Facebook-Firmenchef Mark Zuckerberg. | Bildquelle: AFP

F8 Konferenz Facebook reloaded

Stand: 01.05.2019 02:21 Uhr

Kaum ein Monat vergeht, in dem das soziale Netzwerk keine Datenpanne einräumen muss. Auf der Entwicklerkonferenz des Unternehmens im kalifornischen San Jose wirbt Facebook-Chef Zuckerberg um neues Vertrauen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Mark Zuckerberg grinst, als er sagt, er verstehe, dass sein Unternehmen zur Zeit kein großes Vertrauen genießt. Es werde sich auch nicht alles sofort ändern, sagt er. "Gebt uns Zeit und lasst uns beweisen, dass wir es ernst meinen", sagt der 34-Jährige vor den 5000 Entwicklern. Die Neuausrichtung werde auch Änderungen daran erfordern, wie das Unternehmen geführt werde.

Vor allem die Messenger-App, die auf 1,3 Milliarden aktive Nutzer im Monat kommt, will Zuckerberg radikal um- und zum großen Standbein ausbauen. Sie ist von Grund auf neu programmiert worden. In Zukunft soll es auch für den Windows und Mac PC eine eigene Desktop-Version geben.

Auffallend ist: Zuckerberg spricht nur einmal kurz WhatsApp an, als er die Größe beider Apps miteinander vergleicht. Stolz verweist er darauf, dass der Facebook Messenger nur noch 30 MB groß sei, kleiner als WhatsApp, eine vor allem in Europa beliebten App, die Facebook 2014 aufgekauft hatte.

Vom Marktplatz zum Wohnzimmer

Zuckerberg hat in den vergangenen Wochen immer wieder Facebook als großen öffentlichen Marktplatz bezeichnet. Die Messaging-App des Unternehmens ist für ihn dagegen ein privates Wohnzimmer. Genau darauf zielt der Umbau ab.

Folgerichtig soll der Messenger auf eine sichere end-zu-end Verschlüsselung umgestellt werden, auf deren Nachrichten nicht einmal Facebook Zugriff habe, betont der 34-Jährige. Nachrichten lassen sich dann unwiederbringlich löschen.

Mehr als 5000 Entwickler waren zur f8-Konferenz ins kalifornische San Jose gekommen. | Bildquelle: AFP
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Mehr als 5000 Entwickler waren zur f8-Konferenz ins kalifornische San Jose gekommen.

In künftigen Versionen sollen die Messenger-Nutzer auch User erreichen können, die bei WhatsApp und Instagram registriert sind, aber kein Facebook-Konto haben.

Außerdem wird es in der neuen Messenger-App auch ein "Mini-Facebook" geben - einen Bereich für die engsten Freunde, mit denen man am häufigsten Nachrichten austauscht. Dort lassen sich ähnlich wie im “großen” Facebook Links und Bilder teilen. Im Party-Modus können alle Nutzer, die im selben Chatroom sind, Videos gleichzeitig schauen.

Neues Design für Facebook

Leichter und übersichtlicher - das Unternehmen hat sich darüber hinaus ein neues Design für seine Smartphone App und im Browser verpasst. In den nächsten Tagen wird es in der App umgestellt, auf dem Desktop soll das neue, luftigere Design in Kürze folgen.

Dagegen bleibt das Projekt VR-Brille das Sorgenkind. Zur Erinnerung: Vor fünf Jahren hatte Facebook den VR-Brillenhersteller Oculus aufgekauft. Damit wollte das Unternehmen nicht nur in den Hardware-Markt einsteigen, sondern mit VR-Anwendungen für Spiele und Videos in ein neues Geschäftsfeld starten. Bislang bleibt der Erfolg aber aus.

VR-Brillen bleiben Facebooks Sorgenkind. | Bildquelle: REUTERS
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VR-Brillen bleiben Facebooks Sorgenkind.

Jetzt stellt das Unternehmen zwei neue VR-Brillen vor. Besonders auf das neue Modell “Oculus Quest” setzt Facebook seine Hoffnung: Es kommt ohne Verbindung zu einem Computer aus und hat auch keine externen Sensoren. In Deutschland sollen die neuen Brillen ab Ende Mai für 449 Euro auf den Markt kommen.

Dating via Facebook

Im vergangenen Jahr hatte das Netzwerk angekündigt, Tinder und Bumble, den zwei führenden Dating-Apps, den Markt nicht alleine überlassen zu wollen. Mit seiner neuen Dating-Plattform will es eine zur Zeit noch kostenlose Alternative bieten. Sie ist aber nur einigen Ländern Südamerikas und Asien verfügbar. Zum Jahresende soll das Angebot in den USA starten. Ob und wann es nach Europa kommt, wurde nicht bekannt gegeben.

Trotz dieser Ankündigungen blieb es dabei: Dass von der Entwicklerkonferenz keine großen Neuigkeiten zu erwarten waren, stand schon von vornherein fest.

Zuckerberg preist die Privatsphäre

Ein Nebensatz von Zuckerbergs Rede macht das Dilemma für die Entwickler aber klar: Die müssten sich darauf einrichten, so der Facebook-Chef, künftig deutlich weniger Zugang zum Datenpool von Facebook zu erhalten. Applaus gab es dafür natürlich nicht. Schließlich war es genau solch ein externer Entwickler, der den Cambridge Anlytica-Skandal erst möglich gemacht hat, weil ihm Facebook Zugang zu 87 Millionen Nutzerdaten gewährt hatte.

Überdies: Zuckerberg war darauf bedacht, die jüngsten Skandale, wie das Live-Streaming des Amoklaufs im neuseeländischen Christchurch, nicht zu erwähnen. Für ihn war heute nur eine Botschaft wichtig: "The Future is Private - Die Zukunft ist privat”.

Facebook-Entwicklerkonferenz geht zu Ende
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
01.05.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2019 um 08:38 Uhr.

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