Eine Frau startet ein Video des sozialen Netzwerks Facebook auf ihrem Smartphone. | Bildquelle: dpa

Konkurrenz für YouTube Facebook startet Video-Dienst

Stand: 31.08.2018 11:51 Uhr

Mit dem weltweiten Start von Facebook Watch rückt der Konzern Videos in den Mittelpunkt seiner Strategie. Das bedeutet mehr Konkurrenz für YouTube - und für den eigenen Newsfeed.

Von Dennis Horn, WDR

Der Videodienst Facebook Watch ist kein ganz neuer Bekannter: Er ging in den USA schon vor einem Jahr an den Start. Zu sehen gab es exklusive Inhalte von Nachrichten- und Sportanbietern, aber auch Koch- und Comedy-Shows oder Dokus. Zuletzt hatten auch schon eine Reihe zufällig ausgewählter Testnutzer in Deutschland Zugriff auf den Dienst.

Am Donnerstag geht Facebook Watch als Teil der Facebook-App weltweit an den Start. Es handelt sich dabei um die größte Neueinführung einer Funktion seit dem Newsfeed vor zwölf Jahren. Zunächst sollen alle Android-Nutzer auf Facebook Watch zugreifen können, iOS-Nutzer und alle, die Facebook zum Beispiel am Desktop nutzen, sind später dran.

Facebook will zu "Watch-Parties" animieren

Der Videodienst zeigt die Videos aller Facebook-Seiten mit mindestens 5000 Fans, denen man als Nutzer ein "Gefällt mir" spendiert hat. Er gibt außerdem Empfehlungen für weitere Videos - sortiert von einem neuen Algorithmus, der die eigenen Sehgewohnheiten analysiert.

Facebook selbst betont vor allem die soziale Komponente des Dienstes: Nutzer sollen Videos gemeinsam gucken und sich in den Kommentaren darunter austauschen können, zum Teil auch mit den Machern dieser Videos. "Watch Party" nennt Facebook diese Funktion - und will sich damit auch von anderen Anbietern abgrenzen.

Laut Facebook produzieren und konsumieren die Nutzer des Netzwerks Videos immer häufiger. Auch im Newsfeed werden sie seit einiger Zeit öfter angezeigt als Fotos, Links oder Texte. Seit dem Start von Facebook Watch vor einem Jahr in den USA habe sich der Videokonsum außerdem verneunfacht; konkrete Zahlen nennt der Konzern dabei nicht.

Keine selbst produzierten Inhalte für Europa

Mit dem Start auch in Europa hält sich Facebook allerdings mit selbst produzierten Inhalten zurück: Man werde in den USA für eine weltweite Zielgruppe produzieren. Das hat auch medienpolitische Gründe: Vor allem in Europa beharrt Facebook seit Jahren darauf, nur als Plattform und nicht als Medienanbieter eingestuft zu werden - unter anderem, weil es sonst mit ganz anderen Haftungsregeln für Inhalte der Nutzer konfrontiert wäre.

Stattdessen werden einzelne Anbieter wie Promiflash oder Borussia Dortmund mit ihren Inhalten auch bei Facebook Watch vertreten sein. Sie sollen Geld mit dem Dienst verdienen können, indem Facebook Werbespots in ihren Videos platziert. Redaktionell werde sich Facebook nicht einmischen.

Als Videodienst ist Facebook Watch eine Konkurrenz für gleich mehrere Anbieter - allen voran wohl YouTube. Vor allem dort halten sich bisher die "Creators" auf, also YouTuber, die eigene Inhalte für die Plattform erstellen und zuletzt oft darüber klagten, dass sie immer weniger Geld mit den vorgeschalteten Werbespots auf der Google-Plattform verdienen.

Facebook Watch macht eigenem Newsfeed Konkurrenz

Wie erfolgreich Facebook Watch wird, bleibt abzuwarten. Mit IGTV hatte zuletzt auch die Konzerntochter Instagram einen Videodienst gestartet, der nach einem Bericht des Techmagazins Techcrunch aber nur langsam wächst: Die Abrufzahlen seien dürftig, die Zahl der Nutzer, die sich die eigenständige IGTV-App installieren, stark zurückgegangen.

Und auch für eine Facebook-eigene Funktion könnte Facebook Watch zur Konkurrenz werden: den Newsfeed, in dem die Inhalte von Freunden, Seiten und Gruppen zusammenlaufen. Seit vielen Monaten berichten unter anderem klassische Medienanbieter, dass sie mit ihren Inhalten im Facebook-Newsfeed immer weniger Reichweite erzielen. Je stärker Facebook nun Videos in den Mittelpunkt seiner Strategie stellt, desto weniger Reichweite bedeutet das für alle anderen Inhalte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. September 2014 um 15:38 Uhr.

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