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"South by Southwest" Insider rechnet mit Facebook ab

Stand: 21.03.2019 18:30 Uhr

Roger McNamee ist ein Facebook-Insider, langjähriger Mentor von Konzernchef Zuckerberg und Investor erster Stunde. Doch nun zählt er zu den schärfsten Kritikern des Netzwerks.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Roger McNamee ist ein Facebook-Insider. Er stand Konzernchef Mark Zuckerberg schon früh als Mentor beiseite, war einer der ersten Investoren. Facebook-Aktien und ein Konto besitzt McNamee noch immer. Doch inzwischen ist er zu einem der größten Kritiker des Unternehmens geworden.

Bei der Digitalmesse "South by Southwest" (SXSW) erklärte McNamee vor großem Publikum, warum er eine stärkere Regulierung und mögliche Zerschlagung der großen Tech-Unternehmen wie Facebook, Amazon und Google für richtig hält.

McNamee fordert Debatte über Handel mit Daten

Ja, McNamee hat ein Buch zu verkaufen. Es heißt "Zucked. Waking up to the Facebook Catastrophe". Darin beschreibt der 62-Jährige, welche Fehler das Unternehmen seiner Meinung nach gemacht hat. Doch das Buch wird bei diesem Termin vor vollem Haus nur zwei Mal dem Publikum gezeigt, denn McNamee will Dringliches loswerden:

"Ich möchte eine nationale Debatte im Rahmen der anstehenden Wahlen 2020 darüber haben, ob es legal sein sollte, für Firmen, Konzerne oder Privatpersonen, Geld mit dem Kauf, Handel oder Verkauf von privaten Daten zu verdienen."

Und seiner Meinung nach würde diese Debatte Demokraten und Republikanern gut stehen. Schließlich gehe es hier "nicht um links oder rechts, sondern um richtig oder falsch".

alt Das Logo der Messe "South by Southwest" von 2019. | Bildquelle: REUTERS

Die Digitalmesse "South by Southwest"

Bei der "South by Southwest", kurz SXSW, kommen Musik, Film und die Größen der Digitalbranche zusammen. Mittlerweile dauert die Veranstaltung mitsamt Bildungsmesse und Konferenz bis zu 14 Tage. 2019 findet die SXSW zum 32. Mal statt.

Angefangen hatte alles 1987 als Musikfestival. Heute reisen Zehntausende Musiker aus aller Welt zur SXSW an. Etwa sieben Jahre später kam das Genre Film dazu.

Bereits Anfang der 1990er-Jahre entdeckten die sogenannten Neuen Medien das Festival für sich. Es folgten Vorträge, Fachausstellungen und Diskussionsforen über derzeitige und künftige Trends. Mittlerweile nehmen neben den Riesen der Internet- und Medienwelt 30.000 Branchenunternehmen aus fast 60 Ländern weltweit an der Messe teil.

Infos von der Kreditkarte bis hin zum Standort

McNamee macht sich damit keine neuen Freunde im Silicon Valley. Denn seine Kritik reicht weit über Facebook hinaus, auch wenn er dieses Unternehmen am besten kennt. Die Ankündigung von Facebook-Gründer Zuckerberg, das Netzwerk neu ausrichten zu wollen mit besonderem Fokus auf der Wahrung der Privatsphäre hält er für einen cleveren PR-Schachzug. Das Kernproblem bleibt damit unangetastet - der Handel mit unseren privaten Daten, warnt McNamee:

"Ich möchte nicht, dass sie meine Kreditkarteninfos kaufen. Ich möchte nicht, dass sie mit den Herstellern von Gesundheits- und Wellness-Apps Geschäfte machen, um an meine Infos zu kommen. Ich möchte nicht, dass sie von meinem Mobilfunkanbieter meine Standorte erfahren. Ich möchte nicht, dass sie wissen, was genau ich mir im Netz anschaue. Das können wir besser."

Den Vorschlag der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren, die großen Technologieunternehmen zum Teil aufzuspalten, hält er für richtig. Facebook solle sich von Instagram und WhatsApp trennen, Google von Youtube.

Wer weiß, wer wo mit seinen Daten handelt?

McNamee erzählt, dass er sowohl bei Facebook als auch Google für diese Lösungen wirbt - ohne Erfolg. Das Publikum lacht. Doch McNamee zeichnet immer wieder das düstere Bild des totalen Ausverkaufs von privaten Daten. Und er sagt: Der User hatte bislang gar nicht die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, weil dieses Geschäftsmodell "hinter einem Vorhang entwickelt wurde", wie er es formuliert.

Wer wisse denn wirklich, welche privaten Daten wo gehandelt werden? Er selbst habe versucht, ohne Google und alles, was dazu gehört, auszukommen. Für ihn, der auch passionierter Musiker ist und gern Youtube-Videos schaut, ein wahrer Kraftakt. Das Ende seines Experiments: Er klickte unbedacht auf einen Link mit einer Wegbeschreibung, der ihn geradewegs zu Googlemaps führte. Nach zwei Monaten hatte ihn die Google-Welt wieder eingesaugt.

Die Abrechnung - Roger McNamee und Facebook
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
11.03.2019 17:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Februar 2018 um 13:20 Uhr in den Nachrichten.

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