Der österreichische Popstar Falco bei seinem Auftritt im "WWF-Club in Köln", 23.04.1982. | Bildquelle: dpa

Falcos 20. Todestag "Man muss erst sterben, um zu leben!"

Stand: 06.02.2018 15:43 Uhr

Genie und Wahnsinn, Weltruhm und Drogensumpf: 20 Jahre nach Falcos tödlichem Autounfall in der Karibik feiern die Wiener ihren unkonventionellen Helden mit einem Requiem im Stephansdom.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Der Wiener Stephansdom hatte seine Pforten für eine ungewöhnliche Veranstaltung geöffnet: 20 Jahre nach seinem Tod bekam Falco hier ein Requiem.

Ein Requiem mit seinen eigenen Liedern: Ein Schülerchor präsentierte die größten Hits des vor 20 Jahren verstorbenen Sängers. Auch Falcos Stimme war zu hören, und Dompfarrer Toni Faber lies Fürbitten für den Verstorbenen sprechen. Der Dom war überfüllt, die Stimmung sakral und andächtig.

"Wir wollen Menschen, die zu ihren Schwächen stehen"

Dass ein Popsänger mit sehr umstrittener Vergangenheit im Dom geehrt wird, ist für den Dompfarrer kein Widerspruch: "Wir wollen nicht nur Scheinheilige haben, sondern wir wollen Menschen haben, die zu ihren Schwächen stehen, damit kämpfen, vielleicht auch daran scheitern - aber trotzdem uns genial etwas hinterlassen."

Vor dem Requiem trafen sich Weggefährten und eingefleischte Fans am Wiener Zentralfriedhof und legten Kränze an Falcos Grab nieder. Unter ihnen Falco-Imitator Mario Pawel. Er war extra aus Berlin angereist. Neben der Musik zeigte er sich vor allem von Falcos Lebensgeschichte fasziniert: "Das macht manch einer in 80 Jahren nicht durch, was er in 40 erlebt hat. Ups and downs - der Wahnsinn!"

Auf dem Höhepunkt seiner Kariere starb Falco, der eigentlich Johann Hölzel hieß, bei einem Autounfall in seiner Wahlheimat, der Dominikanischen Republik. Er hatte Kokain und Alkohol im Blut. Es war das jähe Ende eines Hochbegabten.

Ein Ausnahmetalent mit absolutem Gehör

Hölzl wird 1957 in Wien geboren, als einziger Überlebender von Drillingen. Er gilt als musikalisches Ausnahmetalent mit absolutem Gehör. Aber auch als einer, dem Konventionen nicht behagen. Eine Lehre als Bürokaufmann bricht Hölzel ab, auch das Musikstudium schließt er nicht ab. Dann kommen die 1980er-Jahre.

Der österreichische Sänger und Musiker Falco bei einem Auftritt in der TV-Show "Wetten, dass...?". 05.11.1988 | Bildquelle: dpa
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Falco war ein Kind seiner Zeit und eine echte Stilikone der 1980er-Jahre.

Falco eckt an mit seinem deutschen Sprechgesang, damals ein stilistisches Wagnis. Die meisten Radiosender boykottieren ihn. Falco provoziert auch mit seinem exzentrischen Lebenswandel – und hat damit Erfolg. Der Durchbruch gelingt ihm mit "Der Kommissar" und die Single "Rock Me Amadeus" bringt ihm schließlich Weltruhm ein. Das Lied führt wochenlang die Charts an - auch in den USA und in Großbritannien. Der Song ist auch der Höhepunkt des Requiems im Wiener Stephansdom.

An Falco kommt man nicht vorbei

Ob man seien Musik mag oder nicht, an Falco kommt man auch als junger Musiker in Österreich nicht vorbei, sagt die 19-jährige Sängerin Esther, die beim Requiem im Stephansdom als Solistin aufgetreten ist:  "Falco ist ein Vorbild. Man sagt ja immer, aus Österreich kommend ist es schwer, ein Musiker zu werden. Aber Falco hat es halt gezeigt und es ist für jeden so: Es hat funktioniert, wieso sollte es nicht noch mal funktionieren?"

Die Idee für das Requiem hatte Wolfgang Kosmata. Der Musikproduzent ist Beirat in der Falco-Privatstiftung, die den Nachlass des Sängers verwaltet. Vom Erfolg der Veranstaltung zeigte er sich überrascht. Als Erklärung für die posthume Popularität des Sängers zitierte er eine Zeile aus Falcos Song "Out of the Dark": "Es ist wirklich so in Österreich – offensichtlich muss man erst sterben, um zu leben"

20. Todestag von Falco
Srdjan Govedarica, ARD Wien
06.02.2018 15:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 06. Februar 2018 um 05:37 Uhr.

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