Flüchtlinge aus dem Lager Lipa in Bosnien | AP

Geräumtes Lager Lipa Flüchtlinge in Bosnien in Lebensgefahr

Stand: 29.12.2020 13:31 Uhr

Nach der Räumung des Flüchtlingslagers Lipa in Bosnien vor Weihnachten harren 1300 frühere Bewohner in Schnee und Kälte aus. Laut Helfern ist ihre Lage und die weiterer 2000 Menschen lebensbedrohlich.

Die ehemaligen Bewohner des bosnischen Flüchtlingscamps Lipa befinden sich nach Einschätzung der Hilfsorganisation Care in einer lebenskritischen Situation.

Die Schließung des Camps einen Tag vor Weihnachten sei "unmenschlich" gewesen, sagte die Care-Regionaldirektorin für den Balkan, Sumka Bucan.

3300 Menschen ohne Schutz

In der Folge seien 1300 Menschen ohne Heizung und Dach über dem Kopf und wie weitere 2000, die ohnehin außerhalb lebten, schutzlos dem starken Schneefall und der Kälte ausgesetzt. Einige Menschen seien mit Sandalen im Schnee zurückgelassen worden, kritisierte Bucan.

Nach ARD-Informationen verteilen nur noch das bosnische Rote Kreuz und einige Helfer Decken und eine warme Mahlzeit pro Tag. Aus Kreisen von Hilfsorganisatonen heißt es, die Menschen sollten mit Bussen in andere Lager gebracht werden - wohin ist aber unklar, drei andere Lager in der Region sind überfüllt.

Helferin Bucan sagte, das Camp Lipa sei "keine perfekte Unterkunft" gewesen, habe jedoch minimalen Schutz vor Wind, Regen und Schnee geboten.

Die große Herausforderung durch eine steigende Zahl von Migranten in Bosnien dürfe nicht dazu führen, "dass Menschen, die Hilfe suchen, nicht erlaubt wird, vor eisiger Kälte Schutz zu suchen", mahnte die Helferin.

Care fordert "lebensrettende Hilfe"

Die lokalen und die europäischen Behörden müssten den gestrandeten Menschen angemessenen Schutz bieten. "Care fordert bedingungslose, lebensrettende Hilfe", so Bucan. Der betroffene Kanton Una Sana liegt direkt an der Grenze zu Kroatien und damit zur Europäischen Union.

Mit Informationen von Christian Limpert, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.