Ein Trump-Anhänger, der am Angriff auf das Kapitol teilnahm. | AP

Sturm auf US-Parlament Weitere Kapitol-Angreifer festgenommen

Stand: 09.01.2021 21:59 Uhr

Nach der Attacke auf das US-Kapitol haben die Sicherheitsbehörden mehrere bekannte Angreifer festgenommen. Unter ihnen ist auch ein Mann, der mit bizarrem Kopfschmuck das Parlament stürmte. Er sagte, er sei einem Aufruf Trumps gefolgt.

Nach dem Angriff auf das US-Kapitol geht die US-Justiz zunehmend gegen die Eindringlinge vor. Da viele der Trump-Anhänger ihr Vorgehen filmten und in sozialen Medien zeigten, konnte sie mittlerweile einige bekannte Gesichter identifizieren und festnehmen. Darunter ist auch ein Mann, der mit nacktem Oberkörper, einem Speer mit US-Flagge in der Hand und bizarrem Kopfschmuck durch das Parlament lief. Am Samstag wurde Jacob Chansley aus Arizona festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft in Washington mitteilte.

Aus den von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass Chansley selber bei der Bundespolizei FBI in Washington anrief und bestätigte, dass er der Mann mit dem Hörner-Kopfschmuck gewesen sein. Die Verhaftung könnte auch brisant für Präsident Donald Trump werden. Chansley habe erklärt, dass er mit einer Gruppe aus Arizona angereist gewesen sei, weil Trump alle "Patrioten" nach Washington gerufen hatte.

Hausfriedensbruch, Vandalismus und Diebstahl

Auch weitere Angreifer, die auf Fotos zu sehen waren, sind in Haft. So wurde bereits am Freitag Adam Johnson aus Florida von der Polizei aufgegriffen worden - er soll das Rednerpult der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Kapitol gestohlen haben.

Auch ein Mitglied des Abgeordnetenhauses des Bundesstaats West Virginia, Derrick Evans, sei festgenommen worden. Er habe ein Video von seinem Eindringen ins Kapitol live auf seiner Facebook-Seite gezeigt. Das Abgeordnetenhaus von West Virginia veröffentlichte eine Mitteilung des 35-Jährigen, in der dieser seinen Rücktritt erklärte: "Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Handlungen."

Ebenfalls in Zusammenhang mit Pelosis Büro steht ein Trump-Anhänger aus Arkansas, der sich auf den Bürostuhl der Top-Demokratin setzte und demonstrativ die Füße auf ihren Schreibtisch legt. Richard Barnett war den Behörden offenbar schon bekannt. Nun wurde der glühende Schusswaffen-Befürworter in seinem Heimatstaat angeklagt, nachdem er sich selbst dem FBI gestellt hatte. Ihm werden Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude, Hausfriedensbruch, Vandalismus und Diebstahl vorgeworfen, erklärte ein leitender Vertreter des Justizministeriums.

Waffen bei Angreifern gefunden

Mehrere Dutzend Demonstranten wurden bislang von FBI und Polizei identifiziert und festgenommen. Im Truck eines Angreifers fand die Polizei 18 Molotow-Cocktails und mehrere Waffen - ein Indiz dafür, was noch alles hätte passieren können. Den Aufrührern drohen zum Teil harte Strafen. Nach dem Tod eines Polizisten wird unter anderem wegen Mordes ermittelt.

Der stellvertretende Chef des FBI-Büros in Washington, Steven D'Antuono, erklärte, die Ermittlungen würden mit Hunderten Mitarbeitern "rund um die Uhr" fortgesetzt. "Die Ausschreitungen und die Zerstörung, die wir am Mittwoch gesehen haben, werden vom FBI nicht toleriert", sagte er. Ermittler prüften Hinweise, Fotos und Material aus sozialen Medien, um weitere Verdächtige zu identifizieren. Das FBI hat bereits erste Fahndungsplakate veröffentlicht.

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Januar 2021 um 23:25 Uhr.