Mann mit Smartphone steht vor einem Monitor mit dem Logo von Facebook. | Bildquelle: dpa

Live-Videos bei Facebook Wer darf streamen - und wann?

Stand: 15.05.2019 18:05 Uhr

Facebook hat zwei Monate nach den Christchurch-Anschlägen Einschränkungen für Live-Videos und eine bessere Erkennung von hochgeladenen Videos bekannt gegeben. Ob das ausreicht, ist fraglich.

Von Jörg Schieb, WDR

Der Attentäter von Christchurch hat seine Mordserie, bei der 50 Menschen getötet wurden, auf Facebook live als Videostream veröffentlicht - 17 Minuten lang. Rund 200 User hatten den Stream live angeschaut. Erst zwölf Minuten nach dem Livestream gingen erste Meldungen bei Facebook ein.

Doch Livestreams bleiben nach Ende der Übertragung dauerhaft zum Abruf verfügbar. Das ist bei anderen Live-Diensten wie YouTube, Instagram oder Vimeo prinzipiell ganz genauso.

Nun hat Facebook bekanntgegeben, künftig Sperren für auffällige Nutzerinnen und Nutzer vorzusehen. Facebook will einzelne User nach einer "schwerwiegenden Regelverletzung" auf "eine bestimmte Zeit sperren". Grund könne zum Beispiel sein, dass ein User einen Link zu einer Terrorgruppe poste - ohne entsprechende Einordnung. In einem solchen Fall drohen künftig bis zu 30 Tage Live-Video-Sperre.

Terror-Livestreams lassen sich so nicht verhindern

Eine besonders effektive Maßnahme ist das nicht. Zum einen lassen sich wohl kaum alle relevanten Postings entdecken. Zum anderen würden Täter dann eben auf ein anderes Facebook-Konto ausweichen. Live-Streams mit terroristischen Inhalten lassen sich so nicht effektiv verhindern.

Die angekündigte Maßnahme ist nicht mal ansatzweise geeignet, das grundsätzliche Problem in den Griff zu bekommen. Eine technische Maßnahme, die Gewalttaten live erkennt, ist bislang nicht verfügbar. Keinesfalls könnte ein Algorithmus den Video-Stream eines Egoshooters von einem tatsächlichen Terrorvideo unterscheiden.

Das viel größere Problem aber war die rasante Verbreitung des Videos nach der Tat: Es wurde innerhalb von 24 Stunden rund 1,5 Millionen Mal allein bei Facebook hochgeladen. Da die User das Video teilweise in wenigen Details verändert hatten - etwa durch Veränderungen an der Schnittfolge, farbliche Korrekturen oder Austauschen der Audiospur -, erkannten die Algorithmen das Video nicht und ließen ein erneutes Online-Stellen zu.

Facebooks Budget zur Bekämpfung ist bescheiden

Bislang erkennen Algorithmen nach dem Upload lediglich 1:1-Kopien wirklich zuverlässig und unterbinden das erneute Onlinestellen. Kleinste Veränderungen können die Algorithmen austricksen.

Das soll sich ändern: Facebook hat 7,5 Millionen Dollar (rund 6,7 Millionen Euro) bereitgestellt und ist Forschungspartnerschaften mit drei US-Universitäten eingegangen.

Das Ziel: Bessere Algorithmen zu entwickeln, die solche Veränderungen und Manipulationen erkennen und so das erneute Hochladen auch veränderter Versionen eigentlich gesperrter Inhalte erschweren.

Auch solche Algorithmen werden aber nie hundertprozentig sicher funktionieren. Abgesehen davon handelt es sich bei 7,5 Millionen Dollar um ein eher bescheidenes Engagement: Facebook erwirtschaftet monatlich Milliardengewinne und könnte deutlich entschlossener gegen solche Probleme vorgehen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält nach dem Brand in Notre-Dame eine Fernsehansprache. | Bildquelle: dpa
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron...

Jacinda Ardern | Bildquelle: AFP
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...hat gemeinsam mit Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern eine Initiative gegen Terror-Streams angestoßen.


Die Politik muss Streaming-Regeln aufstellen

Die Ankündigung von Facebook erfolgte kurz vor dem sogenannten Christchurch-Gipfel in Paris. Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben eine Initiative angestoßen, um Livestreams von Terrorangriffen zu unterbinden. Nur die Politik kann Regeln vorgeben, die sinnvoll und effektiv sind. Die sozialen Netzwerke werden sich nicht selbst regulieren oder über Gebühr einschränken.

Diskutiert werden sollten nicht nur technische Maßnahmen - da sie nur bedingt tauglich sind -, sondern eben auch regulierende Maßnahmen. Wer darf streamen - und wann? Nicht Facebook sollte entscheiden, wer streamt. Örtliche Behörden sollten Personen ausschließen können.

Außerdem könnte es unter Strafe gestellt werden, Videos mit terroristischem oder kriminellem Hintergrund (erneut) hochzuladen. Auch das könnte die rasante Verbreitung solcher Videos effektiv eindämmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Mai 2019 um 20:00 Uhr.

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