Straßenszene in Havanna | Bildquelle: SWR/Mellmann

Vor 500-Jahrfeier Breitseite gegen Kubas Tourismus

Stand: 11.11.2019 15:37 Uhr

Die Zeit der Annäherung zwischen den USA und Kuba ist vorbei. Stattdessen hagelt es Sanktionen. Diese treffen vor allem den Tourismus - und damit die 500-Jahrfeier in Havanna.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Nach etwa zwei Boomjahren ist es ruhig geworden in Havannas Altstadt. Zu ruhig für Yusneisy Dueñas, die innerhalb des Spazierradius der Kreuzfahrttouristen einen Souvenirladen betreibt. "Als die Kreuzfahrtschiffe noch kamen, wurde viel mehr verkauft. Unsere wirtschaftliche Situation hatte sich dadurch verbessert", erzählt sie. Jetzt sei die Entwicklung unterbrochen. Es gehe praktisch nicht mehr voran. Alle Kubaner seien von der Veränderung betroffen.

Kreuzfahrtschiffe legen so gut wie keine mehr an, seit US-Präsident Donald Trump im Sommer die Sanktionen gegen Kuba verschärft hat. US-Fluggesellschaften dürfen nur noch Havanna anfliegen. Aber der härteste Schlag gegen Kubas Tourismus ist das Verbot für US-Bürger, auf die Karibikinsel zu reisen. Den Politikwechsel spüren vor allem die vielen Privatleute, die in den vergangenen Jahren mit der Zimmervermietung an US-Touristen Devisen verdient haben.

Donald Trump ist für viele der Schuldige

Mirta Hayes' Apartment war vor drei Jahren noch ausgebucht. Jetzt steht es meist leer und sie will aufgeben, denn die Steuern muss sie abführen, auch wenn sie keine Gäste hat. "Nach einiger Zeit baut man Beziehungen zu den Kunden auf. Die waren sehr brüderlich und haben sich im Laufe der Zeit vertieft", so Hayes. Zuneigung und Respekt seien entstanden. Die Kunden seien abgereist, aber blieben häufig in Kontakt mit ihr, fragten sie, wie es ihr gehe. "Aber diese Situation beendet alles. Hoffentlich bleibt es nicht so", sagte Hayes.

Verkäuferin Yuneisy Dueñas vor ihrem Souvenirladen | Bildquelle: SWR/Mellmann
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Yusneisy Dueñas vor ihrem meist leeren Souvernirladen.

Mit dem Wandel durch Annäherung, den die früheren Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro 2014 nach jahrzehntelanger Eiszeit ermöglicht hatten, ist vorerst Schluss. Für Mirta Hayes und andere Kubaner, die auf eigene Rechnung im Tourismus arbeiten, ist klar, wie der Schuldige für die Krise im Land heißt: Donald Trump.

Tourismus war wichtigste Devisenquelle

Estrella Matamoros, die ebenfalls wertvolle Devisen mit Zimmervermietung verdient, hat wegen der ausbleibenden Touristen die Preise gesenkt. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage funktioniere auch im kubanischen Sozialismus. "Der nordamerikanische Imperialismus ist für unsere Situation verantwortlich. Wir können viele Dinge nicht mehr kaufen, die wir für unsere Versorgung brauchen", klagt sie. "Aber alles wird ein gutes Ende nehmen, denn Imperien gehen früher oder später unter. Die USA haben auch wirtschaftliche Probleme und einen Verrückten, der sie regiert. Kuba überlebt immer. Das haben wir 60 Jahre lang bewiesen."

Der Tourismus als wichtigste Devisenquelle soll die Lokomotive der kubanischen Wirtschaft sein - mit fünf Millionen Besuchern in diesem Jahr. Aber die kommunistische Partei- und Staatsführung gesteht ein, dass es mindestens zehn Prozent weniger werden dürften. Die Zahl der US-Touristen hatte sich von Jahr zu Jahr verdoppelt, nachdem Obama die Reisebeschränkungen gelockert hatte. Jetzt ist Schluss: In den Bars der herausgeputzten Altstadt sind so gut wie keine US-Amerikaner mehr zu finden. Die 500-Jahrfeier Havannas am kommenden Wochenende wird ohne sie stattfinden.

500 Jahre Havanna – Party ohne US-Touristen
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
11.11.2019 13:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2019 um 05:13 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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