Paul Ryan mit seinem Programm "Pfad zu mehr Wohlstand" (Archivbild April 2011)

Fragen und Antworten Ryan als Vize - was bedeutet das für den Wahlkampf?

Stand: 11.08.2012 15:56 Uhr

Der designierte Kandidat der US-Republikaner Romney hat sich auf einen Vize festgelegt. Was bedeutet die Wahl Ryans für den Wahlkampf? Wofür steht der 42-Jährige? Und welche möglichen Folgen hat seine Nominierung für Präsident Obama? Darauf gibt Hörfunkkorrespondentin Sabrina Fritz Antworten.

Sabrina Fritz ARD-Studio Washington

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Was bedeutet die Wahl Ryans für den Wahlkampf?

Die Wahl von Paul Ryan ist auf jeden Fall ein kluger Schachzug. Aus mehreren Gründen: Er ist ein ausgewiesener Haushaltsexperte. Er ist Vorsitzender des Haushaltsausschusses und soll in dieser Rolle darauf achten, dass der Staat nicht zu viel Geld ausgibt. Das ist in der Vergangenheit nicht immer gelungen, aber Ryan hat selbst ein Programm vorgelegt, wie die Regierung den völlig überschuldeten US-Haushalt sanieren könnte.

Der Republikaner nannte diesen Plan "Pfad zu mehr Wohlstand" ("The path to prosperity"). Dieser Pfad führt bei ihm nur in eine Richtung: Ryan möchte radikal bei den Sozialausgaben und bei staatlichen Ausgaben sparen. Er möchte den Spitzensteuersatz senken und eine staatliche Gesundheitsvorsorge wieder abschaffen. Außerdem will er die Militärausgaben erhöhen und die USA sollen ungehindert Öl und Gas fördern dürfen. Das ist eine Politik, die vor allem die rechten konservativen Republikaner bejubeln werden, die Mitt Romney oft zu liberal finden.

Paul Ryan mit seinem Programm "Pfad zu mehr Wohlstand" (Archivbild April 2011)

Im April 2011 stellte Paul Ryan sein Programm "Pfad zu mehr Wohlstand" vor.

Mit dem Duo Romney / Ryan treten auf jeden Fall zwei Wirtschaftsexperten gegen Präsident Barack Obama an. Und da die Wirtschaft nach wie vor das wichtigste Wahlkampfthema ist, wird diese Personalentscheidung Obama bestimmt ein paar Stimmen kosten.

Wer ist Paul Ryan?

Paul Ryan ist ein politischer Senkrechtstarter und ein Naturtalent. Er ist erst 42 Jahre alt und dennoch schon seit 13 Jahren Kongressabgeordneter für die Republikaner. Er kennt also den Betrieb in Washington sehr gut. Ryan ist ein sehr guter Redner und gilt als absolut bodenständig - also auch eine gute Ergänzung zum Millionär Mitt Romney, der sich um Urlaub gerne im Speedboot fotografieren lässt.

Das würde Paul Ryan nicht passieren: Er kommt aus Wisconsin. Ein Bundesstaat im Norden der USA, der für seine schöne Natur bekannt ist. Ryan sagt über sich selbst, dass er gerne jagt und fischt. Mit seiner Frau hat er drei Kinder. Er ist Katholik. Auch das ist vielleicht nicht ganz unwichtig bei einem Präsidentschaftskandidaten, der Mormone ist.

Ryan muss sich bald im Fernsehen mit dem Vize von Obama, Joe Biden, streiten. Biden ist inzwischen 70 Jahre alt und ein sehr erfahrener Politiker - aber ich kann mir vorstellen, dass ihm der junge redegewandte Ryan durchaus die Show stehlen könnte.

Was bedeutet der Vize-Kandidat für Obama?

Die Wahl Ryans ist sicher eine Entscheidung, die Obama in den kommenden Wahlkampf-Wochen das Leben noch einmal schwer machen wird. Ryan wirkt sehr sympathisch und jung, ist aber trotzdem ein anerkannter Politiker mit viel Einfluss und Verbindungen in Washington. Es wird jetzt im Wahlkampf weiter um das Thema Gerechtigkeit gehen.

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama auf einer Kundgebung zur Gesundheitsreform

Für Präsident Obama (Archiv) war die Wahl Ryans keine gute Nachricht.

Präsident Obamas Wahlkampfteam wird aller Wahrscheinlichkeit nach genüsslich die Stellen aus dem Ryan-Plan zitieren, in denen er für massive Kürzungen bei den staatlichen Leistungen plädiert, außer beim Militär, und gleichzeitig den Spitzensteuersatz senken will. Die Kürzungspläne dürften unter anderem die vielen Rentner in Florida aufhorchen lassen, deren medizinische Versorgung dadurch teurer werden würde. Andererseits sind viele Amerikaner dafür, dass der Staat weniger Geld ausgibt. Vielleicht kann Ryan mit seinen Sparvorschlägen sogar punkten.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Schmerzgrenze 11.08.2012 • 22:40 Uhr

Wirtschaftsexperten!

Aber klar sind Romney und Ryan das. Dazu braucht man schließlich kein Studium, sondern nur den festen Willen, alles für "die Wirtschaft" zu tun. Und wie geht das, wenn das oberste Ziel der Wirtschaft Geld und noch mehr Geld ist? Genau: Man schiebt es den Reichen rein und macht die Armen noch ärmer, als sie sind (damit sie einen Grund haben, auch für Hungerlöhne noch zu arbeiten). Dass das heutzutage als "Sparpolitik" oder unter dem Dummtitel "Haushalt in Ordnung bringen" verkauft wird, ist der Rede nicht wert. Auch wenn Amerika früher ehrlicher war und den Kapitalismus immer Kapitalismus nannte und nicht bei uns in Orwell'schem Neusprech "soziale Marktwirtschaft".