Bauschild mit der Aufschrift: "Hier entsteht eine Flüchtlingsunterkunft"
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Akzeptanz für Flüchtlingsheime Skepsis gegenüber dem neuen Nachbarn

Stand: 26.08.2016 04:55 Uhr

Noch vor einem Jahr war sie groß - die Euphorie. Wir schaffen das - die Integration, die Bewältigung der Krise. Geblieben ist der Alltag. Und in dem gibt es immer noch Hürden, gerade in den Köpfen.

Von Cornelia Gerhard, WDR

Brück, ein beschaulicher Stadtteil von Köln: niedriger Ausländeranteil, engagierte Menschen, drei Flüchtlingsheime. In einem wohnten eine Zeit lang allein reisende Männer, die inzwischen ausgezogen sind. Bald sollen wieder Flüchtlinge einziehen. "Da gab es zunächst einen großen Aufschrei, als da nur Männer leben sollten", erzählt die Anwohnerin Bettina Münz. "Ich habe auch davon gehört, dass sich Mädchen über blöde Anmachen beschwert haben. Ich selbst kann aber nichts Negatives sagen."

Ganz in der Nähe ihres Hauses steht eine weitere Flüchtlingsunterkunft, erzählt Münz weiter. Dort wohnen 80 Menschen, vor allem Familien. "Klar werde ich darauf angesprochen, zum Beispiel von einem Kollegen, der mich fragte, ob jetzt bei uns die Grundstückspreise sinken. Was natürlich Quatsch ist, insgesamt ist es völlig entspannt."

Die Flüchtlingsunterkunft Brück einem Stadtteil von Köln.

Die Flüchtlingsunterkunft in Brück, einem Stadtteil von Köln.

Angst verflog mit Einzug

Das Problem, dass sich Menschen Sorgen um den Wert ihrer Immobilien machen, kennt auch Makler Andreas Riepen. Über Monate war eine Wohnung in einem beliebten Kölner Stadtteil in Rheinnähe nahezu unverkäuflich - aus dem Fenster blickt man auf ein Haus, das eine Flüchtlingsunterkunft werden sollte. "Die Angst war groß", berichtet der Immobilienfachmann. "Das änderte sich aber schlagartig, als die Flüchtlinge dann einzogen. Die Wohnung ging schnell weg, ohne Wertverlust. Wir erleben häufig, dass sich Befürchtungen nicht bestätigen."

Umfragen bestätigen, dass Menschen, die keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben, diese besonders negativ einschätzen. Der DeutschlandTrend vom März dieses Jahres zeigt klar: Wer keine Flüchtlinge kennt, fürchtet mehr Kriminalität und Konkurrenz um Wohnungen und Arbeit sowie einen zu großen Einfluss des Islams.

Mehrheit gegen Merkels Flüchtlingskurs

Insgesamt stößt die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrheitlich auf Ablehnung: 65 Prozent der Befragten sind damit weniger oder gar nicht zufrieden. Nur 34 Prozent sind mit ihrer Flüchtlingspolitik zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist die schlechteste Bewertung für Merkels Kurs, seit die Frage im DeutschlandTrend im Oktober 2015 zum ersten Mal gestellt wurde.

Die Vorbehalte sind der Stadt Köln bekannt, deswegen ist die Information von Anwohnern, bevor ein Heim eingerichtet wird, der Verwaltung besonders wichtig. Über 90 solcher Häuser gibt es in der Stadt mit mehr als 13.800 Flüchtlingen, möglichst gleichmäßig verteilt auf alle Bezirke.

"Viele Bedenken sind vorgeschoben"

Natürlich gebe es immer Bedenkenträger, die Gründe vorschieben würden, warum eine Unterkunft nicht im eigenen Wohngebiet entstehen soll - das ist die Erfahrung des Kölner Flüchtlingskoordinators Hans-Jürgen Oster: "Am liebsten sind mir die ehrlichen Bedenken, vieles wird vorgeschoben: zu viel Verkehr, die Sicherheit, ist der Schulweg tangiert. Es gibt eine ganze Anzahl von Bedenken, mit denen wir uns beschäftigen."

Doch alles in allem gebe es eine hohe Akzeptanz, das zeige sich an den vielen Willkommensinitiativen. "Auf jeder Veranstaltung, auf der wir eine neue Einrichtung vorstellen, gibt es immer Menschen, die sich direkt zusammenschließen", sagt Oster.

Hans Jürgen Oster, Flüchtlingskoordinator der Kölner Oberbürgermeisterin

Hans Jürgen Oster, Flüchtlingskoordinator der Kölner Oberbürgermeisterin

Die Brücker sind sich uneins, ob sie das schaffen mit ihren neuen Nachbarn. Ein Mann, der in unmittelbarer Nähe der Unterkunft wohnt, bedauert, dass es eigentlich gar keinen Kontakt zu den Flüchtlingen gebe, wenn man nicht in der Willkommensinitiative sei. Die Fluktuation sei zu hoch. Seine Frau ergänzt, dass auf dem Nachbarschaftsfest, das die Initiative eigens für die Flüchtlinge zum Kennenlernen organisiert hatte, die Brücker ziemlich unter sich geblieben sind. So wird es wohl noch eine Weile und mehr Kontinuität brauchen, damit eine richtige neue Nachbarschaft entstehen kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. August 2016 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Theodortugendreich 26.08.2016 • 13:05 Uhr

@Barthelmus "Wer diese Entwicklung nicht will ..."

Wer diese Entwicklung nicht will, sucht sich aus wen er sich ansiedeln lässt. Dann ist auch kein jahrzehntelanger Kampf um Integration Integrationsresistener Gruppen nochtwendig, der am Ende doch verlorengeht.