Gerichtszeichnung von Redoine Faid (Archivbild vom 27. Februar 2018) | Bildquelle: AFP

Ausbruch per Helikopter Frankreichs filmreifer Gangster

Stand: 02.07.2018 14:33 Uhr

Es klingt wie Hollywood: Der ehemals meistgesuchte Verbrecher Frankreichs flieht aus dem Gefängnis - per Hubschrauber. Es ist bereits das zweite Mal, dass Rédoine Faïd ein spektakulärer Ausbruch geglückt ist.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Er weiß, wie man sich in Szene setzt: Nach zehn Jahren Haft wegen bewaffneten Raubüberfalls stellt Rédoine Faïd 2010 sein Buch vor - quasi noch auf der Schwelle des Gefängnisses. Die Biografie trägt den Titel "Gangster - von der Vorstadt zum Schwerverbrecher".  Er schreibt über seine Kindheit in einer nordfranzösischen Hochhaussiedlung, darüber, wie er anfing mit kleinen Diebstählen und schließlich mit gerade mal 18 Jahren seinen ersten Bankraub beging. Inspiration für seine Verbrechen zog er aus Hollywoodfilmen. "Es waren die Gangsterfilme, die uns angesprochen haben", sagt er. "Das Kino hat mit die Gebrauchsanweisung für meine Verbrechen geliefert."

Zu jener Zeit, 2010, tingelt er mit seinem Buch durch sämtliche Talkshows in Frankreich. Er erzählt von seinen bewaffneten Raubüberfällen, von Geiselnahmen. Und er stilisiert sich als geläutert: "Solange man sich sagen kann, ich habe niemanden verletzt, ich habe kein Blut vergossen, sondern nur das Geld gestohlen und bin dann nach Hause, bestärkt man sich darin, nichts Schlimmes getan zu haben", sagt er. "Aber später, wenn man im Gerichtssaal sitzt und die Opfer sieht, die immer noch traumatisiert sind, dann sagst du dir: Ich habe wirklich etwas Schreckliches getan, auch wenn niemand verletzt wurde."

Als Häftling immer freundlich

Diese Erkenntnis des Schwerverbrechers scheint aber nicht allzu lange nachzuhallen. Im Mai desselben Jahres kommt es nach einem gescheiterten Überfall auf einen Geldtransporter zu einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Eine 26-jährige Polizistin wird erschossen. Der Überfall und der tödliche Schuss sollen auf das Konto Faïds gehen. Er wird gefasst und in ein Hochsicherheitsgefägnis gebracht. 2013 gelingt ihm dort seine erste filmreife Flucht: Mit vier Wärtern als Geiseln sprengt er sich durch fünf Gefängnistüren. Erst sechs Wochen später wird er wieder gefasst und kommt in ein Gefängnis in die Nähe von Paris.

Faïd sei als Häftling immer freundlich gewesen, erzählt ein ehemaliger Wärter. Er sei immer freundlich gewesen und ruhig und habe getan, was man ihm sagte. "Aber uns war klar, dass man ihn besonders im Auge haben muss. Das haben ich und meine Kollegen auch getan."

Aber aller Überwachung zum Trotz ist dem gewieften Schwerverbrecher nun die zweite Flucht gelungen - so wie es ihm gefällt. Perfekt inszeniert à la Hollywood haben ihn drei schwer bewaffnete Komplizen aus dem Besucherraum des Hochsicherheitsgefängnisses befreit. Dort sollte Faïd 25 Jahre Strafe absitzen, für den Mord an der jungen Polizistin aus dem Jahr 2010.

Französischer Schwerverbrecher Faïd auf der Flucht
Sabine Wachs, ARD Paris
02.07.2018 14:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juli 2018 um 09:33 Uhr.

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