Facebook | dpa

Facebook-Datenskandal Bis zu 87 Millionen Nutzer betroffen

Stand: 05.04.2018 00:05 Uhr

Der Facebook-Skandal weitet sich aus. Die Daten von deutlich mehr Usern als bislang angenommen könnten mit der Firma Cambridge Analytica geteilt worden sein. In Deutschland sind bis zu 310.000 Geschädigte möglich.

Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich größere Dimensionen als bislang angenommen. Insgesamt seien die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern unzulässig mit der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica geteilt worden, so der Technologiechef von Facebook, Mike Schroepfer, auf Twitter mit. Der Datenmissbrauch soll den aktualisierten Angaben zufolge vor allem Nutzer in den USA betreffen.

Bisher war von insgesamt rund 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen worden. Nach den jüngsten Erkenntnissen könnten auch die Daten von bis zu 310.000 deutschen Usern mit Camebridge Analytica geteilt worden sein.

Daten für Trumps Wahlkampf

Die Daten sollen unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und genutzt worden sein. Behörden in den USA wie in Großbritannien haben deshalb Ermittlungen eingeleitet. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich für den Datenmissbrauch und kündigte eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk an.

In einem Interview sagte er aber auch, es werde "einige Jahre" brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben. Am Mittwoch kommender Woche will Zuckerberg im US-Kongress zu dem Skandal aussagen. Zuckerberg werde dann vom Handelsausschuss des Repräsentantenhauses angehört, teilten Mitglieder des Gremiums mit.

Mark Zuckerberg | dpa

Er wünschte, er könnte alle diese Probleme in drei oder sechs Monaten lösen, doch sei eine "längere Zeitspanne" nötig, sagte Zuckerberg in einem Interview des US-Nachrichtenportals "Vox". Bild: dpa

Neue Datenschutz-Bedingungen

Bevor Facebook die Ausweitung des Datenskandals einräumte, hatte das Netzwerk seine Datenschutz- und Nutzungsbedingungen neu formuliert und versprochen, sie dabei klarer und transparenter zu machen.

Die Informationen über die Datensammlung seien jetzt ausführlicher beschrieben, und mit den neuen Regeln würden nun keine zusätzlichen Informationen mehr erhoben, betonte das Online-Netzwerk. Aus den Bestimmungen erfährt man unter anderem, dass Facebook auf Geräten auf Informationen wie Namen von Apps und Dateien zugreift sowie auch Mausbewegungen registriert. Letzteres solle helfen, Menschen von Bots zu unterscheiden, hieß es. An der Datenverarbeitung werde sich aber nichts ändern, betont das Unternehmen.

Vorgriff auf neue EU-Verordnung

Die neuen ausführlicheren Formulierungen und Nutzerrechte gehen in Europa zu großen Teilen auf die Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung zurück, die zum 25. Mai Pflicht wird. Damit waren sie schon lange in Arbeit und sind keine Reaktion auf den aktuellen Datenschutz-Skandal um die Firma Cambridge Analytica.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. April 2018 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Delirium 05.04.2018 • 00:56 Uhr

Der eigentlich Schuldige ist doch der Gesetzgeber

Wenn Politiker nicht genug bekommen und die Vorgaben der Lobbyisten (wohl nicht ohne unsichtbare Gegenleistung) durchwinken, dann entstehen eben Gesetze, die diamentral zu den eigentlich grundgesetzlich geschützten Menschenrechten stehen. Dass Firmen diese dann ausnutzen, kann man diesen nicht mal anlasten. Aber der Legislativen in manchem, ach so demokratischen Land sollte man den Prozess machen, weil diese die Rechte und Werte des Volkes verkaufen. Da hat sich wohl der Gesetzgeber gedacht, lassen wir die Firmen schnüffeln - schön durch die Nutzungsbedingungen gedeckt, welchen die Nutzer klaglos zustimmen - und wir holen uns die Daten dann von den Unternehmen und waschen unsere Hände in Unschuld. Menschenrechte, Recht auf Privatsphäre, die ganzen ersten 20 Artikel des GG... drauf geschixxen. Uns kann keiner was.