Der syrische Flüchtling Al Kontar in Vancouver | Bildquelle: AP

Flüchtling in Flughafen Sieben Monate im Transitbereich

Stand: 27.11.2018 21:31 Uhr

Er hatte fast sieben Monate im Transitbereich eines Flughafens in Malaysia gelebt - nun darf ein syrischer Flüchtling nach Kanada einreisen. Möglich machte das eine spendable Kanadierin.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

"Ja", räumt Hassan al-Kontar in seinem jüngsten Twitter-Video ein. Er sehe schon ein wenig verwildert aus, wie ein Steinzeit-Mensch. Zumindest hat er einen langen, zerzausten Bart. Das fällt in dieser Umgebung besonders auf: polierte Böden, Pflanzkübel, Werbeplakate mit makellosen Menschen. Denn Kontar meldet sich von einem Zwischenstopp im Flughafen von Taiwan: "Jetzt bin ich noch im Internationalen Flughafen von Taiwan, morgen aber erreiche ich mein endgültiges Ziel: Vancouver, Kanada."

Nun hat er es geschafft: Sein Flugzeug ist in Vancouver gelandet. Es ist das Ende einer langen Odyssee - eines Fluchtweges, der an den Spielberg-Film "Terminal" mit Tom Hanks erinnert. Er handelt von einen Mann, der im Transit-Bereich eines Flughafens gestrandet ist.

Syrien verweigerte Pass

Genauso ist es dem 37-jährigen Syrer ergangen. Jetzt aber zähle nur noch die Gegenwart und das Morgen, so sagt er. Aus seiner Heimat sei er zunächst für einige Jahre zum Arbeiten in die Vereinigten Arabischen Emirate gegangen. Dann aber habe ihm Syrien keinen neuen Pass mehr ausgestellt, nachdem er sich dem Militärdienst verweigert habe.

Schließlich sei er in Malaysia gelandet, mit einer Genehmigung für zunächst nur drei Monate. Als die ablief, begann sein Leben im Flughafen. Sieben Monate waren es am Ende. Kanadische Medien wie CTV News und CBC berichten immer wieder über den Mann, der seinen Fluchtweg über soziale Medien dokumentierte, wo ihm zum Beispiel bei Twitter über 18.000 Menschen folgen. 

Der syrische Flüchtling Al Kontar in Vancouver | Bildquelle: AP
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Al Kontar konnte dank einer Privatspende einreisen.

"Ich schlafe unter der Treppe"

Sein so überaus bewegungsloses Leben in der Transitzone hat Kontar vor einigen Monaten in einem Skype-Interview mit dem Sender CTV erklärt: "Ich dachte, ich würde mich daran gewöhnen. Aber ich kann nicht mehr. Ich bin so müde. Ich zähle die Tage, bis ich wieder frei sein werde und ein normaler Mensch sein kann - wie alle anderen auch. Die Fluggesellschaften hier geben mir Essen - aber es ist das gleiche Essen dreimal am Tag. Ich schlafe unter einer Treppe."

Laurie Cooper aus dem Skiort Whistler in den Rocky Moutains wurde auf die Geschichte aufmerksam. Und begann zusammen mit Freunden Geld zu sammeln. Umgerechnet knapp 10.000 Euro, die Summe, die es für einen privat unterstützten Flüchtling in Kanada braucht - dem beispiellosen Programm des so genannten "private sponsorship of refugees".

Jetzt hat Cooper den Syrer Al Kontar am Flughafen von Vancouver abgeholt und erst einmal in den Arm genommen. Hoffnung habe er immer mit ihr verbunden, sagt der Syrer, der jetzt eine Stelle in einem Hotel in Whistler in Aussicht hat. Dann geht es das erste Mal nach Monaten wieder in die frische Luft hinaus - in diesem Fall in den strömenden Regen von Vancouver.

Flüchtling erreicht nach sieben Monaten im Transitbereich Kanada
Kai Clement, ARD New York
27.11.2018 20:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2018 um 23:50 Uhr.

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