Ein Lebensmitteltechniker des israelischen Start-ups Redefine Meat kontrolliert ein pflanzliches Steak, das echtes Rindfleisch imitiert und mittels 3D-Drucker hergestellt wurde. | Bildquelle: REUTERS

Produktion in Israel Wo das "Steak" aus dem Drucker kommt

Stand: 09.07.2020 10:24 Uhr

Für das Steak aus Rehovot stirbt keine Kuh. Das Unternehmen "Redefine Meat" in Israel produziert alternative Fleischprodukte mit 3D-Druckern. Doch ob's auch schmeckt?

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Dieses Steak entsteht nicht in einem Kuhstall und auch nicht in einem Schlachthof - sondern in einem Labor in der israelischen Stadt Rehovot bei Tel Aviv. Ein 3D-Drucker spritzt aus drei Düsen eine rot-weiße Masse zusammen.

Fett, Blut und Muskeln werden hier angeblich zusammengesetzt. Aber diese drei Komponenten sind allesamt pflanzlich. Für das Steak aus Rehovot muss keine Kuh sterben, erklärt Eshchar Ben Shitrit, Vorsitzende von "Redefine Meat".

"Wir arbeiten an richtig gutem leckeren Fleisch, das nicht von Tieren stammt. Statt Kühen nutzen wir Technologien. In unserem Fall einen 3D-Drucker."

Der 3D-Drucker des israelischen Start-ups Redefine Meat produziert in seinem Werk in Rehovot, Israel, ein pflanzliches Steak, das echtes Rindfleisch imitiert.
galerie

Die rot-weiße Masse wird zum alternativen Steak aus dem 3D-Drucker beim israelischen Start-up "Redefine Meat" Rehovot, Israel.

Großes wirtschaftliches Potenzial

Neben den Israelis versuchen sich auch Unternehmen in Europa am großen Wurf: Fake-Fleisch, das möglichst nah an das Original reicht. Das wirtschaftliche Potenzial ist riesig. Aber die Branche befindet sich noch im Anfangsstadium.

Der 3D-Drucker der Israelis kann aktuell drei bis sechs Kilogramm pflanzliches Steak pro Stunde produzieren. Ein Pensum, das noch ausbaufähig ist. Jede Maschine soll künftig genau so viel Fleisch produzieren wie eine Kuh, bis zu 250 Kilogramm an einem Tag, erklärt Shitrit.

"Wir sehen keinen Grund, warum unser Produkt nicht von jeder und jedem auf der ganzen Welt gegessen werden kann. Hier geht es um den Klimawandel, das größte Problem der Menschheit. So können wir ihn bekämpfen und der gesamten Bevölkerung gesünderes Essen anbieten."

Die CO2-Bilanz eines Steaks ist im Vergleich zu vielen anderen Nahrungsmitteln sehr schlecht. Die Bilanz eines pflanzlichen Steaks ist hingegen deutlich besser.

Fleischproduktion durch Zellentnahme

In Israel gibt es auch andere Ansätze: Das Unternehmen "Aleph Pharms" will echte Steaks herstellen und trotzdem keiner Kuh schaden. Die Firma will dafür Tieren Zellen entnehmen und daraus im Labor Fleisch züchten.

Der Ansatz von "Redefine Meat" aus Rehovot klingt da vergleichsweise simpel: Pflanzliche Eiweiße, Fett und Wasser sollen so perfekt gemischt werden, dass ein gutes Steak entsteht. In der Firma ist Alexey Tomsov für die richtige Formel zuständig.

"Wir analysieren verschiedene Komponenten, die gute Steaks ausmachen. Dann überlegen wir, wie wir das nachstellen können. Dabei geht es um drei Faktoren: Muskeln, Blut und Fett. Die müssen wir nachstellen, um an ein perfektes, schönes Steak heranzureichen."

Schmeckt es?

Die wichtigste Frage ist jedoch: Wie schmeckt es? "Redefine Meat" wollte die ARD in Tel Aviv leider nicht probieren lassen, verwies auf Terminprobleme. In einem Werbefilm zeigte sich ein bekannter israelischer Koch aber beeindruckt. Dass das Fake-Fleisch genau wie echtes Fleisch schmeckt, sagte er nicht.

Shitrit, der Chef von "Redefine Meat", räumt ein, dass man noch besser werden müsse. Kühe gebe es in ihrer modernen Form seit über 10.000 Jahren. Seine Branche stehe erst am Anfang.  

Lieferung zunächst an Spitzenrestaurants

Die Steaks aus dem 3D-Drucker will das Unternehmen zunächst an die Spitzengastronomie verkaufen. Schon im kommenden Jahr, so der Plan, sollen die Drucker an Fleischvertriebe verkauft werden.

Die alternativen Steaks sollen irgendwann günstiger sein als echtes Fleisch. Ob sie auch genauso gut schmecken, wird sich zeigen.

"Fleisch" aus dem 3D-Drucker
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
09.07.2020 09:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Juli 2020 um 08:11 Uhr.

Darstellung: