Strand auf Sansibar | Bildquelle: picture alliance / Yannick Tylle

Sansibar Zehn Festnahmen bei "schwuler Hochzeit"

Stand: 07.11.2018 12:31 Uhr

Tansanias Regierung hatte jüngst versichert, Homosexuelle nicht verfolgen zu wollen. Trotzdem nahm die Polizei nach Angaben von Amnesty International zehn angeblich schwule Männer auf Sansibar fest.

Auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar hat die Polizei nach Angaben von Amnesty International zehn mutmaßlich homosexuelle Männer festgenommen. Die Polizei habe zuvor einen "Tipp" aus der Bevölkerung bekommen.

Den Männern wird demnach vorgeworfen, in der Nacht zu Sonntag eine "gleichgeschlechtliche Hochzeit" gefeiert zu haben. Auf einer Party im Strandort Pongwe hätten sie bei Eintreffen der Polizei jeweils zu zweit zusammengesessen. Sechs Teilnehmer hätten vor der Festnahme fliehen können.

Erniedrigende Untersuchungen befürchtet

Die "schockierenden" Festnahmen zeigten, dass Tansania Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolge, erklärte der stellvertretende Regionaldirektor der Organisation, Seif Magango. "Dieser entsetzliche Angriff auf Tansanier, die einfach ihre Menschenrechte ausüben, zeigt die Gefahr aufheizender und diskriminierender Rhetorik auf hohen Ebenen der Regierung."

Amnesty befürchtet, dass die festgenommenen Männer einer erniedrigenden Anal-Untersuchung unterzogen werden, die angeblich zur Überprüfung von Homosexualität dienen soll. Sie würden jetzt in einer Polizeiwache im Ort Ugunja festgehalten, ohne dass bisher Anklage gegen sie erhoben worden seien.

Magango forderte die sofortige Freilassung der Männer. Die Festnahmen widersprächen der Garantie der Regierung, dass in Tansania niemand wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt werde, sagte er. Dies hatte ein Regierungssprecher am Montag versichert und damit auf Kritik der Europäischen Union reagiert.

Tansanias Präsident John Magufuli bei einem Besuch in Kenia im Oktober 2016 | Bildquelle: REUTERS
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Tansanias Präsident John Magufuli wird ein sehr autoritärer Regierungsstil vorgeworfen.

Paul Makonda, Gouverneur von Daressalam | Bildquelle: AFP
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Paul Makonda, Gouverneur von Daressalam, rief Ende Oktober dazu auf, Homosexuelle zu melden.

Polizei von Daressalam gründet Task Force

Ende Oktober hatte der Gouverneur der Wirtschaftsmetropole Daressalam, Paul Makonda, erklärt, er habe eine Liste von 200 angeblich homosexuellen Menschen erstellen lassen. Sollte sich deren Neigung beweisen lassen, würden sie angeklagt werden, kündigte er an. Die Polizei habe dazu eine Spezialeinheit gegründet. In den Medien rief er die Bevölkerung auf, mutmaßliche Homosexuelle zu denunzieren.

Nach internationaler Kritik distanzierte sich die Regierung von dem Vorhaben. Die Europäische Union bedauerte die "Verschlechterung der Menschenrechtssituation". Sie rief ihren Botschafter zu Konsultationen nach Brüssel zurück und kündigte eine Neubewertung der Beziehungen zu dem ostafrikanischen Staat an.

Bis zu 30 Jahre Haft

Die Insel Sansibar ist auch bei europäischen Urlaubern ein beliebtes Reiseziel. Homosexualität ist in Tansania - wie in vielen afrikanischen Ländern - offiziell verboten. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 30 Jahre Haft, es kommt jedoch selten zu einer Strafverfolgung.

Die Regierung von Präsident John Magufuli nahm zuletzt jedoch eine immer intolerantere Position zur Homosexualität ein. Laut Human Rights Watch geht sie bereits seit 2016 hart gegen Homosexualität vor. Immer wieder kam es seitdem vor allem in Daressalam und auf Sansibar zu Festnahmen von angeblichen Homosexuellen. Auch in anderen afrikanischen Ländern, viele davon christlich geprägt, gehen Regierungen ähnlich gegen Homosexualität vor.

Zehn Homosexuelle offenbar auf Urlaubsinsel Sansibar festgenommen
Antje Diekhans, ARD Nairobi
07.11.2018 12:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 08. November 2018 um 02:39 Uhr.

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