Mann schaut auf Mobiltelefon | Bildquelle: dpa

Nach Christchurch-Attentat Facebook verschärft Livestream-Regeln

Stand: 15.05.2019 13:25 Uhr

Das Video des Christchurch-Attentäters wurde im Netz rasant geteilt. Mit Einschränkungen bei Livestreams will Facebook die Verbreitung von Terrorvideos künftig verhindern. Nun will auch die Politik reagieren.

Mehrere Wochen nach dem Angriff auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch und der Verbreitung des Attentatvideos im Internet hat Facebook Einschränkungen bei Live-Videos angekündigt.

So sollen Nutzer schon nach einer schwerwiegenden Regelverletzung "eine bestimmte Zeit lang" keine Live-Videos übertragen dürfen. Das kündigte Facebook kurz vor dem Beginn eines "Christchurch-Gipfels" in Paris an, bei dem unter anderem ranghohe Politiker eine Initiative gegen Internet-Übertragungen von Terrorangriffen auf den Weg bringen wollen.

30 Tage gesperrt?

Als Beispiel für einen schwerwiegenden Regelverstoß nannte Facebook die Weiterleitung eines Links zu einer Mitteilung einer Terrorgruppe ohne Einordnung. Als ein Beispiel-Zeitraum für eine Sperrung wurden 30 Tage angegeben. Als weitere Einschränkung sei geplant, dass von der Live-Plattform ausgeschlossene Nutzer unter anderem auch keine Anzeigen bei Facebook schalten können.

Außerdem will Facebook in einem 7,5 Millionen Dollar teuren Forschungsprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlern die Bilderkennung in Videoaufnahmen verbessern. Die Algorithmen von Facebook hatten zum Teil Probleme, von Nutzern neu hochgeladene Kopien des Christchurch-Videos zu entdecken, wenn sie etwas verändert worden waren.

Mitte März hatte ein australischer Rechtsextremist zwei Moscheen in Christchurch angegriffen und 51 Menschen getötet. Er hatte die Attacke in einem 17 Minuten langen Video über Facebooks Livestreaming-Plattform übertragen. Der erste Nutzerhinweis sei zwölf Minuten nach Ende dieses Livestreams eingegangen, hatte Facebook im März mitgeteilt. Livestream-Videos bleiben auf Facebook auch nach Ende einer Übertragung zum Abruf verfügbar.

Kopien des Christchurch-Videos hochgeladen

Das Christchurch-Video sei während des Livestreams weniger als 200 Mal angesehen worden und insgesamt rund 4000 Mal, bevor Facebook es entfernte. Allerdings habe ein Nutzer eine Kopie auf eine Filesharing-Seite hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam gemacht worden sei, erklärte das Online-Netzwerk. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos beigetragen haben.

Facebook hatte allein in den ersten 24 Stunden 1,5 Millionen Videos mit der Darstellung des Anschlags gelöscht. Davon seien 1,2 Millionen bereits beim Hochladen gestoppt worden. Da Nutzer versucht hätten, die automatische Erkennung mit Veränderungen am Video auszutricksen, sei auch der Ton abgeglichen worden.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern begrüßte die strengeren Regeln des US-Konzerns. In einer Erklärung sprach sie von einem "guten ersten Schritt", um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

Permierministerin Jacinda Ardern nach dem Freitagsgebet an der al-Noor Moschee in Christchurch. | Bildquelle: REUTERS
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Permierministerin Jacinda Ardern kurz nach dem Attentat beim Freitagsgebet an der al-Noor Moschee in Christchurch.

Christchurch-Gipfel" in Paris

Auf einem "Christchurch-Gipfel" in Paris wollen Ardern und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron eine Initiative anstoßen, um Internet-Übertragungen von Terrorangriffen zu unterbinden. Zu dem Treffen sind mehrere Staats- und Regierungschefs eingeladen, unter ihnen die britische Premierministerin Theresa May, Jordaniens König Abdullah II. und Kanadas Premier Justin Trudeau.

Das Treffen sei der "Startpunkt" für Veränderungen von Richtlinien für Regierungen und Internetkonzerne, so Neuseelands Premierministerin. Befürwortern der Redefreiheit und Kritikern aus der Technologiebranche hielt sie entgegen, es gehe bei dem Ansatz nicht darum, die Geschäftsgeheimnisse der Firmen offenzulegen. "Aber wir müssen wissen, welche Auswirkungen ihre Algorithmen auf unsere Gesellschaften haben könnten." Es sei wichtig, die "kodierte Sprache" der Extremisten anzugehen, mit denen diese das Aufspüren ihrer Inhalte vermieden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 15. Mai 2019 um 09:00 Uhr.

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