Fatah und Hamas

Versöhnung nach einem Jahrzehnt

Stand: 12.10.2017 17:22 Uhr

Der Druck war groß auf die beiden Palästinenserorganisationen. Zweimal hatten Hamas und Fatah es bereits versucht - nun haben sie ihre Spaltung offenbar überwunden. Sie hoffen auf den Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Gazastreifens.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Es ist der dritte Versuch der beiden wichtigsten palästinensischen Bewegungen, die Spaltung zu überwinden - eine Spaltung, durch die der Gazastreifen und das Westjordanland seit nunmehr einem Jahrzehnt immer weiter auseinandergedriftet waren. Der Druck auf Fatah und Hamas ist groß. "Präsident Abbas hat diesmal darauf bestanden, dass wir nicht zurückkehren, ohne eine Einigung erzielt zu haben", sagte Fatah-Verhandlungsführer Assam al-Ahmad. "Die Spaltung muss ein für alle Mal überwunden werden, um den palästinensischen Traum eines Endes der Besatzung zu verwirklichen und einen unabhängigen palästinensischen Staat zu gründen."

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Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv, zur Entstehung der Einigung

tagesschau24 17:00 Uhr, 12.10.2017

Wie Vermittler Ägypten mitteilte, sieht die nun unterzeichnete Übereinkunft vor, dass Fatah und Hamas bis spätestens Anfang Dezember eine Regierung der Nationalen Einheit bilden. Die Hamas wird die Verwaltung des Gazastreifens dann dieser gemeinsamen Regierung übergeben.

"Wir bei der Hamas-Bewegung sind sehr entschlossen, die Spaltung dieses Mal zu überwinden", sagte der Leiter der Hamas-Delegation, Saleh al-Aruri. "Es war unsere Initiative, in Koordination mit Ägypten die Hamas-Regierung in Gaza aufzulösen, als wir merkten, dass dies eine Bedingung von Präsident Abbas für eine Versöhnung war. Wir haben diese Verwaltung aufgelöst und somit den Weg zur Versöhnung freigegeben."

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Hamas und Fatah unterzeichnen Versöhnungsabkommen

tagesthemen 22:15 Uhr, 12.10.2017, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

Hoffnung auf Wiederaufbau

Die Details des Abkommens wurden zunächst nicht mitgeteilt. Allerdings läuft die Einigung offenbar darauf hinaus, dass eine frühere Versöhnungs-Vereinbarung von 2011 nun umgesetzt wird. Das bedeutet, dass die neue Regierung die Kontrolle des Grenzübergangs Rafah zu Ägypten übernimmt. Außerdem werden mehrere tausend Polizisten der Autonomiebehörde in die Sicherheitskräfte im Gazastreifen eingegliedert. Gleichzeitig soll diese Behörde auch die Gehälter von öffentlichen Bediensteten zahlen, die die Hamas während der vergangenen Jahre für ihre Verwaltung eingestellt hatte.

Trotz des Deals dürfte die Hamas im Gazastreifen mächtig bleiben. Sie hat dort etwa 25.000 bewaffnete Männer, die sogenannten Kassam-Brigaden. Von deren Auflösung war in Kairo nicht die Rede.

Die Palästinenser haben die Hoffnung, dass Israel und Ägypten nach der Einigung ihre Blockade des Gazastreifens aufheben und einen freien Verkehr von Waren und Menschen ermöglichen. Dann könnte die Region, die nach drei bewaffneten Konflikten zwischen der Hamas und Israel seit 2008 weitgehend zerstört ist, wieder aufgebaut werden. Etwa zwei Millionen Menschen leben derzeit in dem Küstengebiet. Mittlerweile gibt es nur selten Strom und wenig Trinkwasser.

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Fatah und Hamas unterzeichnen Versöhnungsvereinbarung
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
12.10.2017 16:49 Uhr