Flüchtlinge harren im Lager Lipa in Bosnien aus. | dpa

Bosnien-Herzegowina Migranten zurück in ausgebranntem Lager

Stand: 30.12.2020 20:43 Uhr

Nach dem Feuer im bosnischen Flüchtlingslager Lipa sind die Migranten ins ausgebrannte Camp zurückgekehrt. Zuvor hatten sie die Nacht in Bussen verbringen müssen, da Anwohner den Umzug in eine Kaserne verhindert hatten.

Hunderte Flüchtlinge sind ins ausgebrannte Flüchtlingslager Lipa zurückgekehrt, nachdem sie die Nacht über in Bussen auf ihren Transport in ein Ersatzquartier im Landesinneren gewartet hatten.

Eigentlich sollten die rund 500 Flüchtlinge nach der Brandkatastrophe in eine Kaserne nach Konjic, 45 Kilometer südwestlich von Sarajevo, gebracht werden. Nach Protesten von Politikern und Bewohnern der Gemeinde wurde die Abreise der Migranten dann aber gestoppt. Die Flüchtlinge harrten rund 24 Stunden in den Bussen aus, bevor sie am Nachmittag wieder aussteigen und in das leere Lager zurückkehren mussten.

Das Camp Lipa war vor einer Woche abgebrannt und von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geräumt worden. Ersatz war zunächst keiner angeboten worden. Viele Flüchtlinge und Migranten waren bis zuletzt in dem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac ohne Obdach geblieben.

Migranten sitzen in Bosnien fest

Der Großmufti der islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, Hussein Kavazovic, forderte eine bessere Behandlung der Migranten. Die Lage sei beschämend für das Land und den Rest Europas. "Wir behandeln bedürftige Menschen nicht auf solche Weise", sagte er.

In Bosnien hat sich die Stimmung in der Bevölkerung gegen die Migranten gewendet, seitdem das Balkanland zum Durchzugsgebiet auf der sogenannten Balkanroute wurde. Die Migranten wollen zwar nicht in Bosnien bleiben. Tausende von ihnen sitzen aber dort fest, weil es ihnen bislang nicht gelang, über die "grüne" Grenze in das benachbarte EU-Land Kroatien zu gelangen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Dezember 2020 um 21:57 Uhr.