Grenzzaun zwischen Bulgarien und der Türkei | Bildquelle: AFP

Selbsternannte Bürgerwehren in Bulgarien Im Panzer auf Migrantenjagd

Stand: 13.04.2016 21:36 Uhr

Seitdem die Balkanroute geschlossen ist, hat die Zahl der Flüchtlinge, die durch Bulgarien ziehen wollen, stark zugenommen. Selbsternannte Migrantenjäger fesseln und "verhaften" einige von ihnen - und Premier Borissow lobte sie anfangs sogar dafür.

Von Karla Engelhard, ARD-Studio Wien

Drei junge Männer mit Rucksäcken liegen mit dem Gesicht nach unten am Boden. Mit Kabelbindern werden ihnen die Hände gefesselt. Dann werden sie angeschrien. Der selbsternannte Flüchtlingsjäger und seine Helfer stellten ein Video mit der Szene anschließend ins Netz, nicht zum ersten Mal.

Boiko Borissow | Bildquelle: AP
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Premier Borissow lobte die selbsternannten Migrantenjäger zunächst.

Vor allem in den Dörfern und Städten im Grenzgebiet zur Türkei haben sich Bürgerwehren gebildet, die Jagd auf Flüchtlingen machen. Vom bulgarischen Premier Boiko Borissow kam bisher Lob dafür: "Jede Hilfe für die Polizei, die Grenzpolizei und den Staat, ist willkommen. Man darf nur seine Befugnisse und das Gesetz nicht überschreiten. Der Staat gehört uns allen. Jeder, der hilft, verdient ein Dankeschön."

Doch nachdem das Video im Netz veröffentlicht wurde, hat sich die Stimmung geändert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und der Anführer ein der selbst ernannten Flüchtlingshelfer wurde festgenommen. Gegen Premier Borissow hat das Helsinki-Komitee Bulgariens geklagt, wegen Unterstützung der sogenannten "Flüchtlingsjäger".

Die bulgarische Grenzpolizei sei in der Lage die Grenze allein zu schützen, meint Krassimir Kanev vom Helsinki-Komitee: "Wir können keinen absoluten Schutz verlangen, den gibt es nirgends. In Bulgarien wird aber die Grenze sogar besser geschützt als in den anderen Ländern. Das liegt sowohl am Grenzzaun, der zur Türkei gebaut wurde, als auch an der Arbeit der Grenzpolizei, die manchmal ziemlich brutal gegen Flüchtlinge vorgeht."

Ein Schrotthändler auf Panzerpatrouille

Begonnen hat Bulgariens "Flüchtlingsjäger"-Kult vor Wochen mit Dinko Walew. Der 29-jährige Schrotthändler griff, unter großem Beifall der bulgarischen Medien, Flüchtling in den Wäldern nahe seiner Heimatstadt Jambol im Süden des Landes auf. Mit einem vierrädrigen Motorrad raste er durch die Wälder, mittlerweile hat er Helfer und zwei ausgediente Panzerwagen.

Dinko Walew | Bildquelle: dpa
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Dinko Walew und seine Helfer machen Jagd auf Migranten.

Sein Statement zu Flüchtlingen: "Diese Leute, die illegal nach Bulgarien und in die EU kommen, haben hier nichts zu suchen. Sie sind gefährlich für die Gesellschaft. Sie bringen Menschen um. Es ist eine Tatsache: Bomben in Belgien, in Frankreich, Ankara und anderswo. Ich kann nicht verstehen, warum die Regierungen sie aus Europa nicht wegschicken. Das sind böse Menschen, sie haben hier nichts zu suchen."

Bürgerwehren dürfen nicht selbst aktiv werden

Der Grenzzaun zwischen dem EU-Mitglied Bulgarien und der Türkei ist derzeit etwa 36 Kilometer lang, soll aber bis Juni diesen Jahres verlängert werden. Die bulgarische Grenzpolizei wird von einigen Hundert Soldaten unterstützt. Offiziell dürfen selbsternannte Bürgerwehren Flüchtlinge melden, nicht festnehmen, schlagen oder zurückschicken.

Für Bisser Russimov vom Verein für die Verteidigung der bulgarischen Bürger in Burgas, der von der Grenzpolizei bereits ausgezeichnet wurde, ist das kein Problem: "Wir patrouillieren nicht. Wir treiben Sport im Wald und helfen unter anderem den Behörden. Wenn wir Grenzverletzer sehen, melden wir sie. Zurzeit sind es viele, der Wald ist voll."

Seitdem die Balkanroute dicht ist, fliehen mehr Männer, Frauen und Kinder illegal über die türkisch-bulgarische Grenze. Nach inoffiziellen Angaben sollen bis zu 800 Menschen pro Nacht allein aus der Türkei illegal nach Bulgarien kommen.

Bulgarische Bürgerwehren machen Jagd auf Flüchtlinge
K. Engelhard, ARD Wien
13.04.2016 21:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. April 2016 um 17:33 Uhr

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