Todd Phillips und Joaquin Phoenix bei der Preisverleihung in Venedig | Bildquelle: AFP

Filmfestival von Venedig "Joker" gewinnt den Goldenen Löwen

Stand: 07.09.2019 22:11 Uhr

Bei den Filmfestspielen in Venedig sind die Preise vergeben worden. Als bester Film wurde "Joker" ausgezeichnet. Als beste Darsteller wurden Luca Marinelli und Ariane Ascaride geehrt.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Er war einer der Publikumsfavoriten in Venedig und auch bei den Kritikern hoch im Kurs: "Joker" von Todd Phillips bekommt den Goldenen Löwen beim 76. Filmfestival von Venedig.

Im Mittelpunkt dieses Psychothrillers steht ein Clown, Arthur Fleck, ein labiler, ziemlich gestörter Typ, der in Therapiesitzungen Einblicke in sein dunkles Innenleben gewährt. Im Lauf des Films mutiert der Mann in der klassischen weißen Maskerade des Zirkusclowns zum Gruselclown, zu Batmans späterem Widersacher, zum Joker. Dargestellt wird er von Joaquin Phoenix, der in Venedig groß gefeiert wurde.

"Was ich an diesem Charakter so attraktiv fand: Er lässt sich kaum definieren. Ich wollte das auch gar nicht. Ich wollte dieses Geheimnis behalten", sagte Phoenix. "Auch beim Drehen haben wir jeden Tag neue Schattierungen dieser Persönlichkeit entdeckt, wirklich bis zum letzten Tag."

Luca Marinelli hält eine Dankesrede nach seiner Auseichnung bei den Filmfestspielen in Venedig | Bildquelle: REUTERS
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Luca Marinelli wurde für seine Rolle in "Martin Eden" geehrt.

Marinelli als bester Schauspieler geehrt

Der Preis für den besten männlichen Schauspieler geht allerdings an einen anderen. Luca Marinelli, Italiener, 34 Jahre alt, Hauptdarsteller in "Martin Eden". Das ist die Verfilmung eines Romans von Jack London. Marinelli spielt in dem Film einen Matrosen, der sich in eine Tochter aus gutem Hause verliebt und zum Schriftsteller und Klassenkämpfer wird. "Dieses Gefühl ist so toll, so emotional", sagte Marinelli. "Der politische und soziale Blick von Jack London. Was er sagt über die Gesellschaft. Das Buch hat mich sofort berührt.

Regisseur Pietro Marcello verlegte die Handlung in ein Italien, das nicht so recht zu datieren ist, vielleicht in die 1960er- und 1970er-Jahre. "Martin Eden" ist eine Koproduktion des Bayerischen Rundfunks und ARTE.

Mit der Dokumentation "Die Mafia ist auch nicht mehr, was sie mal war" wird ein zweiter italienischer Film ausgezeichnet, mit dem Spezialpreis der Jury. Als beste weibliche Darstellerin wird die Französin Ariane Ascaride ausgezeichnet, Hauptdarstellerin in dem Sozialdrama "Gloria Mundi". Ascaride hat italienische Wurzeln. Ihre Großeltern seien einst mit dem Schiff nach Marseille gekommen, erzählt sie bei der Preisverleihung, um dann die "Coppa Volpi" den Migranten von heute zu widmen: "Dieser Preis ist für all diejenigen, die bis in Ewigkeit am Grund des Mittelmeers ruhen."

Polanskis "J’accuse" ausgezeichnet

Die spannende Frage war, wie die Jury mit dem Film von Roman Polanski umgehen würde, der in Venedig Premiere feierte. Der wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen in den 1970er-Jahren angeklagte Regisseur war nicht in Venedig - und doch omnipräsent. Bei der Pressekonferenz vor der Premiere verbat sich Produzent Luca Barbareschi Fragen zum umstrittenen Regisseur. "Das ist kein Moral-Tribunal, sondern ein wunderbares Filmfestival, bei es um die freie, die gesunde, die wunderbare Kunst geht", sagte er. "Ich bin Roman sehr dankbar für diesen Film. Und ich danke Gott, mit Roman Polanski arbeiten zu dürfen."

Das Publikum feierte Polanskis Verfilmung der Affäre Dreyfus, eines Justizskandals, durch den im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts der jüdische Offizier Dreyfus zu Unrecht verurteilt wurde.

Polanskis Film erhielt beste Kritiken. Ob man das Werk von seinem Autor trennen kann, diese Frage spaltete Publikum und Jury am Lido. Am Ende bekam Polanskis "J’accuse" den Großen Preis der Jury, das ist die zweitwichtigste Auszeichnung in Venedig.

Filmfest Venendig: Goldener Löwe für Joker, Großer Preis für Polanski
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
07.09.2019 20:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 07. September 2019 um 21:08 Uhr.

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