Neuauszählung in Broward County | Bildquelle: AP

Wahlchaos in Florida Auszählungsstress und Rechtsstreit

Stand: 12.11.2018 08:39 Uhr

Bei dieser Wahl geht es selbst für Florida-Verhältnisse dramatisch zu: Die Behörden zweifeln an den Erfolgsaussichten der Neuauszählung - und die Politik zieht vor die Gerichte.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Wir werden es nicht schaffen", sagt Susan Bucher dem Nachrichtensender CNN. Sie hat die Aufsicht über die Neuauszählung der Wahlzettel im County Palm Beach. Auch im benachbarten Broward County sieht es so aus, als werde man nicht fertig.

Das Gesetz gibt den Countys bis Donnerstag, um alle abgegebenen Stimmen bei der Kongresswahl vergangene Woche nachzuzählen. Was dann nicht durch die Zählmaschinen gelaufen ist, fällt unter den Tisch.

Sowohl beim Rennen um den Senatssitz als auch um das Gouverneursamt lagen die republikanischen Kandidat knapp vorn. So knapp, dass eben neu ausgezählt werden muss. Rick Scott, der republikanische Senatskandidat hat deshalb schon Klage eingereicht und wirft seinem Widersacher und Amtsinhaber Bill Nelson vor, die Wahl "stehlen" zu wollen. Er habe schon gewonnen. Jetzt müsse er eben ein zweites Mal vor Gericht siegen.

Wahlstimmen aus dem Nichts?

Unterstützung bekommt Scott von Präsident Donald Trump. Der nennt den ganzen Vorgang betrügerisch. Man müsse sich nur die handelnden Personen anschauen, dann wisse man, dass dies unehrenhafte Leute seien: "Plötzlich finden sie Stimmen aus dem Nichts. Rick Scott hat knapp, aber mit komfortablen Vorsprung gewonnen. Und alle paar Stunden ging das runter."

Wo bitte, so der Präsident, sollten denn zusätzliche Stimmen herkommen? Schon am Wahlabend sei aufgefallen, dass am Schluss immer mehr demokratische Stimmen den Vorsprung Scotts verringerten.

Für Trump ist der Ausgang in Florida wichtig. Zwar ist den Republikanern die Mehrheit im Senat nicht mehr zu nehmen, aber im Laufe der Zeit schrumpfte der zu erwartende Vorsprung beträchtlich.

Keine Anzeichen für Betrug

Allerdings gibt es keinerlei Anzeichen für Wahlfälschung. Am Wahlabend selbst kamen die Stimmen aus den großen Städten zuletzt herein. Dort aber lagen die Demokraten weit vorn. Demokrat Nelson hält das neue Auszählen für wichtig: "Hierbei geht es nur darum sicherzustellen, dass jede gültige Stimme auch gezählt wird. Dass jeder Wähler in Florida auch an unserer Demokratie teilhaben kann."

Schon bei der 2000er-Wahl im Fokus

Palm Beach County und Broward County waren bereits im Jahr 2000 im Mittelpunkt des Skandals um die Präsidentschaft. Schlecht gestaltete Wahlzettel, die Leute falsch abstimmen ließen, zahlreiche Ungereimtheiten, nicht funktionierende Wahlmaschinen waren nur einige der Probleme. Damals wurde am Schluss George W. Bush zum Sieger erklärt.

Jetzt haben die selben Wahlkreise Probleme: alte und zu wenige Zählmaschinen, ein komplizierter Prozess, die richtigen Wahlzettel herauszulösen. Die Amerikaner haben vergangene Woche über viele Dinge abgestimmt.

Sollten die beiden Countys mit dem Zählen nicht fertig werden, dürfte das Amtsinhaber Nelson schaden, denn beide Kreise wählen vor allem demokratisch.

Florida zählt neu - und schon gibt es Probleme
Arthur Landwehr, ARD Washington
12.11.2018 13:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. November 2018 um 05:24 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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