Die Angehörigen George Floyds gedenken dem Toten an seinem Sarg. | AFP

Beisetzung von Polizei-Opfer Houston trauert um Floyd

Stand: 09.06.2020 20:30 Uhr

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd nehmen nun Angehörige, Politiker und Prominente in Houston von ihm Abschied. Ex-Vizepräsident Biden rief in einer Botschaft dazu auf, den Rassismus zu überwinden.

Im texanischen Houston hat der Trauergottesdienst zur Beisetzung des bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Schwarzen George Floyd begonnen. Zu der Zeremonie in der Kirche "Fountain of Praise" waren 500 Gäste geladen - Angehörige, Freunde, Politiker und Prominente wie der Rapper Paul Wall und der Boxer Floyd Mayweather. Viele der Gäste erschienen in weißer Kleidung. 

"Wir feiern sein Leben", sagte Pastor Remus Wright zum Auftakt des Gottesdienstes. Co-Pastorin Mia Wright fügte hinzu: "Wir können weinen, wir können trauern, wir werden Trost finden und wir werden Hoffnung finden." Die Trauerrede sollte, wie bereits bei einer Zeremonie in Minneapolis vergangene Woche, der bekannte Pastor und Bürgerrechtler Al Sharpton halten.

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, rief in einer Videobotschaft beim Gedenkgottesdienst für ein Ende von Rassendiskriminierung in den USA auf. "Jetzt ist die Zeit für Gerechtigkeit für alle Rassen", sagte der Politiker in seiner Ansprache. Die Menschen dürften dem Problem des Rassismus nicht den Rücken zuwenden. "Wenn es Gerechtigkeit für George Floyd gibt, dann werden wir wahrhaft auf dem Weg hin zu Gerechtigkeit für alle Rassen in Amerika sein", sagte er.

Beisetzung in Pearland

Bereits am Montag hatten mehr als 6000 Menschen Abschied von Floyd genommen. Polizisten standen Spalier und salutierten, als Floyds Sarg in die Kirche gebracht wurde. Nach der Zeremonie soll sein Leichnam von der Polizei zu einem Friedhof in der Nachbarstadt Pearland eskortiert werden. Die letzte Meile der Prozession soll sein Sarg offiziellen Angaben zufolge in einer Pferdekutsche transportiert werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird Floyd anschließend neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt. Entlang der Strecke wird mit vielen Zuschauern gerechnet. Die Stadt Pearland warnte vor extremen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad.

Floyds gewaltsamer Tod vor zwei Wochen hatte landesweite Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst. Ein weißer Polizist hatte dem 46-Jährigen nach seiner Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota fast neun Minuten lang das Knie auf den Nacken gedrückt, obwohl Floyd wiederholt beklagte, er bekomme keine Luft mehr. Floyds Satz "Ich kann nicht atmen" (I can't breathe) ging um die Welt.

Polizisten könnte 40 Jahre Haft drohen

Der Polizist Derek Chauvin wurde nach der Tat entlassen, festgenommen und des "Mordes zweiten Grades" beschuldigt. Das kann in den USA mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Drei weiteren Polizisten, die an Floyds Festnahme beteiligt waren, wird Beihilfe zur Last gelegt.

Der Fall Floyd hat Forderungen nach tiefgreifenden Reformen bei der US-Polizei neuen Auftrieb gegeben. Kritiker beklagen, dass Polizisten meist straffrei ausgehen, wenn sie bei Einsätzen unverhältnismäßige Gewalt einsetzen. In den USA werden häufig Schwarze Opfer von Polizeigewalt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juni 2020 um 20:00 Uhr.