Das Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze | Bildquelle: dpa

Pannen-AKW Fessenheim-Aus verzögert sich

Stand: 06.04.2017 21:19 Uhr

Schon lange fordert Deutschland die Abschaltung des französischen Pannen-AKW Fessenheim. Eigentlich sollte der Betreiber die Stilllegung beantragen, doch der Verwaltungsrat schob die Entscheidung auf. Nun hat Frankreichs Präsident ein Problem.

Die Schließung des französischen Atomkraftwerks Fessenheim bleibt eine "Hängepartie". Die Betreiberfirma gab zwar grundsätzlich grünes Licht - doch endgültig soll das Aus erst später besiegelt werden. Der Verwaltungsrat des Betreibers EDF beschloss, vorerst keinen Antrag auf eine Stilllegung von Frankreichs ältestem Atomkraftwerk zu stellen. Dies dürfte nach Angaben aus übereinstimmenden Quellen frühestens im kommenden Jahr geschehen.

Ein Problem für Hollande

Damit kann die Regierung vorerst nicht wie geplant per Dekret die Stilllegung der zwei Reaktoren einleiten. Die Abschaltung von Fessenheim war ein Wahlkampfversprechen von Präsident François Hollande, der im Mai aus dem Amt scheidet. Seine Regierung hatte darauf gedrungen, dass der Staatskonzern einen sofortigen Antrag auf eine Stilllegung beschließt.

"Offensichtlich ist die französische Atomlobby mächtiger als die Regierung selbst", sagte die Grünen-Sprecherin für Atompolitik im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. Sie sprach von einem "Affront".

Deutschland fordert wegen Sicherheitsbedenken schon länger die Schließung des Kraftwerks und bezeichnete die Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats als "große Enttäuschung". "Damit wurde eine wichtige Chance vertan", teilte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter mit.

Fessenheim als Wahlkampfthema

Fessenheim ist das älteste noch laufende französische Atomkraftwerk. Der Staat und EDF hatten sich bereits grundsätzlich auf eine Entschädigung für die Schließung geeinigt - demnach soll Fessenheim vom Netz gehen, sobald ein neuer Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal in Betrieb geht. Dieser soll Ende 2018 fertig sein.

Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf liegen die Haltungen der Kandidaten zu Fessenheim weit auseinander: Während der als Favorit gehandelte Sozialliberale Emmanuel Macron ebenfalls für die Schließung ist, sind die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Konservative François Fillon dagegen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. April 2017 u.a. um 19:15, 20:00, 21:00 Uhr und 23:00 in den Nachrichten.

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