Krawalle in Tunis 10 Jahre nach Sturz von Ben Ali | AFP

Proteste in Tunesien Polizei nimmt Hunderte Menschen fest

Stand: 18.01.2021 14:10 Uhr

Seit Tagen gehen in Tunesien vor allem junge Menschen auf die Straße. Sie sind wütend über die schlechte Wirtschaftslage - und verstoßen gegen die corona-bedingte Ausgangssperre. Es kommt immer wieder zu Gewalt.

In Tunesien gibt es seit Tagen gewaltsame Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Seit Freitag gehen nachts vor allem junge Menschen auf die Straßen, um ihren Unmut über die schlechte Wirtschaftslage und fehlende Perspektiven Luft zu machen.

Damit widersetzten sie sich der nächtlichen Ausgangssperre, die das Coronavirus eindämmen soll. Randalierer zündeten nach Angaben den Innenministeriums teilweise Reifen und Mülltonnen an, um den Sicherheitskräften den Weg zu versperren. Mehrere tunesische Medien berichten übereinstimmend, dass Steine und Molotowcocktails auf Polizisten geworfen wurden. In einigen Orten wurden auch Supermärkte geplündert. In der Hauptstadt Tunis setzten Sicherheitskräfte laut Augenzeugen Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Regierung entsendet Militär

Wegen der Zusammenstöße mit Sicherheitskräften wurde jetzt die Armee in vier Städte des Landes gerufen: Sie soll in Sousse, Bizerte, Kasserine und Siliana die Polizei unterstützen und Regierungsgebäude schützen. Außerdem hat die Polizei 632 Protestierende festgenommen, die meisten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.

Die Proteste fallen auf den zehnten Jahrestag der Flucht des Langzeitherrschers Zine El Abidine Ben Ali am 14. Januar 2011, der mehr als 20 Jahre lang an der Macht war. Tunesien ist seitdem als einzigem Land, das von Aufständen in der arabischen Welt erfasst wurde, der schrittweise Übergang zur Demokratie gelungen.

Corona verschärft die Wirtschaftskrise

Dennoch: Korruption, politische Instabilität und die schlechte Wirtschaftslage plagen das Land weiterhin. Die Corona-Krise sorgt für weitere Preissteigerungen, die sowieso schon hohe Arbeitslosigkeit verfestigt sich. Ein Drittel der jungen Leute ist inzwischen ohne Arbeit. Das Misstrauen gegen die herrschende Elite und die etablierten politischen Parteien ist groß.

Die Ausgangssperre wurde ab Montag zwar wieder verkürzt, andere Einschränkungen gelten aber weiter. So dürfen Restaurants und Cafés nur außer Haus verkaufen, Reisen zwischen einzelnen Landesteilen sind nur mit Ausnahmegenehmigungen erlaubt und jegliche Form von Versammlungen sind untersagt. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr werden diese Maßnahmen aber nicht von Wirtschaftshilfen für Bedürftige begleitet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2021 um 14:00 Uhr.