Flüchtlinge an der Grenze zu den USA | Bildquelle: REUTERS

US-mexikanische Grenze Flüchtlingskonvoi kleiner als erwartet

Stand: 02.05.2018 09:20 Uhr

Anstelle von 1500 erwarteten Flüchtlingen aus Mittelamerika sind 300 an der Grenze angekommen. Doch ihre Hoffnung, Asyl in den USA beantragen zu können, ist gering.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Los Angeles

"Wir sind nicht einer, wir sind nicht drei, wir sind Millionen", skandieren Flüchtlinge am Grenzzaun in Tijuana. Im Moment sind sie aber nur gut 300, die die Grenze erreicht haben. 300 von ursprünglich rund 1500 Menschen, die aus Honduras, San Salvador und anderen mittelamerikanischen Staaten geflohen sind. So wie Misael Bonillo, dessen Eltern schon in den USA sind. "Ich bin aufgewühlt und glücklich", sagt er. "Nur noch ein paar Schritte und ich bin bei meiner Mutter."

Ein paar langwierige Schritte, wie es aussieht. Denn die US-Einwanderungsbehörden arbeiten langsam. Gerade mal acht Frauen und Kinder durften am Montag Asyl beantragen - es gebe nicht genügend Möglichkeiten, sie unterzubringen, hieß es da. Man hoffe, dass das ein vorübergehendes Problem sei. Und praktisch alle, die nach Tijuana gekommen sind, wollen Asyl beantragen. Weil sie in ihrer Heimat politisch oder von kriminellen Banden verfolgt werden.

Eine Frau aus Honduras erzählt, sie habe sich der sogenannten "Karawane" angeschlossen, weil sie keine andere Möglichkeit gesehen habe. "Die Bande, die mich verfolgt hat, hat mich in Südmexiko gefunden", erklärt sie. "Hier kann ich nicht bleiben, und in Honduras bringen sie mich und meine Kinder um. Ich brauche Hilfe!"

Demonstranten auf dem Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA | Bildquelle: AFP
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Demonstration an der Grenze. Teilnehmer der Karawane auf dem Grenzzaun bei Tijuana.

Bundesstaaten nicht gefragt

Der Appell ist auch an US-Präsident Donald Trump gerichtet. "Wir brauchen Grenzen", lautete sein Kommentar zur Ankunft der Flüchtlinge am Grenzzaun. "Ohne Grenzen haben wir kein Land."

Trump hat Nationalgardisten an die Grenze beordert. Bis zu 4000 wollte er schicken - ohne die zuständigen Bundesstaaten überhaupt gefragt zu haben. In Kalifornien sind es jetzt gerade mal 160 Gardisten, die den Grenzschutz unterstützen. Allerdings allein in Bürojobs. "Im Moment bitten wir die Nationalgarde nicht um Hilfe im Umgang mit Verdächtigen", erklärt Grenzschutz-Chef Rodney Scott.

Zelte von Flüchtlinge stehen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. | Bildquelle: AP
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Zelte für die Menschen des Konvoi in Tijuana

Konvoi für besseren Schutz

Laut Gesetz ist die Nationalgarde auch gar nicht befugt, illegale Einwanderer zu verhaften. Trump ging es darum, Stimmung zu machen, glaubt Anwältin Nicole Ramos, die Flüchtlinge beim Asylantrag berät. "Er will US-Bürger aufstacheln, mit diesem Bild von einer Karawane von Latinos, die eine Invasion der USA vorhat", sagt sie.

Menschenrechtsorganisationen hatten den Konvoi organisiert, um Flüchtlinge besser vor Verfolgern und Schleppern zu schützen. Nachdem Präsident Trump getwittert hatte, die nationale Sicherheit sei in Gefahr, und daraufhin die Nationalgarde schickte, löste sich der Konvoi zum Teil auf. Viele werden nun doch illegal in die USA gehen.

Diejenigen, die gemeinsam weiter nach Tijuana gezogen sind, hoffen noch auf Asyl. Über dreihundert Menschen warten an der Grenze darauf, einen Antrag stellen zu können. So wie Misael aus Honduras "Wir sind nicht gekommen, um irgendjemandem zu schaden", sagt er. "Sondern nur, um einen sicheren Ort für unsere Kinder zu finden. Damit sie keine Angst haben müssen."

Konvoi mittelamerikanischer Flüchtlinge an US-Grenze angelangt
Reinhard Spiegelhauer, ARD Los Angeles
02.05.2018 08:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Mai 2018 um 8.28 Uhr.

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