Die von der belarusischen Opposition benutzte Flagge ist in Riga zu sehen

Belarus und Lettland Fahnenstreit mit diplomatischen Folgen

Stand: 24.05.2021 20:15 Uhr

Belarus hat alle Botschaftsmitarbeiter des Nachbarlandes Lettland ausgewiesen. Zuvor waren in Lettlands Hauptstadt Riga zur Eishockey-WM die offiziellen Flaggen von Belarus gegen die der belarusischen Opposition ausgetauscht worden.

Aus Protest gegen das Hissen der Fahne der belarusischen Opposition bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga hat Belarus den lettischen Botschafter und alle anderen Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen. Der belarusische Außenminister Wladimir Makei sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Belta, der lettische Botschafter müsse Belarus binnen 24 Stunden verlassen. Alle anderen Diplomaten und Mitarbeiter der Botschaft müssten innerhalb von 48 Stunden ausreisen. 

Lettland reagierte umgehend mit der Ausweisung belarusischer Botschaftsmitarbeiter. Das lettische Außenministerium teilte mit, der Geschäftsträger von Belarus sei einbestellt worden, um ihn "über die identischen Aktionen und die Ausweisung belarusischer Diplomaten bis zur Normalisierung der Beziehungen zu informieren". 

"Schmähung der Nationalflagge"

Die belarusische Nationalflagge war am Montag auf einem Platz in Riga, wo alle Fahnen der Teilnehmerländer der WM wehten, durch die rot-weiße Fahne der Opposition in Belarus ersetzt worden. "Derartige provokante Aktionen" dürften "nicht ohne Antwort" bleiben, erklärte der belarusische Außenminister Makei. Er sprach von einer "Schmähung der Nationalflagge der Republik Belarus".

An dem Austausch der belarusischen Fahne hatten der Bürgermeister von Riga, Martins Stakis, und der lettische Außenminister Edgars Rinkevics teilgenommen. Stakis hatte im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärt: "Mit den Fahnen der Hockey-WM hissen wir die Fahne des freien Belarus!" Die Fahne sei ihm von politischen Flüchtlingen aus Belarus anvertraut worden. "Eine Fahne, die ein Staatsterrorismus betreibendes Regime symbolisiert, hat keinen Platz in Riga", erklärte der Bürgermeister.

Belarus steht derzeit enorm unter internationalem Druck, weil es am Sonntag ein Ryanair-Flugzeug zur Landung in Minsk gezwungen und einen belarusischen Oppositionellen an Bord festgenommen hat. Das Flugzeug war zwischen den EU-Staaten Griechenland und Litauen unterwegs Das Land muss deshalb mit Sanktionen der EU rechnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2021 um 21:00 Uhr.