritisierte den Islam: Ex-Militär Flynn war ein Mann ganz nach Trumps Geschmack. Nun könnte er den US-Präsidenten in ernste Schwierigkeiten bringen - dabei soll bereits die Obama-Regierung vor ihm gewarnt haben.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Im Sommer 2016 war Michael Flynns Welt noch in Ordnung. Und Hillary Clinton in seinen Augen die Kriminelle: "Wenn ich nur ein Zehntel dessen getan hätte, was Hillary Clinton tat, dann würde ich heute im Gefängnis sitzen", sagte er.

Bei Trumps Anhängern kam das damals sehr gut an. Flynn, der Einheizer und Scharfmacher. Der General im Ruhestand zählte zu Trumps wichtigsten Beratern. Er sollte Trumps Kampagne die nötige außen- und sicherheitspolitische Seriosität verleihen - mit dem trumpschen Anstrich.

Der Islam etwa war für Flynn keine Religion, sondern eine politische Ideologie. Immer wieder warnte er vor der großen Gefahr für Amerika. Man müsse ja nur mal sehen, was da in Europa passiere, so Flynn. Radikale Worte, die Donald Trump gefielen, ganz im Sinne seiner America-First-Politik.

Obama-Regierung warnte vor Flynn

Ungebremstes Lob kam von Trump: Phänomenal, knallhart und schlau sei er, dieser General Flynn, der mehr als 30 Jahre in der Armee diente. Flynn machte im Militärgeheimdienst Karriere. Unter Präsident Obama stieg er 2012 zum Direktor des US-Militärgeheimdienstes DIA auf, trat allerdings schon nach zwei Jahren wieder zurück. Flynn warf der Obama-Regierung vor, die Gefahr des radikalen Islam zu unterschätzen. Umgekehrt wurde Flynns Führungsstil als chaotisch kritisiert, außerdem sei er ein Hitzkopf.

Es war schließlich auch die Obama-Regierung, die Trump kurz nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr ausdrücklich vor Flynn warnte. Die damals geschäftsführende Justizministerin Sally Yates erklärte später vor einem Kongressausschuss: Flynns Nähe zu den Russen habe eine nationale Gefahr dargestellt.

Russland: Irgendwie mehr Freund als Feind

Trotzdem machte Trump ihn zum Nationalen Sicherheitsberater. Nach nur 24 Tagen musste er dann wieder gehen. Zum Verhängnis wurde ihm ein Treffen mit Moskaus USA-Botschafter Sergey Kislyak. Sie hatten auch über die von Obama damals erlassenen Sanktionen gegen Moskau gesprochen.

Russland, das war für Flynn immer irgendwie mehr Freund als Feind. 2007 ließ er sich in Moskau an der Seite des russischen Präsidenten Wladimir Putin fotografieren, auf einer Feier des staatlich finanzierten Fernsehsenders RT. Später kam heraus: RT soll ihm für den Auftritt 37.000 Dollar gezahlt haben. Vom türkischen Präsidenten Erdogan soll der Ex-Geheimdienstler Flynn ebenfalls kassiert haben, insgesamt 600.000 Dollar - für türkische Lobbyarbeit in den Vereinigten Staaten. Als Regierungsmitglied hatte Flynn diese Einflüsse verschwiegen. Dabei hatte er der Kandidatin Clinton immer wieder auch vorgeworfen, das FBI belogen zu haben - bittere Ironie.

Nach der Anklage in dieser Woche drohen dem abgestürzten Ex-Sicherheitsberater nun bis zu fünf Jahre, weil er die Ermittler belogen hat. Flynn hat angekündigt, zu kooperieren. Seinem einstigen Förderer Donald Trump könnte er erheblichen Schaden zufügen.

Wer ist Michael Flynn? Der Ex-Geheimdienstler, der Trump belasten könnte
Marc Hoffmann, ARD Washington
02.12.2017 11:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 2. Dezember 2017 um 12.39 Uhr.

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