Unzählige tote Fische treiben im flachen Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. | dpa

Fischsterben in der Oder Polen schließt Schwermetalle als Ursache aus

Stand: 14.08.2022 12:42 Uhr

Einsatzkräfte dies- und jenseits der deutsch-polnischen Grenze sammeln tote Fischkadaver ein. Währenddessen geht die Suche nach der Ursache für das Fischsterben in der Oder weiter. Polen schließt jetzt Schwermetalle aus.

Das Fischsterben in der Oder ist nach Angaben der polnischen Regierung nicht auf Schwermetalle zurückzuführen. Dies hätten weitere Analysen toter Fische durch das staatliche Veterinärinstitut ergeben, schrieb Umweltministerin Anna Moskwa auf Twitter. Zuvor hatte die Regierung in Warschau bereits erhöhte Quecksilberwerte als Ursache ausgeschlossen.

Die Analysen wiesen aber auf erhöhte Salzwerte im Wasser hin und stimmten folglich mit den Erkenntnissen der deutschen Behörden überein, sagte Moskwa der Nachrichtenagentur PAP. "Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere giftige Stoffe im Wasser oder im Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird dazu beitragen, eventuelle Schadstoffe festzustellen, die zum Tod der Tiere beigetragen haben."

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) hatte zuvor erklärt, dass die Oder "sehr stark erhöhte Salzfrachten" aufweise. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze.

Polens Regierung vermutet, dass der Fluss mit Chemie-Abfällen vergiftet wurde. Die polnische Polizei hat eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro für die Aufklärung ausgesetzt.

Lemke: Anfangs Probleme bei Zusammenarbeit mit Polen

Bei einem Besuch in Frankfurt (Oder) nahe der Grenze räumte Bundesumweltministerin Steffi Lemke anfängliche Probleme bei der Zusammenarbeit mit Polen ein. Sie habe nun eine bessere Koordinierung vereinbart, sagte sie. Die Grünen-Politikerin sprach dort mit Einsatzkräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.

Sie kritisierte, dass aus Polen Informationen gefehlt hätten. "Die Frage der deutsch-polnischen Zusammenarbeit hat an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht funktioniert", sagte die Ministerin. "Sonst hätten wir früher Informationen erhalten, zumindest das Land Brandenburg oder auch die Anrainerkommunen."

Bundesumweltministerin Lemke besucht Helfer an der Oder | REUTERS

Bundesumweltministerin Lemke spricht mit Helfern in Frankfurt (Oder). Bild: REUTERS

Gemeinsame Expertenkommission angekündigt

Brandenburg hatte ebenfalls offen kritisiert, es sei von polnischen Behörden nicht informiert worden. Lemke sagte, mit ihrer polnischen Amtskollegin Moskwa habe sie bereits am Freitag in einem ersten Gespräch dazu vereinbart, dass es eine gemeinsame Expertenbewertung der Situation und einen Austausch der Analyseergebnisse geben solle.

Sie kündigte weitere Gespräche mit Moskwa an. "Und wir werden auf dem deutsch-polnischen Umweltrat übernächste Woche die Thematik mit Sicherheit vertiefen." Das immer noch bestehende Unwissen über das Ausmaß der Katastrophe, die Länge sowie die Folgen für die Nahrungskette und die Natur, "das treibt mich massiv um", sagte Lemke.

"Aber Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung werden über die Messungen und dann über entsprechende Warnungen von der deutschen Seite vorgenommen."

Folgen für Ostsee nicht ausgeschlossen

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit Auswirkungen des Fischsterbens auf das Stettiner Haff. Bislang wurden nach Angaben des Ministeriums dort aber noch keine toten Fische entdeckt. Weder Wasserschutzpolizei noch Anwohner hätten dies gemeldet. 

Das Ministerium rief die Anlieger vorsorglich dazu auf, auf das Fischen und die Wasserentnahme - unabhängig von der Nutzung - aus dem Gewässer zu verzichten. Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten demnach aktuell Gewässer- und Fischproben vor. Das Stettiner Haff ist ein inneres Küstengewässer im Mündungsbereich von Oder und der Peene. Es ist das zweitgrößte Haff der Ostsee. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. August 2022 um 11:00 Uhr.