Flüchtlinge treiben vor der Küste Libyens im Mittelmeer. | Bildquelle: dpa

Vor der Küste Libyens Dutzende Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer

Stand: 24.05.2017 16:24 Uhr

Schon wieder ist im Mittelmeer ein völlig überladenes Flüchtlingsboot gekentert. Mindestens 31 Menschen starben, darunter viele Kinder. Das Unglück ereignete sich während einer Rettungsaktion einer Hilfsorganisation.

Bei einem erneuten Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens sind mindestens 31 Menschen ertrunken, unter ihnen auch auch zahlreiche Kinder. Nach Angaben der italienischen Küstenwache starben sie während einer Rettungsaktion rund 20 Seemeilen vor der Küste, nachdem ihr mit bis zu 700 Menschen völlig überladenes Boot in Seenot geraten war.

Die Besatzung des Schiffs "Phoenix" der maltesischen Hilfsorganisation Moas war dem Boot zu Hilfe gekommen und hatte damit begonnen, Schwimmwesten auszugeben, als rund 200 Flüchtlinge ins Wasser stürzten. Vermutlich hatten sie durch eine große Welle das Gleichgewicht verloren. "Keine Szene aus einem Horrorfilm - eine Tragödie aus dem wirklichen Leben vor Europas Schwelle", erklärte Maos-Mitgründer Chris Catrambone auf Twitter.

Chris Catrambone @cpcatrambone
not a scene from a horror movie...Real life tragedy unfolding on Europe's doorstep today! https://t.co/OcJH8C92Yh

Erschütternde Bilder veröffentlicht

Er veröffentlichte auch Fotos von weißen Leichensäcken an Deck der "Phoenix" und berichtete: "Helfer versuchen verzweifelt, den verschlossenen Laderaum eines Holzboots aufzubrechen, in dem Hunderte Migranten eingepfercht sind." Catrambone zufolge fielen viele Kleinkinder über Bord.

Mit Unterstützung eines Schiffs der italienischen Küstenwache und mehrerer Handelsschiffe konnten Flüchtlinge aus dem Wasser geborgen werden. Ein Armeeflugzeug warf Rettungsinseln ab, eine Hubschrauberbesatzung hielt Ausschau nach Überlebenden.

Mehr als tausend Tote

Erst am Vortag hatten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) über ein weiteres Bootsunglück vor der libyschen Küste berichtet, bei dem vergangene Woche vermutlich Dutzende Menschen ums Leben kamen.

Die italienische Küstenwache koordinierte am Dienstag nach eigenen Angaben die Rettung von etwa 1500 Flüchtlingen. Die deutschen Hilfsorganisation Jugend Rettet berichtete, die Besatzung ihres Schiffes habe während einer Rettungsaktion beobachtet, wie von einem mutmaßlichen Schiff der libyschen Küstenwache aus auf ein Flüchtlingsboot geschossen wurde.

Allein in diesem Jahr starben nach Angaben der IOM mehr als 1250 Flüchtlinge bei dem Versuch, in meist untauglichen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2017 um 12:30 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: