Hintergrund

Wrackteile des im Iran abgestürzten Flugzeugs | Bildquelle: AP

Flugzeugabsturz im Iran Was für einen Abschuss spricht - und was dagegen

Stand: 10.01.2020 11:18 Uhr

Von Anfang an gab es Zweifel an der iranischen Version, dass Flug PS752 wegen eines technischen Defekts abgestürzt sei. War es doch ein versehentlicher Abschuss? Was spricht dafür?

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Was passierte mit Flug PS752? Warum stürzte das ukrainische Passagierflugzeug am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran ab? Während der Iran weiterhin von einem technischen Defekt spricht, mehren sich die Indizien für einen Abschuss.

Was für einen Abschuss spricht

Ein Video, das die "New York Times" nach eigenen Angaben verifiziert hat, deutet sehr stark auf einen mutmaßlichen Raketeneinschlag an der Maschine hin. Zu sehen ist ein Objekt, das mit hohem Tempo aufsteigt, ehe es zu einer heftigen Explosion kommt. Ein Objekt - wohl das ukrainische Flugzeug -, das offenbar Feuer gefangen hat, bewegt sich dann in eine andere Richtung.

Auch die bislang öffentlich bekannten Flugdaten deuten darauf hin, dass es keine technischen Probleme gab. Die Startphase verlief völlig normal. Die Boeing 737-800 hob ab, das Fahrwerk wurde eingefahren, die Maschine gewann kontinuierlich an Höhe und Geschwindigkeit. Diese Daten wurden von dem ADS-B-Transponder an Bord des Flugzeugs automatisch an drei Empfänger geschickt. Neben der Flugsicherung greifen auch Trackingdienste wie Flightradar24 auf diese Daten zu.

Bei einer Geschwindigkeit von 500 Stundenkilometern und einer Höhe von rund 1400 Metern riss der Datenstrom urplötzlich ab - um 3:44 Uhr und 57 Sekunden MEZ. Alle drei Empfänger erhielten in derselben Sekunde keine Signale mehr. Die Maschine verschwand in dem Moment von den Bildschirmen der Flugsicherung. Die Piloten setzten keinen Notruf ab.

Nach Angaben von Kanadas Premierminister Justin Trudeau haben kanadische und andere Geheimdienste die Signale eines eingeschalteten Radars einer Flugabwehrrakete empfangen. Laut CBS entdeckten US-Satelliten kurz vor der Explosion des Flugzeugs den Start von zwei Boden-Luft-Raketen.

Auch Fotos der Wrackteile deuten darauf hin, dass die Maschine von solch einer Rakete getroffen wurde. Denn es sind kleine Löcher zu sehen, die nahe legen, dass kleine, scharfkantige Metallteile den Rumpf perforiert haben - und zwar von außen nach innen.

Ein iranischer Journalist veröffentlichte zudem Fotos, die die Spitze einer russischen Flugabwehrrakete vom Typ 9M331 zeigen, einem Geschoss des Flugabwehrsystems Tor M-1. Die Fotos sollen an der Absturzstelle gemacht worden sein - diese Informationen sind aber nicht verifiziert. Fakt ist jedoch, dass Russland dem Iran 2007 insgesamt 29 Geräte vom Typ Tor-M1 geliefert hat. Sie waren Bestandteil eines 2005 unterzeichneten Vertrags.

An einen absichtlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs glaubt kaum jemand. Der Militärexperte Christian Mölling hält einen versehentlichen Abschuss für denkbar. Er verweist auf die besondere Situation, wenige Stunden nach den iranischen Raketenangriffen auf US-Militärstützpunkte im Irak: "Der Iran musste davon ausgehen, dass es möglicherweise einen Gegenschlag aus der Luft (...) gibt und hat deswegen wahrscheinlich seine Luftabwehrbatterien aktiviert", sagte Mölling in den tagesthemen. Dadurch habe es eine Kriegssituation gegeben, "aber auch noch zivilen Luftverkehr".

Da sei es schwer, zu unterscheiden, was ein Ziel sei und was nicht. "In westlichen Radarsystemen wäre es möglicherweise zu vermeiden gewesen. Wir wissen aber nicht, ob das Radarsystem hier in der Lage gewesen ist, zwischen zivilen und militärischen Flugzeugen zu unterscheiden."

Christian Mölling, Militärexperte DGAP, zu Spekulationen über die Absturzursache
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.01.2020

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Dagegen erklärte der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, laut Nachrichtenagentur Fars, im Iran gebe es zwischen der militärischen und zivilen Luftfahrtbehörde eine einwandfreie Koordination.

Was für einen technischen Defekt als Ursache spricht

Auf den Trümmerfotos ist zu sehen, dass das Gehäuse der Turbine Austrittschäden von Schrapnellteilen aufweist. "Diese sind durchaus charakteristisch für einen Triebwerkschaden - im englischen 'uncontained engine failure'", erklärt Frank Bäumer aus der Wissenschaftsredaktion des BR.

Trümmerteile der abgestürzten Boeing 737 liegen auf einem Feld nahe Teheran. | Bildquelle: AFP
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Das Turbinengehäuse der abgestürzten Maschine zeigt Austrittsschäden von Schrapnellteilen.

Auch die Tragfläche zeigt offenbar Perforationsschäden an der entsprechenden Stelle. Boeing hatte in der Vergangenheit bereits Probleme mit solch einem Zwischenfall auf dem Flug von New York nach Dallas am 17. April 2018. Die Schäden müssen jedoch nicht von einer Triebswerksexplosion stammen, sie können ebenso beim Aufschlagen der Maschine auf den Boden entstanden sein.

Die iranischen Behörden bekräftigten am Donnerstag, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen, und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami. Gerüchte über einen Abschuss seien falsch. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami jedoch nicht.

Die iranische Luftfahrtbehörde bezeichnete einen Abschuss der Passagiermaschine als "wissenschaftlich unmöglich" und wies entsprechende Spekulationen als "unlogisch" zurück. "Die Behauptung, dass die Maschine von einem iranischen Raketenabwehrsystem getroffen worden sei, kann ganz und gar nicht stimmen, weil zur selben Zeit des Absturzes mehrere andere Maschinen im iranischen Luftraum unterwegs waren", sagte Abedsadeh.

Flugzeugabsturz im Iran: Regierung dementiert Abschuss
Karin Senz, ARD Istanbul
10.01.2020 10:58 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 9. Januar 2020 um 22:15 Uhr.

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