Ein Anhänger der Aktivistengruppe "Extinction Rebellion" bei der Blockade der Straßen um die Siegessäule in Berlin.  | Bildquelle: dpa

"Extinction Rebellion"-Protest Dicke Luft machen gegen dicke Luft

Stand: 08.10.2019 04:06 Uhr

Am ersten Tag der angekündigten Protestwoche für den Klimaschutz haben Aktivisten von "Extinction Rebellion" in mehreren Metropolen Straßen blockiert. In Berlin blieb es friedlich, in London gab es viele Festnahmen.

Nicht nur auf die Straßen gehen, sondern mit Aktionen das tägliche Leben der Gesellschaft ernsthaft stören und so ins Bewusstsein der Menschen vordringen: Das ist das erklärte Ziel der Umweltaktivisten von "Extinction Rebellion" (XR) - auf deutsch etwa "Aufstand gegen das Aussterben". Per zivilem Ungehorsam wollen sie diese Woche für einen drastischen Kurswechsel in der Klimapolitik eintreten und so den Druck auf die Regierungen erhöhen.

Nicht nur in London, wo die Bewegung ihren Ursprung hat, sondern auch in anderen Metropolen wie Berlin, Paris, Madrid, Amsterdam, New York, Melbourne oder Kapstadt sollen dafür immer wieder Aktionen stattfinden. Am heutigen ersten Tag gab es dabei zahlreiche Festnahmen.

Weltweite friedliche Rebellion gegen das Aussterben: "Extinction Rebellion"
tagesthemen 22:15 Uhr, 07.10.2019, M. Fiedler/A. König, RBB

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Blockade an der Siegessäule

In Berlin blieben die Auswirkungen der Klimaproteste überschaubar. Dort legten Aktivisten zwischenzeitlich den Autoverkehr rund um die Siegessäule lahm. Auch am Potsdamer Platz kam es zu Einschränkungen im Verkehr. An den beiden friedlichen Aktionen nahmen laut Polizei etwa 3000 Menschen teil.

Prominente Unterstützung gab es von der früheren "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete. Bei der Kundgebung an der Siegessäule forderte sie die Bundesregierung auf, mehr für den Klimaschutz zu tun. Dazu gehöre auch, den Klimanotstand auszurufen. Im Gegensatz zu früheren regionalen Klimaveränderungen handele es sich heute um eine existenzielle ökologische Krise, die alle auf der Erde betreffe, so Rackete.

Noch in der Nacht zu Dienstag verharrten in Berlin mehr als 150 Aktivisten am Potsdamer Platz, nachdem die Polizei eine Räumung abgebrochen hatte. Auch an der Siegessäule wollten Aktivisten übernachten, um den Verkehr dort weiter zu blockieren.

Die ehemalige "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete bei der Protestaktion an der Siegessäule. | Bildquelle: dpa
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Die ehemalige "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete mit dem XR-Logo: Eine symbolische Sanduhr.

Scheuer: Blockaden sind "unsäglich"

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte, es sei in Ordnung, für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Aber "gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr" seien nicht akzeptabel, sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nannte die Straßenblockaden "unsäglich". Die Demonstranten blockierten "frühmorgens Leute, die zu ihrer Arbeit fahren und die dafür sorgen, dass jeden Tag in Deutschland Wohlstand erwirtschaftet wird", sagte der CSU-Politiker.

Die AfD forderte ein "konsequentes Durchgreifen" der Polizei gegen die "wirre Endzeitsekte". Das alles habe mit Recht auf Versammlungsfreiheit nichts zu tun, sagte Vize-Parteichef Georg Pazderski.

FDP-Chef Christian Lindner forderte, dass sich Klimaaktivisten und Grüne "von den antidemokratischen und teils totalitären Äußerungen aus dieser Gruppierung distanzieren".

Festnahmen in London und Amsterdam

Bei den Protesten in London nahm die Polizei nach eigenen Angaben mindestens 217 Aktivisten fest. Diese hatten Straßen, Brücken und Plätze im Londoner Regierungsviertel Westminster blockiert. Einige ketteten sich an Straßenlaternen oder Autos, die mitten auf der Straße geparkt waren. "Extinction Rebellion" hofft, in London 10.000 Menschen für den zweiwöchigen Protest rund um das Parlament und Regierungsgebäude zu mobilisieren.

In Amsterdam nahm die Polizei etwa 50 Demonstranten bei einer Blockade-Aktion vorläufig in Gewahrsam. Die Aktivisten hatten eine wichtige Durchgangsstraße in Höhe des Reichsmuseums blockiert und dort unter anderem Zelte errichtet. Die Stadt hatte die Protestaktion an dieser Stelle verboten.

Festgenommener Aktivist in London | Bildquelle: REUTERS
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Festgenommener "Extinction Rebellion"-Aktivist in London

In Paris blockierten Aktivisten ebenfalls einen Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Wie die Zeitung "Le Parisien", berichtete, stellten sie rund um den Place du Châtelet nahe der Seine Strohballen auf und setzten sich auf die Straße.

Auch in Australien und Neuseeland starteten Anhänger des Klimabündnisses erste Aktionen. In Melbourne trafen sich Demonstranten am frühen Morgen zu einer Mahnwache auf den Stufen des Parlaments. In Sydney hielten Hunderte Aktivisten einen Sitzstreik auf einer stark befahrenen Straße in der Innenstadt ab, während sich in Brisbane eine kleine Gruppe von Aktivisten an eine Brücke kettete. Im neuseeländischen Wellington sorgten Aktivisten für Verkehrsstörungen, indem sie sich an ein Auto ketteten.

Bewegung aktiv in mehr als 50 Ländern

"Extinction Rebellion" ist ein in mehreren Staaten aktiver Zusammenschluss von Klimaaktivisten. Sie sehen den Klimawandel und das wachsende Artensterben als existenzielle ökologische Krise an, auf den mit einem radikalen Wandel des Wirtschaftens und des Konsums reagiert werden muss. Die Bewegung setzt zwar auf gewaltfreien Protest, ist nach eigenen Angaben aber bereit, Gesetze zu brechen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen. Schon bis 2025 müssten die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen auf netto null senken.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Oktober 2019 um 22:15 Uhr.

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