Verhandlungen zur Abschaffung FKW-Gasen in Kigali | Bildquelle: AP

Klimaabkommen von Kigali Weniger FKW für weniger Erderwärmung

Stand: 15.10.2016 09:46 Uhr

Nach Paris kommt nun Kigali. In der ruandischen Hauptstadt haben sich mehr als 150 Staaten darauf geeinigt, den Gebrauch klimaschädlicher Fluorkohlenwasserstoffe einzuschränken. FKW, der Ersatz für FCKW, kommt in Millionen Kühlschränken und Klimaanlagen weltweit zum Einsatz.

In Ruanda haben sich Vertreter von rund 150 Staaten auf eine schrittweise Abschaffung sogenannter FKW-Gase geeinigt. Die chemische Verbindung wird etwa in Kühlschränken oder Klimaanlagen eingesetzt. Der ruandische Rohstoffminister Vincent Biruta gab den Verhandlungserfolg am Morgen unter Applaus bekannt.

Mit der Verabredung von Kigali soll das Protokoll von Montreal ergänzt werden. Darin war 1987 ein Verzicht auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zum Schutz der Ozonschicht vereinbart worden. Stattdessen kommt inzwischen der Ersatzstoff FKW zum Einsatz, der zwar nicht die Ozonschicht schädigt, aber in erheblichem Maße zur Erderwärmung beiträgt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wertete das ergebnis als "Meilenstein für den weltweiten Klimaschutz". "Es ist ein gewaltiger Schritt nach vorn", sagte US-Außenminister John Kerry der BBC. "Damit erhalten wir die Möglichkeit, die Erderwärmung um ein halbes Grad Celsius zu verringern." Auch die Europäische Union sprach von einem wichtigen Erfolg. "Das ist ein großer Sieg für das Klima. Wir haben den ersten konkreten Schritt getan, um die Ankündigungen von Paris vom vergangenen Dezember zu erfüllen", sagte Klimakommissar Miguel Arias Cañete.

Klimaanlagenverkäufer in Indien | Bildquelle: AFP
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Klimaanlagenverkäufer in Indien

Mehrstufige Einigung

Die Staaten einigten sich nach stundenlangen Verhandlungen auf eine mehrstufige Reduzierung: Ab 2019 sollen entwickelte Länder wie die USA den FKW-Einsatz um zehn Prozent verringern. Im Laufe der Jahre wollen sie den Gebrauch sogar um 85 Prozent reduzieren. Dies soll bis spätestens 2036 geschehen.

Der Großteil der unterzeichnenden Staaten - unter anderem China - beginnt 2024 mit dem verringerten Einsatz. Entwicklungsländern wird mehr Zeit eingeräumt. Schwellen- und Entwicklungsländer wie Indien hatten auf einen späteren Beginn gedrungen und auf die hohen Kosten verwiesen, die für die Umstellung auf andere Substanzen anfallen.

Das nun erzielte Abkommen gilt als ein Meilenstein bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Das Montreal-Protokoll

Das Montreal-Protokoll gilt als Meilenstein des Umweltschutzes. Am 16. September 1987 unterzeichneten 24 Nationen - darunter auch Deutschland - im kanadischen Montreal ein Abkommen zur Rettung der Ozonschicht. Sie verpflichteten sich, die Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen ozonzerstörenden Substanzen zuerst einzudämmen und schließlich vollständig zu stoppen.

Bis dahin wurden FCKW jahrzehntelang massenhaft als Treibgase in Sprays, als Kühlmittel oder bei der Schaumstoffproduktion eingesetzt. 197 Staaten haben das Protokoll im Laufe der Jahre ratifiziert. Nach und nach erholte sich die Ozonschicht.

Die Entdeckung des menschgemachten "Ozonlochs" in der Stratosphäre (15 bis 50 Kilometer Höhe) hatte in den 1980er-Jahren international Besorgnis ausgelöst. Es öffnet sich jedes Jahr im Frühling auf der Südhalbkugel. Im Oktober erreicht das Loch jeweils seine größte Ausdehnung.

Durch eine dünnere Ozonschicht dringt mehr ungefiltertes UV-Licht auf die Erde, was zu Augen- und Hautschäden bis hin zu Hautkrebs führen kann. Prognosen zufolge könnte sich die Schicht Mitte des 21. Jahrhunderts vollständig erholt haben.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Oktober 2016 um 20:00 Uhr.

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