Syrische Flüchtlinge im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien

Syrer in Jordanien Kein Zurück

Stand: 28.07.2018 03:18 Uhr

Mehr als 600.000 syrische Flüchtlinge leben in Jordanien. Zwar hat Syriens Präsident Assad sie aufgerufen, zurückzukehren - doch so lange der Krieg andauert, kommt das für sie nicht infrage.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Kairo

Das Registrierungscenter des UN-Flüchtlingshilfswerks in der jordanischen Hauptstadt Amman: Im Warteraum sitzen syrische Flüchtlinge, die nicht wissen, wie es weitergeht. Nach Hause, nach Syrien wollen sie derzeit nicht. Ibrahim al-Khalaf kommt aus Hasakah im Nordosten Syriens:

"Ich fühle mich überhaupt nicht ermutigt zurückzukehren. Ich würde mich nicht sicher fühlen. Sicherheit gibt es nicht in meinem Land. Wenn ich jetzt zurückgehe, werde ich zum Wehrdienst einberufen und kann meine Familie, meine Kinder nicht ernähren. Es gibt kein Schutzprogramm für Rückkehrer. Meine Frau und meine Kinder wären in großer Gefahr."

Syriens Staatschef Baschar al-Assad hat die syrischen Flüchtlinge aufgerufen, ins Land zurückzukommen. Sie würden jetzt gebraucht. Auch Russland hatte die internationale Gemeinschaft aufgefordert, bei der Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu helfen. Die aber wollen sich nicht helfen lassen, wollen nicht zurück. Etwa Abdel-Nasser Abu Naboot aus Daraa, der Provinz, in der noch Kämpfe stattfinden:

"Wenn unsere Forderungen vom Beginn der Revolution erfüllt sind, Gleichheit und Respekt vor Andersdenkenden, dann kehren wir zurück nach Syrien. Vorher nicht. Ich kehre nicht zurück, wenn alles wie 2011 bleibt. Nach acht Jahren des Mordens und des Zerstörens muss sich etwas ändern. Freiwillig gehe ich nicht."

Syrische Flüchtlinge in Jordanien
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In Saatari, dem größten Flüchtlingscamp in Jordanien, leben derzeit etwa 80.000 Geflüchtete aus Syrien.

Assad will offenbar Idlib zurückerobern

Nach russischen Medienberichten will Assad, dessen Regierungsarmee inzwischen die Kontrolle über fast ganz Syrien zurückgewonnen hat, nun die nordwestliche Provinz Idlib angreifen. In die Deeskalationszone Idlib haben sich, so sehen es Vereinbarungen zwischen Russland, dem Iran und der Türkei vor, viele Rebellen mit ihren Familien zurückgezogen. Auch Hunderte Weißhelme, Mitglieder einer zivilen Hilfsorganisation, halten sich dort auf.

Israel half am Sonntag rund 400 Weißhelmen bei ihrer Flucht über israelisches Gebiet nach Jordanien. Syrien beschuldigt die Weißhelme, Spione des Auslands zu sein. Assad kündigte laut russischen Medien an, die Mitglieder der Weißhelme zu töten, sollten sie sich nicht ergeben.

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Weder Sicherheit noch Stabilität

Die Lage scheint nicht zu einer Rückkehr nach Syrien einzuladen. Grundbedingungen wie Sicherheit und Stabilität sind nicht gewährleistet. Das weiß auch der Sprecher des UNHCR in Jordanien, Mohammad al-Hawari:

"Die freiwillige Rückkehr findet statt, schon seit Jahren. In den letzten drei Jahren gingen rund 15.000 Flüchtlinge zurück nach Syrien. Aber die Grenzen sind derzeit nicht für eine großangelegte Rückkehraktion geöffnet."

Die Hoffnung vieler Syrer in Jordanien richtet sich auf andere Staaten. Ibrahim al-Khalaf sagt:

"Meine Schwester versucht, unsere Familie in Großbritannien zu vereinen. Mein Bruder lebt in den USA und versucht das Gleiche. Ich hoffe, dass ich für meine Kinder eine bessere Zukunft als in Syrien finden kann."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2018 um 18:24 Uhr.

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